Newsletter September 2024
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Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

bei Lohnkonflikten verweisen Gewerkschaften zu Recht auf den Grundsatz, dass diese am besten mit den Beteiligten vor Ort ausgehandelt und gelöst werden müssen. Gerade bei globalen Lieferketten kann eine Einmischung von Dritten alles andere als nützlich sein.

Pikanterweise weist ausgerechnet der Textildiscounter KiK auf diesen Grundsatz hin, angesichts anhaltender Kritik, der Konzern werde seinen Sorgfaltspflichten und eigenen Aussagen zur Durchsetzung menschenwürdiger Löhne in den eigenen Lieferketten nicht gerecht.

So wichtig der eine Grundsatz ist, genauso wichtig ist es, Gewerkschaften erstmal zuzuhören. In Pakistan beklagt der Gewerkschaftsverband NTUF, dass sie noch nicht einmal freien Zugang zu Fabriken hätten, und Repressionen gegen eigene Mitglieder. In solchen Fällen muss KiK dann schon genau prüfen, ob die Zusagen der eigenen Zulieferer, Gewerkschaftsrechte zu achten, nicht nur auf dem Papier, sondern auch wirklich einhält.

Anhand solcher Beispiele diskutieren wir am Samstag auf unserer Jahrestagung die konkreten Herausforderungen, mithilfe des Lieferkettengesetzes auf faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen hinzuwirken. Dies geht nur mit Gewerkschaften, nicht über sie hinweg.

Genau deswegen verleihen wir unseren Henry Mathews Preis auch an Gisela Burckhardt und FEMNET. Zusammen mit Gewerkschaften konfrontieren sie nicht nur die Verantwortlichen bei KiK, sondern auch bei Hugo Boss oder Adidas mit den gewerkschaftsfeindlichen Praktiken in den eigenen Lieferketten.

Mit solidarischen Grüßen
Tilman Massa
Co-Geschäftsführer

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In diesem Newsletter:

  • Unsere Jahrestagung 2024: Wie kann das Lieferkettengesetz wirken?
  • Volkswagen: Dokumentarfilm Verkehrswendestadt Wolfsburg
  • Unternehmensverantwortung: Konferenz "Und was ist mit den Menschenrechten? China und die Sorgfaltspflichten"
  • Ressourcenwende: Rohstoffgipfel 2024
Unsere Jahrestagung 2024
Jahrestagung des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre am 14. September in Köln diskutiert über das Lieferkettengesetz in der Textilindustrie
Auf der Jahrestagung des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre diskutieren Expertinnen und Experten, ob das deutsche Lieferkettengesetz bereits eine positive Wirkung entfalten konnte und welche Erwartungen sich mit dem europäischen Lieferkettengesetz verbinden. Seinen konzernkritischen Henry Mathews Preis verleiht der Dachverband in diesem Jahr an Dr. Gisela Burckhardt und die Organisation FEMNET.Die jahrelange beharrliche Kampagnenarbeit von FEMNET und der Initiative Lieferkettengesetz hat dazu beigetragen, dass der Deutsche Bundestag 2023 das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verabschiedete. Die 2007 von Dr. Gisela Burckhardt mitbegründete Frauenrechtsorganisation FEMNET engagiert sich gegen die Ausbeutung und für die Rechte von Frauen in der globalen Bekleidungsindustrie – mit politischem Engagement in Europa, Bildungsarbeit an hiesigen Hochschulen und Schulen sowie einem Rechtshilfefonds für betroffene Frauen im Globalen Süden.Dr. Gisela Burckhardt und andere FEMNET-Mitarbeiterinnen haben immer wieder an Hauptversammlungen deutscher Textil- und Sportartikelunternehmen wie Hugo Boss und Adidas teilgenommen und die Unternehmen aufgefordert, die Einhaltung von Sozialstandards in der gesamten Lieferkette sicherzustellen.
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Volkswagen

Die Krise der Automobil-und Zulieferindustrie ist da. Weit über ​50.000 Stellen wurden in den letzten fünf Jahren verlagert oder ​vernichtet. Aber die Profite der Eigentümer wie Wolfgang Porsche ​oder dem Emirat Katar sprudeln dabei weiter.

Deswegen brauchen wir Konversion – den Umbau der Produktion auf ​Dinge, die wir wirklich brauchen – und Vergesellschaftung – die ​Fabrik denen, die darin arbeiten.

Dass die Aktionen der kreativen Aktivist*innen und kämpferischen ​Arbeiter*innen Wirkung zeigen, wird in weit über 100 lokalen, ​bundesweiten und internationalen Presseberichten deutlich, sowie ​auch der Repression seitens des Staats und Kapitals. Je eine ​Hausdurchsuchung zu Beginn und zum Ende der Kampagne, ​unzählige Prozesse und ein Kooperationsverbot aller städtischen ​Einrichtungen durch den CDU-Oberbürgermeister geben einen ​ersten Eindruck – hier wurde ein Nerv getroffen.

Der Film mit einigen Aktionsszenen und vielen Interviewpassagen ​zeigt die Wirksamkeit direkter Aktionen auf das gesellschaftliche ​Bewusstsein. „Es braucht nicht viele, um etwas zu bewegen“, so die ​Überzeugung der Aktivist*innen und Arbeiter*innen. Es geht darum ​die soziale und ökologische Frage zusammen zu denken und ​danach zu handeln.

Weitere Informationen und bundesweite Termine: film.verkehrswendestadt.de

Unternehmensverantwortung

Konferenz:
Und was ist mit den Menschenrechten?
China und die Sorgfaltspflichten

27.09.2024 in Bonn, Gustav-Stresemann-Institut, 9.30-13.00 Uhr

Eine Kooperationsveranstaltung des Gustav-Stresemann-Instituts und SÜDWIND

In China hat sich in der Ära Xi Jinpings vieles verändert. Das Land wird aus europäischer Perspektive zunehmend als Rivale und Hotspot von Menschenrechtsverletzungen wahrgenommen. Zeitgleich sind in Europa die Debatten um nachhaltige Lieferketten und menschenrechtliche Sorgfaltspflichten von Unternehmen wichtiger geworden. Wie passen diese Entwicklungen zusammen? Und wie können menschenrechtliche Sorgfaltspflichten von Unternehmen, deren Lieferketten in China beginnen, wahrgenommen werden?

Diesen Fragen geht die Konferenz "Und was ist mit den Menschenrechten? China und die Sorgfaltspflichten" am 27. September 2024 von 09:30 bis 13 Uhr im Gespräch mit Akteur*innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft nach.

Bei der Konferenz anmelden

Ressourcenwende

Rohstoffgipfel 2024

Am 10. Oktober 2024 versammeln sich auf dem 2. Rohstoffgipfel führende Vertreter*innen aus Politik, Gewerkschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, um über die dringend notwendige Transformation der deutschen und europäischen Rohstoffpolitik zu diskutieren. Organisiert von den Mitgliedern des Netzwerks Arbeitskreis (AK) Rohstoffe, bietet der Gipfel eine Plattform für den Austausch zwischen Akteur*innen, die sich der Herausforderung stellen, den Primärrohstoffbedarf auf ein zukunftsfähiges Niveau zu senken und gleichzeitig höchste menschenrechtliche und ökologische Standards in den Rohstofflieferketten durchzusetzen.

Der Weg zur Rohstoffwende

Die bisherige Rohstoffpolitik Deutschlands und Europas hat gezeigt, dass sie den Anforderungen unserer Zeit nicht gerecht wird. Sie trägt nach wie vor zur Ausbeutung von Mensch und Natur weltweit bei und perpetuiert einen ungerechten globalen Rohstoffhandel. Trotz zahlreicher Bekenntnisse zur Nachhaltigkeit ist es bislang nicht gelungen, den Ressourcenverbrauch in absoluten Zahlen zu senken oder eine echte Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Es ist klar: Es braucht einen fundamentalen Wandel in der Art und Weise, wie wir mit Rohstoffen umgehen.

Impulse aus der internationalen Zivilgesellschaft

Der Rohstoffgipfel 2024 wird durch die Teilnahme internationaler Expert*innen und Aktivisti*nnen bereichert, die aus erster Hand über die verheerenden sozialen und ökologischen Folgen des Rohstoffabbaus berichten. Vertreter*innen von Iglesia y Mineria aus Brasilien, Alyansa Tigil Mina aus den Philippinen und die Benchmarks Foundation aus Südafrika werden eindringlich aufzeigen, wie der steigende Rohstoffbedarf des Globalen Nordens zur Zerstörung von Lebensgrundlagen und zur Verletzung von Menschenrechten im Globalen Süden führt. Diese Stimmen sind essenziell, um die Dringlichkeit eines Wandels in der Rohstoffpolitik zu unterstreichen.

Zur Anmeldung Rohstoffgipfel 2024

Übersicht Veranstaltungen Alternative Rohstoffwoche

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Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V.
Pellenzstr. 39 (Hinterhaus) 50823 Köln
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