Rede von Moritz Leiner: „Ihre Klimastrategie muss konsequenter werden!“

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, lieber Vorstand, lieber Aufsichtsrat,

ich heiße Moritz Leiner, ich bin vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, welcher über 40.000 uns übertragene Aktien der Deutschen Post vertritt. In meiner heutigen Rede beziehe ich mich auf den von uns eingereichten Gegenantrag, den Vorstand der Deutschen Post AG nicht zu entlasten.

Wieso sollte der Vorstand unserer Meinung nach nicht entlastet werden?

Wir vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre denken nicht, dass der Vorstand der Deutschen Post AG seiner Verantwortung zum Klimaschutz gerecht wird. Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels nicht ausreichen, vor allem nicht im Sinne des Pariser Klimaschutzabkommens und im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele. Zu diesen haben Sie sich ja auch bekannt.

Zunächst zu den Klimaschutzzielen der Deutschen Post:

Ab 2050 will die Deutsche Post CO2-neutral sein.

Das globale Klimaziel der Deutschen Post ist CO₂-Neutralität in 2050. Das ist ein sehr lobenswertes und gleichzeitig sehr weit entferntes Ziel, 31 Jahre um genau zu sein. Um den anthropogenen Klimawandel effektiv zu bekämpfen ist aber sofortiges Handeln oberstes Gebot!

Nun, die Deutsche Post hat sich auch Klimaziele gesteckt, die etwas näher in der Zukunft liegen. Das erste und wichtigste Teilziel ist, die CO2-Effizienz – gemessen im unternehmensintern entwickelten Index CEX – bis 2025 um 50 Prozent gegenüber 2007 zu verbessern. Dies soll durch das Umweltschutzprogramm GoGreen umgesetzt werden. Die Umwelteffizienz der Transporte soll optimiert werden, sie folgt den Prinzipien ‚burn less‘ und ‚burn clean‘, also effizientere Nutzung fossiler Energien und Umstellung auf nachhaltige Energiequellen.  

Im Bericht zur Unternehmensverantwortung 2018 schreiben Sie, das Klimaziel für 2018, den relativen Index CEX um 1 Prozent zu verbessern, sei erreicht worden. Nun liegt er bei 33 Prozent höherer CO₂-Effizienz in 2018 gegenüber 2007. Trotz dieser einprozentigen CO₂-Effizienzverbesserung in 2018 kann hier auf keinen Fall von einem Erfolg gesprochen werden.

Denn: um das von der Deutschen Post AG selbst gesteckte globale Teilziel 2025 zu erreichen, also den CEX bis 2025 auf 50 Prozent gegenüber 2007 zu verbessern, fehlen momentan noch 17 Prozentpunkte.

Um das Klimaziel also noch zu erreichen, muss der CEX ab 2019 jedes Jahr durchschnittlich mindestens um 3 Prozent verbessert werden – nicht nur mindestens 1 Prozent. Die einprozentige Verbesserung in 2018 ist in diesem Lichte also viel zu wenig. Die Zielvorgabe für das Jahr 2019, den CEX um weiterhin nur um mindestens ein Prozent zu verbessern, erscheint somit ebenfalls viel zu gering. Wenn die Effizienzverbesserungen auf diesem niedrigen Niveau weitergehen, ist das Erreichen des Teilziels 2025 unrealistisch, 50 Prozent Effizienzverbesserung gegenüber 2007 zu erreichen.

Bei all diesen Zielvorgaben, ausgedrückt in relativen Größen, möchte ich an dieser Stelle auf eine wichtige absolute Kennzahl zu sprechen kommen: In 2018 verzeichnete die Deutsche Post AG einen CO₂-Emissionsanstieg um 2,1 Prozent von 28,86 Mio. Tonnen auf 29,48 Mio. Tonnen. Im Bericht zur Unternehmensverantwortung 2018 wird dieser Anstieg – wegen einprozentiger Effizienzverbesserungen – als Erfolg dargestellt.

Meine Damen und Herren, die absoluten CO2-Emissionen der Deutschen Post steigen, die relativen CO2-Emissionen sinken zu langsam. Mit der Umsetzung von Klimaschutz sieht es also überhaupt nicht so rosig aus, wie es in Ihren Imagefilmen, lieber Vorstand, den Anschein hat.

Doch wieso geht es nur so schleppend voran?

Zentral für die Klimastrategie der Deutschen Post, und unserer Meinung auch zentral für absolut steigende und relativ nur leicht sinkende CO2-Emissionen, ist ihr Wertschöpfungsansatz „Shared Value“. Die Deutsche Post will, ich zitiere Sie: „durch den Beitrag, den wir für die Gesellschaft und den Erhalt der Umwelt leisten, auch den unternehmerischen Erfolg vergrößern“.

https://www.dpdhl.com/de/verantwortung/umweltschutz.html

Aha. Das klingt nach ‚Klimaschutz immer dann, wenn es den Gewinn steigert.‘

Aus unserer Sicht ist es mindestens scheinheilig, Effizienz- und damit Gewinnsteigerungen als altruistischen Klimaschutz zu vermarkten, da diese Effizienz- und Gewinnsteigerungen auch ganz ohne Klimawandel durchgeführt worden wären! Natürlich sind CO2-Effizienzsteigerungen wichtig und richtig, aber authentische Klimaschutzbemühungen bedeuten auch manchmal Gewinnverzicht!

„Die Auswahl des besten Carriers für unsere Kunden ist nicht immer eine Frage der Kosten, sondern auch des Umweltschutzes“ heißt es auch seitens des Vorstandsmitglieds Tim Scharwath im Bericht zur Unternehmensverantwortung 2018. Der Vorrang von Umwelt- und Klimaschutz über Gewinnmaximierung muss mit Blick auf die Erreichung der Klimaziele der Deutschen Post AG für 2025 nicht nur im CSR-Bericht ernst genommen werden.

Es liegt nicht an uns, sich Maßnahmen zu überlegen, die CO2-Emissionen möglichst schnell und effizient zu reduzieren. Aber bitte erlauben Sie trotzdem ein paar Vorschläge für Ihre Klimastrategie:

  • Streben sie CO2-neutrales Wachstum bis 2020 an! Andere Unternehmen sind da schon viel weiter.
  • Treiben Sie die Umstellung auf nachhaltige Carrier noch schneller voran, besonders auch in den Subunternehmen!
  • Stellen Sie das gesamte Unternehmen auf grünen Strom um!
    Internalisieren Sie externe Umweltkosten ihrer Geschäftstätigkeit in den Preis, führen Sie also einen verbindlichen CO2-Preisaufschlag ein, der dann durch die Deutsche Post AG an CO2-Kompensationsprojekte abgeführt wird.

Durch solche und andere Maßnahmen könnten Sie fehlendes Handeln in Sachen Klimaschutz seitens der Politik vorwegnehmen und dadurch eine wirkliche Vorreiterrolle einnehmen.

Jetzt komme ich zu unseren Fragen:

  • Wieso steigt der CEX in 2018 und 2019 nur um 1 Prozent?
  • Wie soll das Wachstum des CEX in 2020 bis 2024 genau weitergehen, also um wie viel Prozent soll der CEX in diesen Jahren jeweils wachsen?
  • Falls der CEX in diesem Zeitraum oder Teilen des Zeitraums mit steigender Schnelligkeit wachsen soll, auf welche Faktoren wird dies Ihrer Analyse nach zurückzuführen sein?
  • 80 Prozent der Treibhausgasemissionen der Deutschen Post stammen von Subunternehmen. Planen Sie eine klare Emissionseffizienzgrenze, unterhalb derer bestehende Verträge nicht mehr verlängert werden?
  • Falls nein, wie sehen die Ihre Vorschriften bzgl. CO2-Emissionen von Subunternehmen im Detail aus?
  • Welche Klimaschutzmaßnahmen ergreifen Sie, die nicht auch effizient- bzw. gewinnsteigernd wirken?
  • Denken Sie darüber nach, Umweltkosten einzupreisen?
  • Ab wann planen Sie, ihre CO2-Emissionen konstant zu halten?
  • Ab wann planen Sie, ihre CO2-Emissionen konstant zu halten ohne Berücksichtigung von etwaigen CO2-Kompensationsprojekten?
  • Muss das CO2-Wachstum in Ihrer Frachtflugbereich ab 2020 nach dem Klimaschutzinstrument CORSIA der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) kompensiert werden?
  • Falls ja, welche Anbieter sollen finanziert zu werden?
  • Falls nein, wollen Sie freiwillig kompensieren?

Meine Damen und Herren: um einen wirksameren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und ihren eigenen Zielen gerecht zu werden, sollte Sie aufhören, ihren CO₂-Zuwachs in 2018 und zu geringe Effizienzverbesserungen schön zu reden. Stattdessen sollten Sie als Vorstand noch mehr und vor allem darauf konzentrieren, gegenwärtige CO₂-Zuwächse zu verhindern und möglichst schnell abzubauen.

Last but not least: Menschenrechte

Momentan nimmt die Diskussion um eine gesetzliche Regelung unternehmerischer Sorgfaltspflichten an Fahrt auf. Das CSU-geführte Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung arbeitet an einer entsprechenden Gesetzesvorlage. Die Bundesregierung überprüft derzeit die bisherigen freiwilligen Lösungen der Unternehmen. Aber auch Daimler befürwortet nun eine gesetzliche Regelung, damit es klare Anforderungen für alle gibt.

  • Wie stehen Sie zu dem Thema: Sprechen Sie sich für eine gesetzliche Regelung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten aus – national, europäisch, international?

Um Ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten in Bezug auf die eigenen Lieferketten nachzukommen, haben Sie letztes Jahr insgesamt 242 Audits bei Zulieferern durchgeführt. Doch über die Ergebnisse erfährt man nichts Substanzielles im Geschäftsbericht.

  • Haben Sie Menschenrechtsverletzungen, Verletzungen gegen die Arbeitsnormen oder Umweltstandards festgestellt? Sind die Ergebnisse öffentlich zugänglich?

Ich freue mich auf die Beantwortung meiner Fragen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.kritischeaktionaere.de/deutsche_post/rede-von-moritz-leiner-ihre-klimastrategie-muss-konsequenter-werden/