„Hier werden Kulturgüter vernichtet!“: Rede von Britta Kox

Sehr geehrte Damen und Herren vom Aufsichtsrat, Vorstand und Aktionäre,

mein Name ist Britta Kox, ich bin Mitglied der Initiative „ Alle Dörfer bleiben. Ich bin Einwohnerin des Ortes Berverath im Planungsgebiet Garzweiler 2.

Aber bin ich das wirklich? Eine Einwohnerin dieses kleinen Ortes, der seit 1377 besteht? 

Denn seit dem 01.Dezember 2016 sind wir im Planungsgebiet Garzweiler 2 keine Menschen mehr. Seit diesem Tag sind wir nur noch Umsiedler! Vertriebene im eigenen Land!

Am 06. Oktober 2018 kam es durch das OVG Münster zum Rodungsstop im Hambacher Forst. Seit diesem Tag, wissen wir, dass es auch anders gehen kann!

Am 15. April 2019 brannte in Paris eine Kathedrale, Notre Dame stand in Flammen und tiefe Trauer erfasste auch uns.

Nun hört man RWE spendet spontan 50.000 Euro für den Wiederaufbau dieser Kathedrale. Dies war ein Schlag in das Gesicht eines jeden Umsiedlers!

Auf der einen Seite spendet RWE 50.000 Euro für eine Kathedrale die 856 Jahre alt ist und auf der anderen Seite soll in naher Zukunft eine Kirche zerstört werden die 1305 Jahre alt ist und unter Denkmalschutz steht, in der bereits mehrere Generationen auch meiner Vorfahren geheirate haben. Diese Kirche ist nicht nur älter als Notre Dame, sondern auch älter als der Kölner Dom!

Diese Kirche steht in Keyenberg. Im Planungsgebiet Garzweiler 2!

In den Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Unter-Oberwestrich und Berverath stehen 33 Baudenkmäler! Sind die weniger wert als Notre Dame?

Über Jahrzehnte gepflegte Gebäude, die teils seit Generationen in Familienbesitz sind, sollen zerstört werden, obwohl eine Notwendigkeit nicht mehr gegeben ist? Liebe Aktionäre, ist das in ihren Augen sozial?

15. Februar 2016 starb St. Martinus in Borschemich! Durch die Hand von RWE!

St. Lambertus, auch der Immerather Dom genannt, die einzige Kirche im Kreis Heinsberg mit einer Doppelturmfassade wurde am 08. Januar 2018 unwiederbringlich vernichtet!

Die Mühle in Immerath, aus dem 17. Jahrhundert, wurde am 18. Oktober 2018 abgerissen, obwohl es nicht notwendig war. Angeblicher Hausschwammbefall war die Begründung, was durch Gutachten nicht bewiesen werden konnte. Tag für Tag werden Fakten geschaffen, finanziell unnötige Ausgaben und völlig unsozial.

Denn wenn etwas geplant wird, ein Gebiet berechnet, damit die Versorgung durch Kohleverstromung gewährleistet ist bis 2045, es dann aber zu einer Verkürzung der Kohleverstromung kommt um ganze 7 Jahre, dann muss auch die Planung neu überdacht werden! Dann muss auch das Planungsgebiet um diese 7 Jahre verkleinert werden! 

RWE baggert aber munter weiter, statt den Fakten ins Auge zu sehen. Sie nehmen sich etwas, obwohl sie es nicht brauchen, fügen den Menschen dadurch unnötiges Leid zu. Verursachen unnötige Kosten.

Ein Rittergut aus dem sechsten Jahrhundert, welches unter Bau- und Bodendenkmalschutz steht soll zerstört werden, um mit dem Abraum eine Autobahn auf zu schütten? Denn die Kohle bleibt in der Erde unter diesem Rittergut. Ist das in ihren Augen sinnvoll, sozialverträglich, gar menschlich?

Nein!

Hier werden unwiederbringlich Tag für Tag Kulturgüter vernichtet, auf unser aller Kosten. Nichts anderes!

Mein Notre Dame, ist mein Haus, welches seit mehreren Generationen in Familienbesitz ist. Es ist von meiner Urgroßmutter, als Witwe, nach dem zweiten Weltkrieg aus eigener Kraft mit 14 Kindern wieder aufgebaut worden. Dort ist mein Heim, dort ist mein Zuhause, dort schlägt mein Herz! Für mich ist es von unschätzbarem Wert!

In Immerath bin ich geboren, dieser Ort ist bereits zerstört. Tag für Tag frisst sich der Bagger näher an unsere Dörfer heran. Wir stellen uns dagegen, denn mit jeder Schaufel Erde, verschwindet ein Stück unseres Lebens, unserer Erinnerungen!

In Paris brannte eine Kathedrale und in Deutschland werden Kirchen vernichtet und verfeuert, für das so genannte Allgemeinwohl. Kann es noch allgemeines Wohl sein, wenn Dinge, die den Wert des Menschen selber ausmachen, zerstört werden? Menschen ihrer Erinnerungen, ihrer Heimat, ihrer Kirchen beraubt werden?

Sollte uns das was in Paris passiert ist nicht eine Mahnung sein? Unwiederbringlich zerstört durch ein Unglück, welches nicht vorhersehbar war.

Dieses Gefühl, welches um die Welt gegangen ist, diese Trauer um das, was verloren ist, diese Trauer empfinden Menschen hier in Deutschland, empfinden wir Tag für Tag, seit über 4 Jahrzehnten!!!

Nein!

Ich will nicht, dass noch mehr Kirchen, Denkmäler, über Jahrhunderte gewachsene Orte, Erinnerungen zerstört werden, wenn es keine Notwendigkeit mehr gibt. Über 40 Jahre sind definitiv genug! 

Liebe Aktionäre, möchten sie später ihren Kindern und Enkelkindern zeigen, wo sie aufgewachsen sind? Meinen Enkelkindern wird das verwehrt bleiben. Dank RWE, ihnen und ihrer Aktien, bleibt ihnen nur der Blick in ein Loch, wo einst die Heimat ihrer Vorfahren war!

Vielen Dank dafür!

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