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ThyssenKrupp Hauptversammlung 2004

ThyssenKrupp beugt sich Druck des Pentagons

Kritische Aktionäre fordern erneut den Ausstieg aus dem Kriegsschiffbau

Für 406 Millionen Euro kaufte die ThyssenKrupp AG im Mai 2003 eigene Aktien zurück – zum Doppelten des damaligen Kurswerts. Verkäufer war die IFIC Holding AG, ein Unternehmen im Besitz der Islamischen Republik Iran.

Auslöser der ungewöhnlichen Maßnahme war eine Drohung des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums. Das Pentagon hatte dem Konzern mit Frist von wenigen Tagen angekündigt, ihn für alle Militäraufträge zu sperren, wenn er weiterhin unter „wesentlichem Einfluss“ eines Staates stehen würde, der „wiederholt terroristische Akte unterstützt.“ Als wesentlicher Einfluss galt dabei eine Beteiligung von mehr als fünf Prozent am Grundkapital, und die IFIC AG hielt seit langer Zeit 7,79 Prozent der Thyssen-Krupp-Aktien. Der teure Rückkauf drückte den iranischen Anteil auf für US-Militärs unverdächtige 4,5 Prozent.

„Wir haben mit Regierungsaufträgen relativ wenig zu tun“, behauptete Vorstands- mitglied Stefan Kirsten in der Hauptversammlung am 23. Januar 2004, „aber unsere Kunden.“ Insgesamt seien Umsätze in den USA von knapp acht Milliarden Dollar gefährdet gewesen, weil insbesondere die amerikanische Automobilindustrie nur von Lieferanten kaufen dürfe, die auch vom Pentagon akzeptiert seien.

Deshalb habe zu dem überteuerten Rückkauf keine Alternative bestanden, denn „sämtliche Anstrengungen der ThyssenKrupp AG um eine Ausnahmegenehmigung oder gar Änderung der US-Gesetzgebung waren zuvor gescheitert“ heißt es im Geschäftsbericht.

Festhalten an „Marineschiffbau“

Der Kritische Aktionär Henry Mathews hingegen wies in der Versammlung darauf hin, dass die Kontakte zum US-Militär doch enger sind, als der Vorstand glauben machen will. Auf seine konkrete Nachfrage musste Vorstandschef Ekkehard Schulz einge- stehen, dass ThyssenKrupp weiterhin mit der US-Marine über den Bau von 60 Küstenkampfschiffen und weiteren Hochsee-Kriegsschiffen verhandelt.

Auch bei der alljährlich diskutierten Frage, welche Maßnahmen der Vorstand unternommen habe, um die zum Konzern gehörenden Werften Blohm & Voss und Thyssen Nordseewerke aus ihrer Abhängigkeit vom Kriegsschiffbau zu befreien, machte Schulz keine gute Figur. Im Geschäftsjahr 2003 seien „leider“ weniger militärische Aufträge eingegangen als im Vorjahr, und der Konzern sei „gezwungen“, dies durch Handelsschiffbau auszugleichen, räumte er zwar ein, beharrte dann aber: „Unsere Werften sind Marinewerften und werden es auch bleiben.“

Kritischer Aktionär erinnert an Kriegsbeteiligung

In der Hauptversammlung 2003 hatte Schulz auf Nachfrage beteuert, seines Wissens würden keine Rüstungsgüter aus der Produktion seines Konzerns im – damals noch bevorstehenden – Angriffskrieg gegen den Irak zum Einsatz kommen. Deshalb wies Dachverbands-Sprecher Mathews die versammelten Anteilseignerinnen und Anteils- eigner im Januar 2004 auf die – nun schon vollendete – Realität des Irakkriegs hin:

Aus der Produktion von ThyssenKrupp stammten die Fregatten der deutschen Bundesmarine, die während des Angriffs auf den Irak am Horn von Afrika stationiert waren. Und entgegen aller Beteuerungen der Bundesregierung standen sie für die britischen und amerikanischen Streitkräfte nicht nur zur Hilfe im Notfall bereit, sondern fuhren aktiv Geleitschutz für Versorgungsschiffe der USA.

„Damit waren ThyssenKrupp-Produkte vielleicht auch beteiligt am Transport der völkerrechtlich international geächteten Napalmbomben, die US-Kampfflugzeuge auf den Irak abwarfen“, gab Mathews den Aktionären zu bedenken. Zwischenrufe und Beschimpfungen aus dem Publikum, die seit Jahren bei pazifistischen Redebeiträgen in den Hauptversammlungen dieser Firma üblich waren, blieben diesmal aus.

Verantwortung ist nicht teilbar

„Der Einfluss der Lobbyarbeit und Werbung von Rüstungsfirmen auf Politiker führt zu mehr Rüstung“, fuhr Mathews fort. „Und wenn beispielsweise Israel bei einem Produzenten neue Waffen kauft, wird sich Syrien gezwungen sehen, bei einem anderen Produzenten ebenfalls neue Waffen zu bestellen. Deshalb stehen nicht nur Politiker und Militärs in der Verantwortung für Kriege, sondern auch die Manager und Aktionäre der Rüstungsfirmen.“


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