Korruptionsvorwürfe gegen T-Systems Südafrika

Gegenanträge zur Hauptversammlung der Deutschen Telekom am 7. April

T-Systems, die IT-Tochter der Deutschen Telekom, profitierte möglicherweise in großem Umfang vom Korruptionssystem des südafrikanischen Ex-Präsidenten Jacob Zuma. Der Dachverband hat zur morgigen Hauptversammlung, die erstmals nach zwei Jahren wieder in Präsenz der Aktionärinnen und Aktionäre in Bonn stattfindet, zwei Gegenanträge eingereicht, in denen er die Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat empfiehlt.

„Die Korruptionsvorwürfe gegen T-Systems Südafrika lassen das ´Engagement gegen Korruption´ des Bonner Unternehmens wie Makulatur erscheinen“, sagt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Auf seiner Internetseite behauptet die Deutsche Telekom, sie lehne „jede Form von Korruption“ ab und lege „einen Schwerpunkt auf Maßnahmen zu ihrer Vermeidung“.

Mutmaßlich Zahlung von 700 Millionen Euro an T-Systems 

Laut Recherchen der britischen Antikorruptionsorganisation Shadowworld Investigations sollen im Jahr 2009 IT-Großaufträge mit den staatseigenen südafrikanischen Unternehmen Eskom (Energieversorgung) und Transnet (Betreiber von Eisenbahnen, Häfen und Pipelines) offenbar nur zustande gekommen sein, weil T-Systems enge Verbindungen zur indischen Unternehmerfamilie Gupta pflegte. Die Familie, die eng mit Präsident Zuma (2009 – 2018) befreundet war, kontrollierte demnach staatliche Institutionen und somit wichtige Entscheidungen. Dank der Verbindungen zu den Guptas könnten die südafrikanischen Staatsunternehmen umgerechnet fast 700 Millionen Euro an T-Systems gezahlt haben. Der Skandal löste in Südafrika eine Staatskrise aus, Zuma wurde zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt.

„Wenn sich die Korruptionsvorwürfe bewahrheiten, dann hat sich die Deutsche Telekom der Beihilfe zur kriminellen Übernahme der Republik Südafrika schuldig gemacht“, so Dufner. „Was wusste Timotheus Höttges davon?“ Er verantwortete von 2009 bis zu seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden im Januar 2014 als Mitglied des Konzernvorstands das Ressort Finanzen und Controlling. „Mit in der Verantwortung stehen auch die Anteilseigner der Deutschen Telekom: der Bund mit 13,8 Prozent und seine Förderbank KfW mit 16,6 Prozent.“

Rückkehr zu Präsenz-Hauptversammlungen

„So sehr wir das Compliance-System der Deutschen Telekom kritisieren, so sehr loben wir, dass der rosa Riese nach zwei Jahren virtueller Hauptversammlungen wieder zu Präsenz-Versammlungen zurückkehrt“, sagt Dufner. „Auf fast allen Online-Versammlungen der DAX-Konzerne hatten Aktionärinnen und Aktionäre kein Rederecht und konnten nicht nachfragen.“  Der Dachverband hatte im Februar zusammen mit Shareholders for Change (SfC) und CRIC (Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage) zum Referentenentwurf des Bundesministeriums der Justiz für ein Gesetz zur Einführung virtueller Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften kritisch Stellung genommen (siehe https://www.kritischeaktionaere.de/virtuelle-hauptversammlungen/gemeinsame-stellungnahme-zum-gesetzentwurf-fur-virtuelle-hauptversammlungen/).

Gegenanträge:
https://www.kritischeaktionaere.de/telekom/korruptionsvorwuerfe-gegen-t-sytems-suedafrika%ef%bf%bc/

Shadow World Investigations: Overview of State Capture at Transnet
https://shadowworldinvestigations.org/wp-content/uploads/2022/02/SWI-Zondo-Extracts-Transnet.pdf

Kontakt:
Markus Dufner, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Tel. 0221 / 599 56 47, Mobil-Tel. 0173 – 713 52 37,  dachverband[at]kritischeaktionaere.de

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