Gegenantrag

Gegenantrag zu Tagesordnungpunkt 3,
Entlastung der Mitglieder des Vorstands für das Geschäftsjahr 2015

Die Mitglieder des Vorstands der Allianz SE werden nicht entlastet.

Begründung:

Dämme

Die Allianz hat Ende 2011 fünf Prozent der Versicherungssumme für die Baukosten für den Großstaudamm Belo Monte im brasilianischen Amazonasgebiet übernommen und diese gegen Risiken versichert. Beim Staudamm Belo Monte wurden über 20.000 Menschen zwangsumgesiedelt, viele leben nun in sozial deutlich schlechteren Verhältnissen als zuvor. Trotz vertraglicher Zusicherung hat die Projektbetreiberin Norte Energia bis heute eine Vielzahl der Auflagen, die vor der aktuell laufenden Flutung des Staubeckens hätten abgeschlossen werden, nicht erfüllt bzw. in etlichen Fällen noch nicht einmal begonnen. Des Weiteren wurde zu keinem Zeitpunkt eine freie vorherige und informierte Zustimmung der betroffenen lokalen indigenen Bevölkerung eingeholt, obwohl dies die ILO-Konvention 169 bei Umsiedlungen eigentlich zwingend vorschreibt. Trotz wiederholter Konsultationen hat die Allianz bisher keine Konsequenzen aus diesem Negativbeispiel gezogen und besitzt bis heute keine veröffentlichten Mindeststandards für ihr Versicherungsgeschäft mit Großstaudämmen.

Minen-Altlasten und Dammbruch

Am 5. November 2015 brach der Damm Fundão des brasilianischen Minenbetreibers Samarco. Der Unfall kostete 19 Menschen das Leben, machte hunderte Menschen obdachlos und verseuchte den Fluss Rio Doce auf 680 km. Tausende Fischer stehen vor dem wirtschaftlichen Aus, während über eine Million Menschen entlang des Rio Doce ihr Trinkwasser provisorisch aus Tanklastern beziehen müssen. Laut unkommentiert gebliebenen Presseberichten hat die  Allianz eine Schadenssumme von 70 Mio. US-$ abgesichert. Diese deckt jedoch nur einen Bruchteil der Schäden ab, insgesamt wird von Kosten von 5 Mrd. € (Staatsschätzung) bis zu 20 Mrd. € (Zivilgesellschaftssschätzung) ausgegangen. Es stellt sich hier die Frage, ob es sich bei der abgeschlossenen Versicherung um eine grob fahrlässige Unterversicherung handelt. Auf die Gefahren des Dammbruches haben nach Aussagen der brasilianischen Bundesstaatsanwaltschaft Ingenieure bereits vor Jahren hingewiesen, den Hinweisen wurde aber nicht nachgegangen.

HeidelbergCement

Nach im Auftrag von Facing Finance durchgeführten Recherchen hält die Allianz Versicherung im Rahmen ihrer Vermögensverwaltung entweder selbst oder im Auftrag Dritter Aktien an dem israelischen Konzern Hanson Israel, einem Tochterunternehmen von HeidelbergCement. Das Unternehmen steht in der Kritik, weil es seit vielen Jahren im von Israel besetzten Westjordanland einen Steinbruch, zwei Betonwerke sowie ein Asphaltwerk betreibt. Führende skandinavische Pensionsfonds und Lebensversicherer, KLP aus Norwegen, AP7 aus Schweden und PFA aus Dänemark, haben unlängst sämtliche Beteiligungen an HeidelbergCement kategorisch beendet, da sie die durch den Konzern betriebene Ausbeutung natürlicher Ressourcen auf besetztem Gebiet für völkerrechtswidrig und unvereinbar mit den eigenen Richtlinien für verantwortungsvolles Investieren halten.

Die Allianz sollte sich daran ein Beispiel nehmen und HeidelbergCement umgehend aus ihrem Portfolio nehmen.

Rüstung

Die Allianz hält selbst oder als Vermögensverwalter für Dritte Aktien und Anleihen an zahlreichen großen Rüstungsfirmen weltweit. Während die deutsche Allianz 2011 zumindest Atomwaffenhersteller aus ihrem Portfolio gestrichen hat, bleibt der Mutterkonzern weiter in zahlreiche Atomwaffenhersteller wie z.B. BAE Systems, Northrop Grumman oder Honeywell International investiert wie die Studie „Don´t bank on the bomb 4“ der niederländischen Nicht-Regierungsorganisation Pax belegt. Die Produktpalette von Unternehmen wie BAE Systems geht jedoch weiter über die Herstellung von Atomraketen hinaus: sie bauen Panzer, Kampfjets und Raketen, die sie in zahlreiche Krisenregionen dieser Welt (z.B. Saudi-Arabien) exportieren und die dort auch zum Einsatz kommen. Die Allianz SE verfügt über keine Mindeststandards in diesem Sektor, die das Halten von Aktien und Anleihen von Unternehmen verbietet, die an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sind und/oder ihre Produkte in Spannungs- und Konfliktgebiete exportieren. Dies ist angesichts der aktuellen Kriegs- und Flüchtlingsszenarien nicht vereinbar mit einer nachhaltig ausgerichteten Geschäftsstrategie.

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