
Guten Tag,
ich bin Mauro Meggiolaro und vertrete die Fondazione Finanza Etica, eine Bankstiftung mit Sitz in Florenz, Italien.
Wir sind Mitgründer des europäischen Netzwerks für shareholder engagement „Shareholders for Change“, das heute 20 Mitglieder mit einem verwalteten Vermögen von über 50 Milliarden Euro vereint.
Neben der Fondazione Finanza Etica halten weitere Mitglieder des Netzwerks Aktien oder Anleihen von Adidas in ihren Portfolios, darunter EBSIM und die Pax-Bank für Kirche und Caritas in Deutschland, Ecofi und Mandarine Gestion in Frankreich, Forma Futura Invest AG in der Schweiz, die Triodos Bank in den Niederlanden sowie die Friends Provident Foundation in Großbritannien.
Das Engagement mit Adidas wird zudem gemeinsam mit einem weiteren deutschen Mitglied von Shareholders for Change geführt: der Steyler Bank, deren Vertreter*innen nach mir sprechen werden.
Auch in diesem Jahr bedanke ich mich beim Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre dafür, dass er mir die Möglichkeit gibt, unkompliziert an dieser Hauptversammlung teilzunehmen.
Unsere heutige Intervention basiert auf einer gemeinsamen Analyse von Shareholders for Change zu Steuertransparenz und steuerbezogenen Risiken europäischer Großunternehmen im Zeitraum 2020 bis 2025. Adidas gehört zu den zwölf Unternehmen des Euro Stoxx 50, die im Rahmen dieser Untersuchung auf Grundlage mehrerer steuerbezogener Risikoindikatoren für ein Engagement ausgewählt wurden.
Die Analyse basiert auf einer neuen Methodologie zur Bewertung steuerbezogener Unternehmensrisiken, die quantitative und qualitative „Red Flags“ kombiniert, um das steuerliche Risikoprofil eines Unternehmens möglichst objektiv und systematisch zu bewerten. Die Methodologie wurde unter anderem gemeinsam mit Gregory Schneider Manoury von der Beratungsgesellschaft Défis Impact entwickelt und orientiert sich zusätzlich an den Kriterien der Fair Tax Foundation, deren „Fair Tax Mark“ international als wichtiger Standard für Steuertransparenz und verantwortungsvolle Steuerpraktiken anerkannt ist.
Im Rahmen der Analyse wurden mehrere zentrale Indikatoren berücksichtigt: der effektive Steuersatz (Effective Tax Rate, ETR), das Verhältnis zwischen latenten Steuern und ausgewiesenem Steueraufwand sowie das Verhältnis zwischen latenten Steueransprüchen und den Gesamtaktiva eines Unternehmens. Ergänzend dazu wurden weitere qualitative und langfristige Risikofaktoren untersucht, darunter die tatsächlich gezahlten Steuern über einen Zeitraum von fünf Jahren („cash tax paid“), sogenannte „Uncertain Tax Positions“ (UTPs), also unsichere Steuerpositionen mit potenziellen zukünftigen Steuerstreitigkeiten, sowie die Qualität und Transparenz der öffentlichen länderbezogenen Steuerberichterstattung.
Ziel der Methodologie ist es, steuerliche Risiken nicht nur aus einer reinen Compliance-Perspektive zu betrachten, sondern auch im Hinblick auf langfristige Investorinneninteressen, nachhaltige Unternehmensführung und mögliche Reputations- und Finanzrisiken besser zu verstehen.
Vor diesem Hintergrund beobachten wir mit Sorge, dass die öffentlich zugänglichen Informationen zur Steuerstrategie und zu steuerbezogenen Risiken von Adidas weiterhin relativ begrenzt bleiben.
Zwar enthält der Geschäftsbericht allgemeine Aussagen zu steuerlicher Compliance und verantwortungsvollem Handeln. Aus Investorensicht fehlen jedoch weiterhin detaillierte und leicht zugängliche Informationen darüber, wie Adidas steuerliche Transparenz konkret umsetzt, wie das Unternehmen mit Niedrigsteuerjurisdiktionen umgeht und welche Grundsätze bei der Steuerplanung angewendet werden.
Besonders aufmerksam verfolgen wir zudem die Entwicklungen im Zusammenhang mit zoll- und steuerrechtlichen Risiken.
Im Dezember 2024 durchsuchten Ermittlerinnen der Europäischen Staatsanwaltschaft sowie deutsche Zollbehörden die Geschäftsräume von Adidas im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Verstöße gegen Zoll- und Einfuhrumsatzsteuerregelungen. Medienberichte sprachen von einem potenziellen Volumen von mehr als einer Milliarde Euro.
Adidas erklärte, dass man mit den Behörden kooperiere und keine wesentlichen finanziellen Auswirkungen erwarte. Gleichzeitig stellen wir fest, dass die Transparenz der Berichterstattung in diesem Bereich weiterhin begrenzt bleibt.
Im Geschäftsbericht 2024 wurden Rückstellungen von 93 Millionen Euro für „sonstige Steuern“ sowie 268 Millionen Euro für Zollrisiken ausgewiesen. Im Geschäftsbericht 2025 sind diese Rückstellungen auf 41 Millionen beziehungsweise 228 Millionen Euro gesunken.
Gleichzeitig bleibt jedoch unklar, welche konkreten Sachverhalte diesen Rückstellungen zugrunde liegen und wie sich die zugrunde liegenden Risiken entwickelt haben. Die Angaben im Geschäftsbericht beschränken sich im Wesentlichen auf allgemeine Formulierungen zu Rechtsgutachten und Bewertungsannahmen. Eine nachvollziehbare Erläuterung der Verfahren, möglicher finanzieller Auswirkungen oder des zeitlichen Horizonts fehlt hingegen.
Als langfristig orientierte Investorinnen betrachten wir Steuertransparenz nicht nur als Compliance-Thema, sondern als Teil guter Unternehmensführung und nachhaltiger Wertschöpfung.
Laut Geschäftsbericht 2025 hat sich der Prüfungsausschuss inzwischen mit der Steuerstrategie sowie den Anforderungen an den künftigen Ertragsteuerinformationsbericht befasst. Dies zeigt, dass die neuen europäischen Transparenzanforderungen inzwischen auch auf Ebene des Aufsichtsrats als relevantes Governance-Thema wahrgenommen werden. Offen bleibt jedoch, ob Adidas über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen und ein möglichst umfassendes öffentliches Country-by- Country Reporting mit aussagekräftigem Detaillierungsgrad veröffentlichen wird.
Deshalb möchten wir Sie konkret fragen:
Wann plant Adidas die Veröffentlichung des ersten Country-by-Country Reporting? Welches Maß an Transparenz plant Adidas über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus? Welche Detailtiefe soll der künftige CbCR enthalten?
Und weiter möchten wir fragen:
Warum wurden die Rückstellungen für steuer- und zollrechtliche Risiken im Jahr 2025 deutlich reduziert, obwohl die zugrunde liegenden Verfahren offenbar weiterhin nicht abgeschlossen sind? Können Sie den Aktionärinnen erläutern, welche Entwicklungen diese Neubewertung rechtfertigen?
Könnten Sie die Aktionärinnen bitte auch über den aktuellen Stand der entsprechenden Verfahren informieren?
Die Eintrittswahrscheinlichkeit für Risiken im Zusammenhang mit Steuer- und Zollbestimmungen bleibt laut Geschäftsbericht 2025 unverändert bei 15 % bis 30 %. Gleichzeitig wurde die mögliche Auswirkung von „signifikant“ auf „hoch“ herabgestuft. Können Sie erläutern, welche konkreten Entwicklungen oder neuen Erkenntnisse diese veränderte Bewertung rechtfertigen?
Ungewisse Steuerpositionen
Warum wird der Betrag der ungewissen Steuerpositionen weiterhin nicht separat offengelegt, obwohl diese Information für Investorinnen zentral ist, um steuerliche Risiken einschätzen zu können?
Können Sie uns diese Zahl für 2025 nennen, und wäre Adidas bereit, sie künftig im Geschäftsbericht transparent zu veröffentlichen?
Latente Steueransprüche
Die latenten Steueransprüche im Verhältnis zur Bilanzsumme liegen auch 2025 weiterhin leicht über unserer im Rahmen der Studie definierten Schwelle von 5%.
Könnten Sie bitte erläutern, aus welchen wesentlichen Komponenten sich diese latenten Steueransprüche zusammensetzen?
Pillar Two
Im Geschäftsbericht 2024 weist adidas im Zusammenhang mit der globalen Mindeststeuer nach OECD Pillar Two einen zusätzlichen Steueraufwand vo 4 Mio. € aus, insbesondere im Zusammenhang mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Hongkong. Im Geschäftsbericht 2025 steigt dieser Betrag auf 10 Mio. € an.
Können Sie erläutern, welche Entwicklungen diesen deutlichen Anstieg erklären? Welche Art von Aktivitäten und Gewinnen entfällt dabei auf Niedrigsteuerjurisdiktionen wie Hongkong oder die Vereinigten Arabischen Emirate?
Und plant adidas angesichts der Einführung der globalen Mindestbesteuerung Anpassungen bei den bestehenden steuerlichen Strukturen oder der Präsenz in solchen Jurisdiktionen?
Wo befinden sich die wichtigsten immateriellen Vermögenswerte von adidas – insbesondere Markenrechte, Designs und Lizenzrechte – und nutzt adidas für diese Vermögenswerte steuerliche Vorzugsregelungen oder spezielle IP-Steuerregime?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.







