„Umweltauswirkungen, die vermeidbar wären“: Rede von Moritz Leiner

Rede Moritz Leiner zur Lufthansa Hauptversammlung 2019

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Vorstand, lieber Aufsichtsrat, liebe Verwaltung,

Ich heiße Moritz Leiner, ich bin vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, welcher ca. 10.000 uns übertragene Aktien der Lufthansa AG vertritt. In meiner heutigen Rede beziehe ich mich auf den von unserem Dachverband eingereichten Gegenantrag, den Vorstand der Lufthansa AG nicht zu entlasten.

Der Klimawandel.

Wir alle kennen die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die momentane menschengemachte Erwärmung des Planeten.

Wir alle kennen die Konsequenzen.

Wir alle wissen, dass diejenigen die nicht handeln, die Verantwortung tragen für den katastrophalen Schaden an Mensch, Tier und Umwelt.

Wir – damit sind alle gesellschaftlichen Akteure eingeschlossen: Staaten, Individuen und auch Unternehmen wie die Lufthansa.

Das grundlegende Prinzip der Ethik Immanuel Kants lautet, wie sie sicher alle wissen: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Ich bin überzeugt, dass man, wenn man dieses Prinzip auf den Klimawandel überträgt, folgender Maxime folgen muss: „Handle nur so, dass dein Handeln nicht mehr als ein unvermeidbares Maß an CO2-Emissionen verursacht.“

Hiervon ist die Lufthansa Group auch überzeugt, denn in der Stellungnahme zu unserem Gegenantrag schrieb sie: „Die Lufthansa Group setzt sich nachdrücklich dafür ein, die Umweltauswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf ein unvermeidbares Maß zu begrenzen.“

Wieso sollte der Vorstand unserer Meinung nach also nicht entlastet werden?

Wir vom Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zweifeln daran, dass die Lufthansa AG bisher die Umweltauswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf ein unvermeidbares Maß beschränkt.

Ja, sie verringert ihre Umweltauswirkungen durch einige Effizienzsteigerungen in den Bereichen Infrastruktur und operative Maßnahmen. So gibt es zum Beispiel Investitionen in weniger CO2-intensive Flugzeuge und Flugstreckenoptimierungen.

Hierzu muss man allerdings anmerken, dass solche Effizienzsteigerungen im Einklang mit Gewinnsteigerungen stehen. Es ist aus unserer Sicht überheblich, gewinnsteigernde Effizienzverbesserungen als lobenswerten Klimaschutz darzustellen, da diese Effizienzverbesserungen auch ganz ohne Klimawandel durchgeführt worden wären!

Eine wirklich lobenswerte Klimaschutzmaßnahme, die keine ökonomischen Vorteile für die Lufthansa AG birgt, ist jedoch die CO2-Kompensation von Dienstflügen von Lufthansa-Mitarbeitern! Dies ist sehr zu begrüßen, es ist authentisch!

Vier Fragen dennoch hierzu:

  • Welche anderen konkreten Maßnahmen gibt es seitens der Lufthansa AG, CO2-Emissionen auf ein unvermeidbares Maß zu begrenzen, ohne gleichzeitig den Gewinn zu steigern?
  • Denkt die Lufthansa AG darüber nach, die Kompensationskosten der CO2-Emissionen für alle Fluggäste in den Flugpreis verbindlich anzurechnen, anstatt dem Kunden die Zahlung der CO2-Kompensationskosten freizustellen? Dies wäre ein großer und verantwortungsvoller Schritt und würde die Lufthansa AG zu DER Vorreiterin in Sachen Klimaschutz machen!
  • Plant die Lufthansa AG den Klimakompensationsanbieter und Geschäftspartner der Lufthansa ‚myclimate‘ hinsichtlich der Einhaltung von Kompensationsstandards, zum Beispiel durch Audits zu überprüfen?
  • Ab wann plant die Lufthansa AG – wie von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO ab 2021 auch vorgeschrieben –  CO2-neutral zu wachsen, aber ohne CO2-Kompensationszahlungen leisten zu müssen?
  • Außerdem: wie viele Flugzeuge älteren Bautyps werden bis 2025 ausgemustert, wie viele kommen in der gleichen Zeit neueren Typs hinzu?

Einige Zweifel daran, dass die Lufthansa AG ihre Umweltauswirkungen auf ein unvermeidbares Maß begrenzt, wecken folgende Zahlen:

Die absoluten CO₂-Emissionen der Lufthansa stiegen im Jahr 2018 um 7% von 30,4 Mio. Tonnen auf 32,6 Mio. Tonnen. Der Ausweitung des Flugverkehrs und damit der Gewinnsteigerung können Effizienzsteigerungen der Flugzeuge und andere CO2-senkende Maßnahmen offensichtlich wenig entgegensetzen.

Und: noch Heute, am 07.05.19, fliegen vier Lufthansa-Flugzeuge von München nach Nürnberg. Vier Kurzstreckenflüge, die relativ hohe CO2-Emissionen verursachen und vermeidbar wären! Dies sind Umweltauswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit, die vermeidbar wären!

  • Frage: Wie viele Kurzstreckenflüge unter einer Stunde Flugdauer bietet Lufthansa an?

Der bayrische Grünen-Landeschef Eike Hallitzky schlägt vor, den Zubringerverkehr per Schiene attraktiver zu machen: «zum Beispiel durch eine Tarifgestaltung, die Bahn- oder Buszubringer zu einem internationalen Flug in den Ticketpreis einschließt». Durch das Angebot „Lufthansa Express Rail“ ist dies meines Wissens nach bereits mancherorts in Deutschland Praxis. Leider aber nirgends nördlich von Dortmund und auch nicht im Raum München.

Mein Fragen hierzu:

  • Wie soll das Angebot „Lufthansa Express Rail“ nach dem Sommer 2019 in Deutschland ausgebaut werden?
  • Soll „Lufthansa Express Rail“ Kurzstreckenflüge mittelfristig ersetzen? Können Sie uns hier und heute eine verbindliche Zusage zur Abschaffung solcher vermeidbarer, umweltschädlicher Kurzstreckflüge geben? Auch hier bietet sich eine Möglichkeit, DIE Vorreiterrolle einzunehmen!
  • Soll solch ein Angebot auch in anderen Ländern forciert werden?

Gestatten Sie mir noch eine kleine Frage zu einem anderen Thema,

  • Im Jahr 2018 wurden 141 Abschiebungen durch Lufthansa-Piloten verhindert. Wurden diese Piloten in irgendeiner Form unternehmensintern besonders kontaktiert, belehrt und drohen diesen Piloten eventuell Konsequenzen irgendeiner Art?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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