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Position:

Kampagne Ethisches Investment (2002)

Ethisches Investment? – Kriterien!

Um stolze 690 Prozent stieg von 1998 bis 2001 das Volumen ethisch-ökologischer Fonds in Deutschland, wie aus der Branche berichtet wird. Entsprechend umkämpft ist dieses Segment des Kapitalanlage-Markts und ruft um so mehr unseriöse Anbieter auf den Plan, die mit Begriffen wie „Ethik“, „Verantwortung“ und „Nachhaltigkeit“ ihr Schindluder treiben.

Beipielsweise entlarvten die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre schon 2001 den Aktienindex FTSE4Good und darauf basierende Anlageprodukte als eine der größten Mogelpackungen, denn der angeblich ethische Index enthält die Umweltvergifter BASF und Bayer ebenso wie die Klimakiller Lufthansa, BMW und Volkswagen.

Jetzt legen die Kritischen Aktionäre eigene Kriterien für ethische Kapitalanlagen vor. Mit einer Positiv- und einer umfassend kommentierten Negativ-Lliste definieren sie, welche Geschäfte aus ihrer Sicht als umwelt- und sozialverträglich gelten. Die Negativ-Liste wird ergänzt durch eine ausführliche Kommentierung und zahlreiche Verweise. Die Positivliste liefert vor allem Anregungen zum Erkennen „sauberer“ Firmen.

Nach diesen Kriterien, die ständiger Verfeinerung unterliegen müssen, werden die Kritischen Aktionäre künftig Geldanlagen beurteilen. Gleichzeitig möchten sie ethisch motivierten Kapitalanlegerinnen und- anlegern eine Richtschnur bieten.

Warum das ethische Investment dringend gebraucht wird, zeigen drei Beispiele:

Der Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen erhöht die Kosten für das Saatgut, aber nicht – wie versprochen – die Erträge. Dies belegt eine jüngst vorgestellte Studie im Auftrag der Umweltorganisation ,Soil Association‘. Dennoch fließen weiterhin öffentliche und private Forschungsgelder in die „grüne“ Gentechnik. Geldmittel zur Bewahrung alter und standortangepasster Sorten bleiben jedoch Mangelware.

Die Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen müssen weiter entwickelt und auch wirtschaftlich gefördert werden, wenn die überfällige Energiewende bald Realität werden soll. Trotzdem fällt die staatliche Förderung dafür erheblich geringer aus, als seinerzeit für die Atomenergie. Auch Großbanken und Energiekonzerne setzen weiterhin auf Kraftwerke, die Kohle und Erdgas verfeuern. Gleichzeitig fehlt vielen ökologischen Stromerzeugern das Kapital für Innovationen und Investitionen.

Zahllose Programme der Vereinten Nationen und anderer internationaler Einrichtungen konnten die Armut in der sogenannten Dritten Welt seit Jahrzehnten nicht mindern, werden aber weiterhin mit Milliardenmitteln ausgestattet. Praktische Verbesserungen für eine Kleinbauerngemeinschaft in Afrika oder eine Frauenkooperative in Indien scheitern derweil an fehlenden Kleinstkrediten.

Lösungen für diese und andere Probleme verstauben in Schubladen, weil viele Kapitalanleger sich nicht dafür interessieren, weil sie lieber ihrer „Hausbank“ vertrauen, weil sie nicht nachfragen. Die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre möchten mit ihren Kriterien für ethisches Investment eine Richtschnur für Nachfragen geben. Anlage- berater sollen durchaus ins Straucheln geraten, wenn sie über Rüstungsfirmen in einem Fonds Auskunft geben müssen, oder über Arbeitsbedingungen bei einer Tochterfirma der empfohlenen Aktiengesellschaft. Wichtig ist, dass Anlegerinnen und Anleger nicht nur nach Rendite und Dividende fragen, sondern auch danach, woher sie stammen.

Weiterlesen: Negativ-Kriterien (mit Kommentierung und Verweisen)

Weiterlesen: Positiv-Kriterien

Bestellen: Das gedruckte Flugblatt zu dieser Kampagne (ohne Kommentierung und Verweise der Negativ-Kritierien) können Sie kostenlos bestellen – gerne auch in größerer Stückzahl zum Weiterverteilen!

Hinweise: Die VerbraucherInitiative hat die Kriterien der Kritischen Aktionäre in ihrem verbraucherpolitischen Positionspapier zum ethischen Investment vom November 2002 als Referenz angeführt.

Die Bewegungsstiftung hat die Negativ-Kriterien der Kritischen Aktionäre ausdrücklich in Absatz 2.1 ihrer Richtlinien zur Geldanlage vom Mai 2005 zum eigenen Maßstab erhoben und sie als abschließenden Bestandteil ihrer Richtlinien vollständig übernommen.

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