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Autor: Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
Stand: 17.12.2018




Newsletter Dezember 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,


die Stromerzeugung ist für die RWE AG ein lukratives Geschäft, aber die Zeche zahlen andere: die Menschen an den Kohletagebauen – etwa im rheinischen Braunkohlrevier, vor allem aber in einem der größten Kohleabbaugebiete der Welt: in Kolumbien.

"Die Erde ist die endliche Quelle, aus der Wohlstand und Fortschritt kommen", sagte Maria Fernanda Herrera Palomo in ihrer Rede auf der RWE-Hauptversammlung am 26. April 2018. Doch ihre Botschaft schien Vorstand und Aufsichtsrat zu langweilen. Auch Herreras anschließende Frage interessierte sie nicht: "Wer wird morgen die Kosten für den unstillbaren Durst der industriellen Konsumgesellschaft tragen?"

Maria Herrera kennt die Mine "El Cerrejón", aus der RWE billig Steinkohle kauft: "Sie kostet das Leben von Tausenden von Menschen. 35 Gemeinden wurden bis heute zum Teil gewaltsam geräumt, die Bevölkerung aber nicht angemessen entschädigt. Flüsse wurden stark verschmutzt, der Grundwasserpegel ist stark abgesunken, Quellen sind ausgetrocknet", erklärt Maria Herrera. "Aus diesem Grund sind in den letzten Jahren nach und nach die Anbauflächen von Mais, Bohnen, Maniok und Hirse sowie die Viehwirtschaft und Stoffherstellung verschwunden. Das Fehlen von Wasser und die Verschmutzung der Luft führten zu Hunger, dem Tod von 5.000 Kindern in sieben Jahren, wahrer Armut und schweren Gesundheitsproblemen."

Maria Herrera lebte, bis sie 20 war, in Kolumbien und kam dann nach Deutschland. Dort hat sie gesehen, dass RWE auch in seinem Herkunftsland die Interessen der Bevölkerung mit Füßen tritt. Sie hat sich solidarisiert mit der Bevölkerung, die sich gegen den Braunkohleabbau in den Tagebauen Hambach und Garzweiler wehrt. "Noch können wir Schlimmeres verhindern", mahnt Herrera, "wenn wir den Kohleabbau möglichst schnell stoppen und entschlossen in erneuerbare Energien investieren."

Wir vom Dachverband wollen möglichst viele Menschen ermutigen, sich rücksichtsloser Konzernmacht entgegenzustellen. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Mit Ihrer Spende können wir gegen Vertreibung und Umweltzerstörung vorgehen.

Solidarische Grüße
Markus Dufner
Geschäftsführer

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Unsere Themen in dieser Ausgabe:

  • Tödlicher Kohleabbau: Wir müssen den Druck auf RWE erhöhen
  • Protest für den Klimaschutz: Dachverband auf großer Doppel-Demo
  • Einladung: Diskussionsabend zu Steinkohleimporten
  • Rückblick: Dachverband auf FairFinanceWeek und Femnet-Konferenz
  • Hauptversammlungen 2019: Bei diesen Konzernen sprechen wir

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Der Preis für Kohlestrom ist hoch: Menschen werden getötet, die Umwelt wird zerstört, das Klima aufgeheizt. Deshalb müssen wir den Druck auf Konzerne wie RWE erhöhen

Die Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung der Bundesregierung (Kohlekommission) diskutiert, wie und wann Deutschland ohne Kohle auskommen kann. Aber bis dahin laufen die Kraftwerke der Energiekonzerne weiter – mit Braunkohle aus Deutschland, aber auch mit Steinkohle aus Russland und Kolumbien. Weltweit geht Kohleförderung einher mit Umweltzerstörung und massiver Gewalt gegen die lokale Bevölkerung.

Deutschland fördert ab 2019 keine Steinkohle mehr, und mit dem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Wald scheint auch der Ausstieg aus der Braunkohle eingeläutet. Doch statt auf erneuerbare Energien und Klimaschutz zu setzen, ist Deutschland europäischer Kohle-Importmeister geworden. Die Energiekonzerne RWE, Uniper und Vattenfall verbrennen nun überwiegend Steinkohle aus Russland und Kolumbien. Dabei ist die Menschenrechtssituation in den Abbauregionen katastrophal.

Doch der Widerstand gegen die Kohlelobby in Politik und Wirtschaft wächst.


Tödliche Gewalt

Für die riesigen Tagebaue werden Menschen aus ihrer Heimat ohne angemessene Entschädigung vertrieben. Viele Aktivist*innen sind Opfer von Gewalt, Drohungen und Einschüchterungen geworden. Allein im kolumbianischen César wurden innerhalb von 20 Jahren 55.000 Bäuerinnen und Bauern gezwungen, ihr Land für den Kohleabbau aufzugeben. Mehr als 3.100 Menschen sind ermordet worden, weitere 240 werden vermisst.

María Fernanda Herrera Palomo stammt aus Kolumbien und engagiert sich in der Bürgerinitiative zu Importkohle-Gesprächen Dortmund. Auf der RWE-Hauptversammlung fragte sie für uns nach:

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Tödliche Umweltzerstörung

Die verursachten Umweltschäden durch die Minen sind immens: Flüsse werden für die Minen umgeleitet oder gleich ausgetrocknet, Wasservorkommen sind schrittweise verschwunden. Die Verschmutzung von Luft, Boden und Wasser durch den Kohlenstaub und freigesetzte Chemikalien zerstört Ökosysteme und belastet die Gesundheit der lokalen Bevölkerung.

Tjan Zaotschnaja kommt aus Russland und setzt sich mit der Gesellschaft für bedrohte Völker für die Rechte der indigenen Schoren ein.

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Tödliche Gesundheitsgefährdung

Kohlestaub verursacht Herzinfarkte, Schlaganfälle oder chronische Lungenerkrankungen. Allein in Deutschland sind Kohlekraftwerke jedes Jahr für mehr als 3.800 vorzeitige Todesfälle verantwortlich. In Kolumbien müssen allein wegen der untragbaren Verschmutzung Gemeinden zwangsumgesiedelt werden.

Antje Grothus ist Mitglied der Initiative „Buirer für Buir“ und wurde als Vertreterin der Braunkohle- Betroffenen im Rheinland in die Kohlekommission berufen.

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Was wir gegen den tödlichen Kohleabbau tun

Seit Jahren kritisieren wir diese Umstände auf den Hauptversammlungen und fordern die Energiekonzerne auf, aus der Kohleverstromung auszusteigen.
Sie müssen stärker in erneuerbare Energien investieren. Mittlerweile suchen RWE und Uniper über die Initiative "Better Coal" das Gespräch mit Betroffenen vor Ort.

Werbewirksam bekennen sich die Konzerne zu Menschenrechten, Umweltschutz und den Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der UN, doch die Geschäfte laufen weiter, als wäre nichts passiert. Die Menschen in den Kohlerevieren in Kolumbien, Russland und Deutschland brauchen unsere Unterstützung gegen RWE und die Kohlelobby.


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Große Klima-Demo in Berlin und Köln

Tempo machen beim Kohleausstieg!

Dachverband infomierte über problematische Steinkohleimporte

Über 36.000 Menschen haben letzten Samstag in Köln und Berlin trotz Kälte und Wind für einen engagierten Kohleausstieg und gegen das Versagen der Bundesregierung beim Klimaschutz protestiert. Kurz vor Beginn des derzeit tagenden Weltklimagipfels (COP24) im polnischen Katowice und vier Tage nach dem vernichtenden Klima-Zeugnis des UN-Umweltprogramms zeigten sich viele der Demonstrant*innen entsetzt und enttäuscht über die Untätigkeit der Politik.

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Auf einem Infostand haben wir in Köln über die Menschenrechtsverletzungen beim Steinkohleabbau in Kolumbien und Russland informiert und dabei auf die Verantwortung der deutschen Energiekonzerne hingewiesen.

> Video des BUND mit Eindrücken der Demonstration

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Vorschau und weitere Termine

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Deutschland fördert ab 2019 keine Steinkohle mehr, und mit dem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Wald scheint auch der Ausstieg aus der Braunkohle eingeläutet. Doch statt auf erneuerbare Energien und Klimaschutz zu setzen, wird mehr Steinkohle importiert, allem voran aus Russland und Kolumbien. In den dortigen Abbauregionen ist die Menschenrechtssituation katastrophal:

Das Grundwasser wird verseucht, Menschen erkranken durch Kohlestaub, Gemeinden werden zwangsumgesiedelt. Regt sich Widerstand, wird dieser unterdrückt. Viele Aktivist*innen sind Opfer von Gewalt, Drohungen und Einschüchterungen geworden.

Seit Jahren kritisieren wir diese Umstände auf den Hauptversammlungen der deutschen Energiekonzerne. Nicht zuletzt bekennen sich diese zum Schutz der Menschenrechte und den Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der UN. Mittlerweile suchen RWE oder Uniper über die Initiative "Better Coal" das Gespräch mit Betroffenen vor Ort. Doch die Geschäfte laufen weiter, als wäre nichts passiert.
Ist dieser Dialog oder ein Abbruch der Geschäftsbeziehungen hilfreicher bei Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten? Wie weit reicht die Verantwortung deutscher Unternehmen und Konsument*innen? Welche Möglichkeiten hat der transnationale Aktivismus?

Wir laden ein, diese Fragen mit Expert*innen und Aktivist*innen zu diskutieren. Wir möchten dabei auch abstimmen, welche konkreten Fragen und Forderungen wir auf den Hauptversammlungen an die deutschen Energieunternehmen stellen werden.

Referent*innen:

  • Fernanda Herrera Palomo (Bürgerinitiative Importkohlegesprächen Dortmund)
  • Aktivist*innen von ausgeCOhlt


Wann: Donnerstag, 24. Januar 2019, 19-21 Uhr
Wo: Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24 b, 50678 Köln


> Informationen auf unserer Webseite

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Rückblick


Fair Finance Week: Shareholder-Aktivismus und Divestment

„Klimaschutz - mit der Macht der Sparer?“: Dachverband, urgewald, WWF und Fossil Free favorisieren unterschiedliche Wege

Zumindest darüber Bestand Einigkeit bei der Diskussionsveranstaltung, die Oikocredit sowie kirchliche und grüne Banken ausrichteten: Die Menschheit steht vor der Riesen-Herausforderung, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters zu begrenzen.

Agnes Dieckmann von der Menschenrechts- und Umweltschutzorganisation urgewald machte gleich zu Beginn deutlich, dass kein Geld mehr in die Kohleindustrie fließen dürfe, wenn dieses Ziel erreicht werden soll. Große Investoren wie der staatliche Norwegische Pensionsfonds und die Allianz SE haben auf Druck von Nichtregierungsorganisationen beschlossen, Firmen nicht mehr zu finanzieren, deren Umsatz oder Stromproduktion zu mehr als 30 Prozent auf Kohle basieren. Auch immer mehr Städte und Universitäten ziehen ihre Gelder aus klimaschädlichen Anlagen ab, berichtete Nina Giaramita von Fossil Free.

Während Giaramita und Dieckmann sich, nur in Nuancen unterscheidend, klar für Divestment aussprachen – also den vollständigen Ausstieg von Anlagen in nicht klimafreundliche Konzerne - plädierte Dachverbands-Geschäftsführer Markus Dufner dafür, von Fall zu Fall abzuwägen, wie man mit einem Unternehmen umgehe. „Solange wir Aktien besitzen, können wir auf Hauptversammlungen Druck ausüben. Häufig empfehlen wir in unseren Gegenanträgen, dem Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Dank unserer Redebeiträge erfahren andere Anteilseigner oft zum ersten Mal, wie rücksichtslos Unternehmen bei Projekten vorgehen – nicht nur in Schwellen- und Entwicklungsländern, sondern auch hierzulande zum Beispiel beim Braunkohletagebau.“

Matthias Kopp vom WWF Deutschland bezeichnete Divestment als „das letzte Glied der Kette“, wenn alles andere schon gescheitert sei. „Finanzielle Mittel müssen dahin gelenkt werden, wo es eine Stategie gibt, wie das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden kann.“

> Fair Finance Week Frankfurt 2018

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Die Hamburger Modebloggerin Josefine Watzlaw (4. von links) gewann den Wettbewerb "Let´s Change the Fashion System". Die Preisverleihung fand bei der SEWlutions-Konferenz von FEMNET in Hamburg statt

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SEWlutions-Konferenz: Textilunternehmen müssen sich mehr um ihre Lieferkette kümmern

Dachverband bei Hauptversammlungen von Adidas, Puma und Hugo Boss

150 Studierende des Modedesigns, der Textilwirtschaft und der Wirtschaftswissenschaften und Dozierende nahmen am 15. und 16. November bei der Konferenz „SEWlutions für die Zukunft der Bekleidungsindustrie“ in Hamburg teil, die von der Frauenrechtsorganisation FEMNET organisiert worden war.

Die FEMNET-Vorsitzende Gisela Burckhardt kritisierte, Unternehmen in der Textilbranche kümmerten sich zu wenig um die Lieferkette. „Heute arbeiten junge Frauen im Alter von 14 bis 18 Jahren für Minilöhne in den Textilfbriken der Schwellen- und Entwicklungsländer.
In Podiumsdiskussionen und Workshops kam es zu einem lebhaften Austausch zwischen den Studierenden, Vertretern von Forschungseinrichtungen, Unternehmen wie Tchibo und Otto sowie VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen.

Markus Dufner vom Dachverband leitete den Workshops „Wie man mit Aktien Unternehmen öffentlichkeitswirksam kritisieren kann“. Er stellte die Kampagne „Meine Stimme für gerechte Löhne“ vor, mit der sich die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre bei Adidas und Puma für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und „living wages“ eingesetzt hatten. Seit 2016 nahmen der Dachverband und FEMNET gemeinsam an den Hauptversammlungen von Hugo Boss teil. „Es hat mir total Spaß gemacht, mit den gut informierten und interessierten jungen Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagte Dufner.

Sarah Lincoln von Brot für die Welt stellte eine neue Kampagne für ein Lieferkettengesetz und äußerte die Hoffnung, dass sich viele Nichtregierungsorganisationen aus allen möglichen Bereichen daran beteiligen.

> Mehr über die FEMNET-Konferenz

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Fotos (in Reihenfolge nach unten): Philip Eichler Campact CC BY-NC 2.0, Herbert Sauerwein, Anke Konietzny, Monika Flemming, FEMNET / Kathrin Brunnhofer

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