Der Dachverband und seine Mitgliedsorganisationen verlangen Transparenz von börsennotierten Konzernen

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre setzt sich seit 1986 auf Hauptversammlungen börsennotierter Unternehmen für Umweltschutz und Menschenrechte ein. Nicht nur die 29 Mitgliedsorganisationen des Verbands, sondern auch Bürgerinitiativen, NGOs, die Zivilgesellschaft und indigene Gemeinschaften aus dem Globalen Süden erhalten so die Möglichkeit, direkt auf Konzerne einzuwirken. Auch 2026 werden die Kritischen Aktionär*innen an mehr als 50 Hauptversammlungen teilnehmen und sich für konsequenten Klimaschutz, Menschenrechte und faire Unternehmenspraxis einsetzen.
Der Grundstein wurde 1986 gelegt, als 13 Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen beschlossen, sich nicht länger mit schönen Worten abspeisen zu lassen. Seitdem stellen Kritische Aktionär*innen auf Hauptversammlungen unbequeme Fragen zu Atomausstieg, Rüstungsexporten, Umwelt- und Klimaschutz, Frauen in Führungspositionen und Menschenrechten in Lieferketten. „Ohne unsere Arbeit wären viele dieser Themen nicht auf Aktionärsversammlungen angesprochen worden“, sagt Dr. Helmut Paschlau, eines der Gründungsmitglieder des Dachverbands. „Gerade jetzt ist unsere Stimme wichtiger denn je.“
„Es bedarf großer Anstrengungen, um 2045 klimaneutral zu werden: Der Verkehrs-, der Energie-, der Bausektor und die Industrie müssen ihre CO2-Emissionen dringend senken“, mahnt Dr. Niklas Höhne vom NewClimate Institute, der 2023 auf der RWE-Hauptversammlung für den Dachverband sprach. „Die Forschung zeigt, dass gerade Investoren Einfluss auf die Unternehmen haben können, in die sie investieren. Deshalb ist wichtig, dass die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre ausbleibenden Klimaschutz oder Greenwashing von großen Unternehmen bei den Hauptversammlungen anprangern und die darin schlummernden Risiken allen anderen Investorinnen und Investoren vor Augen führen“, so Höhne, der seit 1995 als Berater und Beobachter an Weltklimakonferenzen teilnimmt.
Dr. Barbara Happe, langjähriges Vorstandsmitglied des Dachverbands: „Wir nutzen unser Rede- und Fragerecht auf Hauptversammlungen, um hochproblematische Geschäftspraktiken der Konzerne in den Fokus zu rücken. Auch für Rüstungskonzerne gibt es Grenzen: etwa bei der Beteiligung an nuklearer Aufrüstung und Exporten an Staaten, die Menschenrechte verletzen oder in völkerrechtswidrige Kriegshandlungen verstrickt sind.“
Christian Russau, Vorstandsmitglied seit 2014: „Seit 40 Jahren hat die Zivilgesellschaft eine unabhängige Stimme auf Hauptversammlungen. Wir ermöglichen es beispielsweise Vertreter*innen indigener Völker und weiteren traditionellen Gemeinschaften, die durch deutsche Konzerne geschädigt wurden, Forderungen an die Konzerne zu stellen oder Beschwerden bei den Konzernen oder ggf. auch beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einzureichen. Dabei geht es immer um Menschenrechte: Diese sind für uns nicht verhandelbar!“
Jens Hilgenberg, Vorstandsmitglied des Dachverbands und Leiter Verkehrspolitik beim BUND, kritisiert Mercedes, Volkswagen und BMW wegen ihrer Konzernpolitik der letzten Jahre: „Die Konzerne müssen den Umstieg auf den E-Antrieb nutzen, um den Trend zu immer größeren und übermotorisierten Pkw umzukehren. Kleine, in Herstellung und Betrieb energie- und ressourcensparende E-Fahrzeuge sollten das Portfolio der Zukunft bilden.“
„Angesichts der Klimakrise müssen wir verhindern, dass Konzerne fossile Geschäftsmodelle fortführen“, fordert das Vorstandsmitglied Ulf Georgiew. „Wir verlangen außerdem, dass Konzerne Anspruchsberechtigte wie z.B. Beschäftigte von Subunternehmen oder die Nachbarschaft am Firmengelände verbindlich in unternehmerische Entscheidungsprozesse mit einbeziehen.“
„In zwei Jahrzehnten als Geschäftsführer des Dachverbands habe ich viele engagierte Menschen, Initiativen und Organisationen kennengelernt, die nicht tatenlos zusehen, wenn Konzerne Verantwortung verdrängen“, sagt Markus Dufner. „Dieses gemeinsame Engagement macht den Dachverband für mich zu etwas Besonderem – zu einer Bewegung, die zeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn wir beharrlich bleiben.“
Zum 40-jährigen Bestehen lädt der Dachverband zu Diskussionsveranstaltungen und Tagungen in Leipzig, Köln, München, Freiburg und Berlin ein. Am 20. März präsentieren sich die Kritischen Aktionär*innen auf der Klimabuchmesse in Leipzig bei der Veranstaltung „Zerstörung und Neuanfang: Das Mitteldeutsche Braunkohlerevier in Kultur und Konzernkritik“. Am 23. April 2026 lädt der Dachverband zu der Tagung „Konzerne, Klimaschutz und der Strukturwandel in NRW. Wie viel Verantwortung tragen Unternehmen für den Klimaschutz?“ nach Köln ein. Auf unserer Webseite www.kritischeaktionaere.de/40-jahre gibt es eine Übersicht der Veranstaltungen.
Rückfragen und Vermittlung von Hintergrundgesprächen:
Markus Dufner und Tilman Massa, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Tel. 0221/5995647, dachverband@kritischeaktionaere.de, www.kritischeaktionaere.de








