Das rücksichtslose Geschäftsmodell von Nornickel und die Verantwortung deutscher Konzerne

Folgenreiches Desaster: 21.000 Tonnen Diesel liefen im Mai 2020 aus einem Kraftwerkstank von Nornickel, das Flusswasser färbte sich rot.

Deutsche Konzerne müssen vom russischen Rohstoffkonzern Nornickel die Achtung indigener Rechte und von Umweltstandards einfordern ‒ oder Geschäfte beenden

Nachdem im Mai 2020 über 21.000 Tonnen Diesel aus einem Kraftwerkstank ausliefen und für die bisher größte Ölkatastrophe in der russischen Arktis sorgten, musste der verantwortliche Konzern Nornickel (Norilsk Nickel) die bisher höchste Strafzahlung Russlands zahlen.

Doch die Schäden sind damit noch längt nicht behoben, geschweige denn die Ursachen angegangen. Neben dem sensiblen Ökosystem müssen vor allem die indigenen Gruppen im Norden Russlands unter den Folgen des rücksichtslosen Geschäftsmodells von Nornickel leiden.

Deutsche Unternehmen wissen seit Jahren von den Verstößen von Nornickel gegen internationale Sozial- und Umweltstandards. Doch an die Kredite der Commerzbank und Deutschen Bank kommt der Konzern weiter ohne Probleme. BASF bemüht sich um eine Verbesserung der Standards, da Nickel für Elektromobilität besonders wichtig ist ‒ bisher ohne ernsthaften Erfolg.

Gennadij Schukin

„Es ist ein Jahr her, dass Nornickel Dieselkraftstoff in die Flüsse und Seen der Taimyr-Halbinsel eingeleitet hat. Die Gemeinschaften sind seitdem ohne Fisch, und sie haben keine Entschädigungszahlungen bekommen. Sie wissen nicht, wie sie leben werden. Nach wie vor verweigert Nornickel das Gespräch mit den betroffenen indigenen Gemeinschaften.“

Gennadij Schukin
Vorsitzender der Vereinigung indigener Gemeinschaften der Taimyr-Halbinsel

„Was hat Nornickel auf der Kola-Halbinsel zurückgelassen? Unser Territorium wurde zerstört. Aber was macht das Unternehmen? Nichts. Es tut so, als würde es mit uns zusammenarbeiten, schließt aber ohne Konsultation Geheimverträge ab. Wir haben keine Möglichkeit, unsere traditionellen Lebensweisen wiederzubeleben. Nornickel respektiert die Rechte der indigenen Völker nicht.“

Andrei Danilov
Direktor der Sámi Heritage Foundation, Montschegorsk
Andrei Danilov

Die DWS, die zur Deutschen Bank gehörende Vermögensverwaltung, hat hingegen erste Konsequenzen gezogen, da die identifizierten Missstände nicht behoben wurden. Die DWS hat Nornickel aus einem Großteil ihrer Fonds genommen. Auf den Aktionärsversammlungen, aber auch in unseren direkten Dialogen werden wir weiterhin konkrete Schritte einfordern, damit der Druck auf Nornickel steigt.

Pavel Sulyandziga

„Für deutsche Unternehmen, die heute die Green Economy aufbauen, ist es sehr wichtig, bei der Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern internationale Standards für die Rechte indigener Völker einzuhalten. Es kann nicht sein, dass einige Länder und Gemeinschaften eine saubere Lebensumgebung haben, während indigene Völker, deren Land für die grüne Wirtschaft abgebaut wird, inmitten von verwüstetem Land und ‚Mondlandschaften‘ zurückgelassen werden.“

Pavel Sulyandziga
Vorsitzender der Stiftung Batani
www.batani.org

Wir fordern:

  • Stopp der Repressionen gegen Indigene, umfassende Entschädigungen
  • Achtung indigener Rechte, vor allem das Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung
  • Beendigung der Geschäftsbeziehungen, wenn keine Verbesserungen eintreten

Flyer zum Download

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