Henry Mathews Preis

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre verleiht seit 2007 den Henry Mathews Preis für Konzernkritik.

Mit dem Preis werden Aktivist*innen und Organisationen ausgezeichnet, die mit hohen Engagement auf die Verantwortung der Konzerne für Menschenrechte und Umweltschutz aufmerksam machen: durch investigative Recherche, Interventionen auf den Hauptversammlungen und öffentliche Aktionen.

Der Preis ist nach dem langjährigen Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Dachverbands benannt. Henry Mathews hat den Dachverband geprägt wie kein anderer. Aus einem kleinen Kreis konzernkritischer Aktivisten entwickelte er einen schlagkräftigen Verband mit heute 28 Mitgliedsorganisationen.

Aktueller Preisträger

„Gerechtigkeit – steh auf, Brumadinho“: Ulf Georgiew protestiert vor der diesjährigen Hauptversammlung der Aurubis AG in Hamburg.
Die Preisverleihung auf der Jahrestagung 2019

2019: Ulf Georgiew

Auf der Jahrestagung des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre am 21. September 2019 in Köln hat Ulf Georgiew den Henry Mathews Preis erhalten.

Ulf Georgiew arbeitet schon seit Jahren ehrenamtlich für die Kritischen Aktionäre und beschäftigt sich intensiv mit der Aurubis AG, Europas größtem Kupferproduzenten. Durch zahlreiche Aufenthalte in Bulgarien hat er einen besonderen Einblick in die Verhältnisse am Aurubis-Standort Pirdop.

Auf den Hauptversammlungen der Aurubis AG berichtet er über gravierende Umweltschutzverletzungen. „Obwohl Bulgarien ein Mitgliedsland der Europäischen Union ist und sich zur Einhaltung der gleichen Umweltstandards wie die anderen Länder verpflichtete, gibt es am Werksstandort Pirdop immer wieder Vorgänge, die nicht den Umweltstandards der EU entsprechen“, kritisiert Georgiew.

Doch auch die mangelnde Verantwortung für Aurubis-Lieferanten in anderen Regionen beschäftigt Georgiew. Auf der diesjährigen Aktionärsversammlung sprach er eine der größten Umweltkatastrophen in Brasilien an. Nach dem Bruch eines Tailing-Damms des Aurubis-Lieferanten Vale rollte eine Schlammlawine über Siedlungen nahe der Ortschaft Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais hinweg und forderte mindestens 246 Menschenleben.

Ulf Georgiew berichtet über Umweltverschmutzungen durch Aurubis in Bulgarien

Bisherige Preisträger*innen

Christian Russau vom Dachverband überreichte die Urkunden an (v.l.) Kirstin Büttner, Rita Trautmann, Steffi Wassermann und Giulia Fellin.

2018: HondurasDelegation und Öku-Büro

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre hat auf seiner Jahrestagung 2018 den konzernkritischen Henry Mathews Preis an die HondurasDelegation und das Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit München verliehen.

Die Aktivist*innen beider Organisationen haben in den vergangenen Jahren unbeirrt und mit Nachdruck, mit Fachexpertise und Detailkenntnissen hohes menschenrechtliches Engagement im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen in Honduras geleistet. Dabei haben sie stets auf die wichtigen Fragen der Mitverantwortung deutscher Konzerne hingewiesen.

Konkret ist dies im Fall zu der Beteiligung von Siemens und Voith Hydro an dem umstrittenen Staudammprojekt „Agua Zarca“ in Honduras geworden, zu dem beide Organisationen recherchiert, informiert und auf den Hauptversammlungen von Siemens gesprochen haben.

Rede von Andrea Lammers
Laudatio von Christian Russau

2016: Kampagne „Plough Back the Fruits“

Den Henry Mathews Preis 2016 hat der Dachverband der Kritischen Aktionäre an zwei Witwen südafrikanischer Bergleute und eine Gruppe internationaler UnterstützerInnen verliehen. Mit der Kampagne „Plough Back the Fruits“ setzen sich die PreisträgerInnen sich für eine Wiedergutmachung an den Hinterbliebenen des Massakers von Marikana ein.

34 streikende Minenarbeiter des weltweit drittgrößten Platinminenbetreibers Lonmin wurden am 16. August 2012 von der Polizei erschossen. Die Untersuchungskommission gibt Lomin Mitschuld am Massaker. BASF ist Hauptkunde von Lonmin.

basflonmin.com

2014: Maik Pflaum
und die Christliche Initiative Romero

Maik Pflaum und die Christliche Initiative Romero erhalten den Henry Mathews Preis 2014 für ihr langjähriges soziales Engagement in Mittelamerika. Die CIR hat über viele Jahre hervorragende und vertrauensvolle Kontakte zu Frauenorganisationen in El Salvador, Nicaragua und Honduras aufgebaut und ist ein zuverlässiger Partner bei der Durchsetzung von Arbeitsrechten in der Bekleidungs- und Sportartikelindustrie. Pflaum und die CIR leisten seit vielen Jahren wichtige konzernkritische Arbeit bei den Aktionärsversammlungen von Adidas, Puma und Metro. 2014 kooperierten Pflaum und die CIR intensiv mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre im Rahmen des Projekts „fairplay  – Konzerne in der Verantwortung für Mensch und Umwelt“.

2013: Paul Corbit Brown
und die Stiftung Keeper of the Mountains

Paul Corbit Brown und die Stiftung Keeper of the Mountains erhalten den Henry Mathews Preis 2013 für ihren besonderen Einsatz für Umweltschutz und Menschenrechte. Brown und die Stiftung setzen sich für den Schutz der Berge in den Appalachen im US-Bundesstaat West Virginia ein. Mit großem Engagement wehren sie sich gegen das sog. Mountaintop Removal der Bergbau-Konzerne und dessen Finanzierung durch die Banken. Brown hat 2013 auf zehn Hauptversammlungen in Europa die Konzernvorstände aufgefordert, keine Profite auf Kosten von Mensch und Umwelt zu machen. Damit hat er im Rahmen des Projekts „Kritisches Aktionärstum stärken – Konzerne in die ökologische und soziale Verantwortung nehmen“ einen außergewöhnlichen Beitrag geleistet.

2012: Christian Russau
und die Kooperation Brasilien (KoBra)

Christian Russau ist Politologe, Übersetzer und freier Mitarbeiter des Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL) sowie Mitglied der Kooperation Brasilien (KoBra). Als Journalist und Autor schreibt er vorwiegend für alternative Medien wie Lateinamerika Nachrichten, amerika21 u.a. Seit 2008 ist er in der internationalen Kampagne gegen das Stahlwerk TKCSA von ThyssenKrupp aktiv.

2011: Axel Köhler-Schnura
und die Coordination gegen BAYER-Gefahren

Axel Köhler-Schnura arbeitet ehrenamtlich im Vorstand der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG). Seit der Gründung der ursprünglichen „Wuppertaler Bürgerinitiative gegen Bayer-Umweltgefahren“ ist er aktiv im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Umweltverschmutzung im BayerKonzern. Damals entstand die Initiative aufgrund von Störungen im Bayer-Werk in Wuppertal.
1983 war Köhler-Schnura einer der Gründer der jetzigen CBG, die sich zu der Zeit auch immer weiter in Deutschland vernetzte.
Seitdem gehen die Kritischen Aktionäre jedes Jahr auf die Hauptversammlung des Konzerns und prangern dort die Missstände im Unternehmen an.

2010: Thomas Küchenmeister
und das Aktionsbündnis Landmine.de

Das Aktionsbündnis Landmine.de und sein Leiter Thomas Küchenmeister setzen sich seit vielen Jahren für ein weltweites Verbot der Entwicklung, der Produktion, des Exports und des Einsatzes aller Landminentypen und von Streumunition ein. Es hat das öffentliche Bewusstsein für die Gefahr, die von Rüstungsproduktion ausgeht, geschärft. Das Bündnis hat in hervorragender Art und Weise Konzernopfern eine Stimme gegeben und damit die Arbeit des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre unterstützt.

2009: Christiane Schnura
und die Kampagne für Saubere Kleidung

Die Kampagne für Saubere Kleidung arbeitet seit vielen Jahren eng mit dem Dachverband zusammen. Mitglieder der Kampagne nutzen für ihre Arbeit auch Aktionärshauptversammlungen verschiedener Konzerne, darunter Adidas, Puma und Metro, um sich für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der internationalen Bekleidungs- und Sportartikelindustrie einzusetzen.

2008: Gregor Böckermann
und die Ordensleute für den Frieden (IOF)

Bei der Jahresversammlung der Kritischen Aktionäre am 20. September 2008 in Köln wurde der Henry Mathews Preis an Gregor Böckermann und die Initiative Ordensleute für den Frieden verliehen. Die Preisträger zeichnen sich durch ihr hartnäckiges Engagement und ihre phantasievollen Aktionen gegen die Geschäftspolitik der Deutschen Bank und der Commerzbank aus.

2007: Heffa Schücking
und urgewald

Heffa Schücking ist die Gründerin und Geschäftsführerin der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald. Urgewald nimmt seit vielen Jahren an Aktionärsversammlungen deutscher Banken und Energiekonzerne Teil. Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrem Engagement trugen Schücking und ihr Team erheblich dazu bei, dass deutsche Großbanken sich aus der Finanzierung eines risikoreichen Projektes, der Errichtung des Atomkraftwerks Belene (Bulgarien), zurück gezogen haben.

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