Rede von Christian Artner-Schedler

Sehr geehrte Frau Dr. Bartölke, sehr geehrten Damen und Herren des Vorstandes und des Aufsichtsrates, sehr geehrte Mitaktionäre,

mein Name ist Christian Artner-Schedler. Ich arbeite seit 29 Jahre als Friedensreferent für die internationale katholische Friedensbewegung pax christi Augsburg –  einem Teil der deutschen Friedensbewegung.

Im folgendem möchte ich den Gegenantrag zu Punkt 3 der Tagesordnung begründen, in welchem die Nichtentlastung der Mitglieder des Vorstandes beantragt wird.

Ich möchte Sie einladen meinen Ausführungen und Anfragen Gehör zu schenken. Vielen Dank für Ihre Bereitschaft dazu.

Die Produktion von Gütern kann nicht ausschließlich wirtschaftlichen Aspekten genügen, sondern muss sich immer auch ethischen Fragestellungen unterziehen.  Es ist ohne Zweifel von großer Bedeutung – ich bin sicher auch für alle, die wir hier versammelt sind -, wie die Produktion und die hergestellten Güter unsere Lebenssituation, unsere Umwelt und unser Zusammenleben beeinflussen.

Was und wofür produzieren wir? Dient es dem Gemeinwohl, dem Frieden, der Gerechtigkeit, der Bewahrung der Schöpfung? Verbessert es unsere und anderer Lebenssituation? Nein! Rüstungsproduktion trägt nicht zur Lebensverbesserung bei, sondern ermöglicht erst die Vernichtung von Leben und Lebensperspektiven von Menschen. Rüstungsproduktion ist  also völlig konträr zum oben genannten Lebensziel. Papst Franziskus geht in Bezug auf unser Wirtschaften noch weiter und sagt: „Diese Wirtschaft tötet!“.

Der weltweit gefragte Kampfpanzer Leopard 2 ist mit dem Getriebe des Typs Renk- HSWL 354 ausgerüstet und wird in verschiedene Konfliktregionen geliefert und dort eingesetzt, auch von undemokratischen oder kriegsführenden Regierungen wie u.a. Katar.

Getriebe von Renk werden u.a. auch für den israelischen Kampfpanzer Merkava IV (Renk-Getriebe RK 325),  für den in der Türkei produzierten Panzer Altay, für den Schützenpanzer Puma und für den britischen Kampfpanzer Ajax, vormals bekannt als Scout SV (Specialist Vehicle), hergestellt.

Als vor einigen Wochen der Belagerungszustand in den kurdischen Städten Yüksekova (Gever) und Nusaybin ausgerufen wurde, machten sich lange Kolonnen mit schwerem militärischem Gerät auf den Weg. Die Türkei verwendet militärisches Gerät auch in einer eigenen, (vom israelischen Staatskonzern Israel Military Industries Ltd. (IMI) modernisierten Variante, dem >Sabra Mk. III<. Dieser in der Türkei modernisierte Panzer weist Komponenten aus deutscher Herstellung auf: Einen 1.000 PS starken Turbodieselmotor von MTU Friedrichshafen und ein Getriebe der hiesigen Augsburger Renk AG. Die Türkei befindet sich derzeit in einer grausamen kriegerischen Auseinandersetzung gegen das kurdische Volk. Dörfer werden zerstört und inzwischen sind hunderttausende Kurden auf der Flucht, was in unseren Medien kaum berichtet wird.

Die Kampfpanzer mit Renkgetriebe werden also auch von Regierungen eingesetzt, die Menschenrechte nicht einhalten und Kriege führen. Die Produktion von Militärgütern trägt somit dazu bei, dass Menschen getötet und Städte und Dörfer zerstört werden.

Der Hersteller von Rüstungsprodukten kann sich der Verantwortung  nicht entziehen, es bleibt eine schwerwiegende Anfrage an Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das Argument : Wenn wir nicht liefern, liefern andere ist kein belastbares Argument, es entbehrt jeder eigenverantwortlichen Ethik.

Wer Waffen und Rüstungsgüter sät, wird Flüchtlinge ernten. Dies erleben wir gerade  sehr drastisch. Eine wichtige Fluchtursache ist Krieg  und unsere Ermöglichung dazu ist die Lieferung der dazu nötigen Rüstungsgüter. Dies auch durch die Firma Renk. Wir können diese unsere Mitverantwortung für Fluchtursachen und der damit verbundenen schweren Schicksale für Frauen, Kinder und Familien nicht leugnen. Wer Rüstungsgüter wie Renk produziert und wenn auch legal exportieren lässt, weiß, dass damit schwere Menschenrechtsverletzungen verübt werden und Menschen, Männer, Frauen und Kinder zur Flucht getrieben werden.

Herr Hofbauer Sie haben auf der letzten Hauptversammlung versichert, dass Renk versucht die zivile Produktion zu bevorzugen, wie Sie es nannten.

Meine diesbezügliche Frage heute:

Welche Schritte haben Sie seit der letzten Hauptversammlung konkret eingeleitet, um den militärischen Produktionsbereich zurückzufahren, um damit verstärkt mit Ihren MitarbeiterInnen und dem dort vorhandenem know how eine zivile Produktion im Geschäftsbereich Fahrzeuggetriebe zu entwickeln?

Ich darf um Beantwortung bitten und dank Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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