„Beenden Sie den Transport von Kohle durch Ihre Tochterunternehmen!“: Rede von Arnaud Boehmann, Fridays for Future

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Arnaud Boehmann und ich komme von Fridays for Future Hamburg. Ich danke den Kritischen Aktionärinnen und Aktionären für ihre Einladung.

Wie Sie wissen bestreiken wir seit nun über 6 Monaten Schulen und Universitäten auf der ganzen Welt. Wir scheuen keine Mühen, um als das schlechte Gewissen der älteren Generationen ein Ansporn zum Wandel zu sein. Der großflächige Wandel innerhalb unserer Wirtschaft ist die Voraussetzung für eine Begrenzung des anthropogenen Klimawandels und damit für unser Überleben und das Ihrer und unserer Kinder.

Meine Damen und Herren, wir begrüßen, dass die HHLA seit mittlerweile sieben Jahren Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht und hiermit die Transparenz fördert. Die zahlreichen Projekte zur Emissionsreduzierung an den Terminals, der erste Emissionsfreie Terminal und das Erreichen und Übertreffen Ihrer eigenen Reduktionsziele verdienen Anerkennung.

Doch wir wären nicht wir und nicht heute hier, wenn wir es dabei belassen könnten. 31,7% Einsparung bei den spezifischen CO2-Emissionen ist ein großer Fortschritt, aber wenn Hapag-LLoyd es schafft, die Container mit 49% weniger Emissionen im Vergleich zu 2007 einmal um die Welt zu schippern, dann schaffen Sie das doch sicher auch!

Ein Blick in Ihren Nachhaltigkeitsbericht zeigt, dass Sie die Kennzahlen auf Ihrer Website einmal aktualisieren müssten, die sind noch auf dem Stand von 2016. Nun, Ihr Bericht zeigt, entgegen aller grünen Hoffnungen, dass Ihre CO2-Emissionen durch Flüssigbrennstoffe über die letzten Jahre konsequent gestiegen sind. Zwar haben Sie die absoluten Emissionen von 2017 auf 2018 um 7,4% senken können und 7,4% in einem Jahr, das ist ein wunderbarer Anfang, aber ich hoffe, Sie sind sich auch bewusst, dass Sie damit immer noch weit, weit über dem Niveau von 2014 liegen. Tatsächlich war die Senkung der absoluten Emissionen von 2017 auf 2018 auch die erste Senkung seit 2014, was leider keine besonders beeindruckende Leistung ist. Spätestens bei Einführung einer CO2-Steuer werden Sie für jedes einzelne Prozent und jede eingesparte Tonne CO2 dankbar sein. Wie steht die HHLA zur CO2-Steuer? Würden Sie sie gutheißen oder gar unterstützen?

Da Sie angeben, seit 2008 Emissionsdaten zu erheben und zu publizieren, möchte ich Sie bitten, in Ihren Nachhaltigkeitsberichten zur besseren Verständlichkeit der Entwicklungen, die absoluten Emissionen seit 2008 darzustellen und zu kontextualisieren.

Meine Damen und Herren, wie verhält es sich mit dem Landstrom? Wir meinen eine Landstrompflicht in allen europäischen Häfen ist der nächste logische Schritt. Als Hafenbetreiber sind Sie zusammen mit den Reedern und der Politik hier verantwortlich, schnell Tatsachen zu schaffen. Wie sieht Ihr Konzept für die Einrichtung von Landstrom an Ihren Terminals aus? Wie hoch wird der Anteil an erneuerbaren Energien am Strommix sein, den Schiffe bei Ihnen beziehen?

Sie dürfen unser aller Ziel nicht aus den Augen verlieren! Das langfristige Ziel kann nichts anderes sein, als den Umschlag und Weitertransport auf der Schiene vollkommen emissionsfrei zu machen. Nur so haben wir die Chance, die sich anbahnende globale Klimakatastrophe vielleicht noch ein wenig einzudämmen.

Deshalb frage ich Sie: Wo sieht sich die HHLA bei der Verwirklichung der internationalen Klimaziele von Paris? Haben Sie eine konkrete Strategie für die Ermöglichung emissionsfreier Transporte? Wie genau wollen Sie diese lebenswerte Welt für Ihre Kinder erhalten?

Nettonull ist das Ziel, und zwar nicht erst 2050. Trauen Sie sich!

Und dann ist da noch der Hansaport. Wie Sie vielleicht wissen, ist ein schneller Ausstieg aus der Kohle eines der vordringlichsten Ziele unserer Zeit. Die Kohle ist nicht nur der dreckigste von allen Energieträgern, hinter ihm steht auch eine der aggressivsten Lobbystrukturen des Landes. Die Zukunftsblindheit von RWE und Co wird uns alle noch teuer zu stehen kommen. Sie, meine Damen und Herren, sind hoffentlich nicht so nah am Wasser gebaut wie Ihre Kapitalanlagen, denn wenn der Meeresspiegel steigt, die Sturmfluten schlimmer werden und die Deiche brechen, dann müssen die Häfen zuerst dran glauben.

Deshalb fordern wir Sie auf, auch wenn es einen Teil Ihrer Umsätze trifft: Beenden Sie den Transport von Kohle durch Ihre Tochterunternehmen. Finden Sie neue Ideen, neue Angebote, neue Möglichkeiten, aber verabschieden sie sich von diesem überkommenen Energieträger und seiner scheinbaren Attraktivität. Im Namen ihrer Kinder und Enkel sage ich Ihnen: Lassen Sie ab von diesem Wahnsinn.

Vielen Dank!

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