„Verlangen Sie von der saudischen Regierung, die MenschenrechtsaktivistInnen frei zu lassen“: Rede von Julia Thrul

Guten Tag, meine Damen und Herren,

mein Name ist Julia Thrul, ich bin Wirtschaftsethikerin, ich spreche hier im Namen von Menschenrechtsaktivistinnen aus Genf. Diese vertreten die Interessen der Damen, die durch jahrelangen Aktivismus nicht nur dafür gesorgt haben, dass seit dem 24. Juni 2018 die Frauen in Saudi-Arabien endlich Auto fahren dürfen, sondern auch dafür gesorgt haben, dass Sie, die anwesenden Aktionärinnen und Aktionäre, dieses Jahr eine Dividende von über 4 Euro mit nach Hause nehmen.

Diese Damen haben gekämpft und die deutsche Automobilindustrie profitiert. Dafür haben sie zwar nicht direkt gekämpft, aber das war ein Ergebnis.

Fragen an den Vorstand:

Wissen Sie, dass die Verkäufe von VW in Saudi-Arabien direkt wegen dieser Aktion gestiegen sind? Über 20 % gestiegen ist? Wie hoch war die Umsatzsteigerung in € oder US$ hatten Sie in 2018, im Vergleich zu 2017, in Saudi-Arabien?

Wissen Sie aber auch, dass viele der mutigen Aktivistinnen noch vor Einführung der Fahrerlaubnis verhaftet wurden, eingesperrt wurden und gefoltert wurden?

Wissen Sie, dass ausländische Diplomaten und Medienvertreter bei den Gerichtsverfahren nicht zugelassen wurden?

Wissen Sie, dass auch viele der männlichen Anwälte verhaftet wurden?

Wissen Sie, dass die Familien dieser mutigen Frauen ebenfalls unter Druck gesetzt werden, Redeverbot erteilt bekommen haben?

Seit 15. Mai 2018 – seit einem Jahr – sitzen einige der AktivistInnen im Gefängnis. Einige wenige sind zwar im April dieses Jahres „auf Kaution entlassen“ worden und müssen jederzeit mit erneuten Festnahmen rechnen.

Diese Frauen und Männer haben dafür gesorgt, dass VW in 2018 einen erheblichen Zuwachs an Umsatz und Gewinn hatte. Das Mindeste, was VW tun könnte, ist dort öffentlich die Solidarität mit diesen Frauen und ihren Anwälten erklären.

Wenn mehrere weibliche Frauenrechtlerinnen – die Ihnen viel Geld verdient haben – gefoltert werden und von der Todesstrafe bedroht sind, dann gab es zwar immerhin eine Erklärung des UN Menschenrechtsrats und lauten Protest des Kanadischen Premierministers Justin Trudeau, aber sonst ist leider nichts passiert. Aber aus Deutschland gab es nur Schweigen, obwohl unsere Autoindustrie direkt profitiert hat von dem Kampf dieser Frauen.

Wenn ein männlicher Journalist vom Saudi Regime brutal ermordet wird, werden Waffenlieferungen ausgesetzt. Das ist gut so! Das sollte man für alle Aktivisten machen.

Deshalb, die Bitte an Sie den VW Vorstand, denn

1. Sie haben Macht und Einfluss

2. Sie haben direkt finanziell profitiert

3. Sie schulden diesen Damen, ihren Familien und Anwälten etwas:

Zeigen Sie Solidarität, Respekt und Unterstützung für die Frauen in Ihren Werbebotschaften:

1. Nutzen Sie bitte immer die hashtags
            #StandWithSaudiFeminists

            #FreeSaudiAktivists

            #Right2Drive

            und #Women2drive

2. Widmen Sie diesen Damen spezielle Werbeanzeigen.

3. Verlangen Sie von der saudischen Regierung, die MenschenrechtsaktivistInnen unverzüglich frei zu lassen, alle Klagen fallen zu lassen und dringend den Folteranschuldigungen nachzugehen sowie die Täter zur Verantwortung ziehen.

Noch eine abschließende Frage: Werden Sie die 2020 Dakar Rally in Saudi-Arabien auch dann unterstützen, wenn die Frauenrechtlerinnen und ihre Anwälte immer noch gesetzlich verfolgt werden?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Und auch vielen Dank an den Dachverband der Kritischen Aktionäre und Aktionärinnen, der das hier möglich gemacht hat.

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