
„Das ist keine Risikobewertung, sondern eine bewusste Bagatellisierung von Menschenrechtsgefahren zugunsten der Absicherung von Versorgung und Profit“, kritisiert Mala Deimann auch im Namen von Facing Finance die fehlende Transparenz in Aurubis‘ Lieferketten.
Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
Mein Name ist Mala Deimann und ich spreche für den Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Da unsere Partnerorganisation Facing Finance, mit der wir gemeinsam die Gegenanträge eingereicht haben, heute leider nicht anwesend sein kann, freue ich mich, Ihnen nun die Rede von Luca Schiewe (Facing Finance) vorzutragen:
Aurubis ist ein Schlüsselunternehmen für die Energiewende. Kupfer ist eines der zentralen Metalle für erneuerbare Energien, Netze, Speicher und Elektromobilität. Gerade deshalb tragen Sie als Vorstand und Aufsichtsrat eine besondere Verantwortung.
Zunächst möchte ich anerkennen, dass Aurubis im Bereich Recycling international zu den Vorreitern gehört. Auch die im Dezember 2025 angekündigte langfristige Lieferbeziehung mit dem schwedischen Kupfererzproduzenten Viscaria ist ein positives Signal. Wir freuen uns, dass Aurubis hier Transparenz zeigt. Wenn Transparenz bei europäischen Lieferanten möglich ist, sollte sie es auch bei lateinamerikanischen Lieferanten sein. Aurubis sollte dem positiven Beispiel Viscaria folgen und weitere Lieferanten offenlegen. Denn Transparenz ist Bestandteil professionellen Risikomanagements. Aktionäre benötigen Transparenz, um menschenrechtliche, regulatorische und finanzielle Risiken in der Lieferkette analysieren zu können.
Bislang hat sich Aurubis leider stets geweigert, offenzulegen, aus welchen Minen es Kupfererz bezieht. Obwohl Aurubis in einem Hochrisikosektor agiert und nachweislich Kupfer aus lateinamerikanischen Minen bezogen hat, die mit schweren Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung stehen: Schwermetallverseuchung, erhöhte Krebsraten, Korruption, Zwangsumsiedlungen, Folter von Protestierenden auf dem Minengelände. Eine transparente und verantwortungsvolle Lieferkette liegt im Interesse der Kunden, der Mitarbeiter, der Umwelt und der Lokalbevölkerung in den kupferproduzierenden Ländern.
Als Begründung für die Intransparenz führt Aurubis regelmäßig wettbewerbs- und vertragsrechtliche Gründe an. Gleichzeitig hat Aurubis selbst bestätigt, dass kein Lieferant jemals die Nicht-Offenlegung verlangt hat. Lieferanten wie Gold Fields Peru haben Aurubis in der Vergangenheit sogar öffentlich als Hauptabnehmer benannt. Das wirft die Frage auf, ob die Intransparenz tatsächlich an den Lieferanten liegt, oder primär im Interesse von Aurubis selbst.
Wenn der Vorstand von einem Kulturwandel spricht, dann sollte sich dieser auch in einer neuen Haltung gegenüber den Aktionären zeigen. Seit Jahren fordern Aktionäre Einsicht in Aurubis Lieferbeziehungen. Trotz zugesicherter Vertraulichkeit verweigert Aurubis bislang jegliche Transparenz.
Es stellt sich die Frage, inwieweit die Interessen von Kleinaktionären und institutionellen Investoren berücksichtigt werden. Und inwieweit die Aktionärsstruktur von Aurubis mit wenigen Aktien im Streubesitz und viel Einfluss von Großaktionären wie Salzgitter und Rossmann dabei hinderlich ist.
Ich möchte daher einige Fragen an Vorstand und Aufsichtsrat richten:
- Wie viel Prozent der künftigen Kupferimporte von Aurubis sollen perspektivisch durch die Lieferbeziehung mit Viscaria abgedeckt werden? Und plant Aurubis, jetzt auch die Lieferbeziehungen mit Lieferanten außerhalb Europas offenzulegen?
- Codelco, ein langjähriger Lieferant von Aurubis, exploriert gemeinsam mit Enami in Ecuador den möglichen Kupferabbau in einem sehr biodiversen Gebiet gegen massiven Widerstand der Lokalbevölkerung. Hat Aurubis mit Codelco oder ENAMI bereits Lieferverträge für eine mögliche neue Mine in Ecuador abgeschlossen oder Gespräche in diese Richtung geführt?
- Gab es während der Amtszeit der Regierung Dina Boluarte in Peru Verlängerungen oder Neuabschlüsse von Bergbaukonzessionen, die Minen betreffen, aus denen Aurubis bereits Kupfererz bezogen hat oder künftig beziehen möchte?
- Gold Fields Peru hat Aurubis jahrelang in seinen Geschäftsberichten als Hauptabnehmer benannt und dies im Jahr 2021 plötzlich eingestellt. In Peru wird vermutet, dass Aurubis Druck auf Gold Fields Peru ausgeübt hat, um nicht mehr als Abnehmer genannt zu werden.
Kann Aurubis diese Vermutung bestätigen oder klar zurückweisen? - Aurubis betont regelmäßig einen sogenannten „Stay and Improve“-Ansatz. Bei welchen konkreten Lieferanten wurde der „Stay and Improve“-Ansatz angewendet? Welche messbaren Verbesserungen wurden bei welchen Lieferanten erreicht? Und gab es auch Fälle, bei denen Aurubis Lieferbeziehungen aufgrund von Umwelt- oder Menschenrechtsverstößen beendet hat? Falls ja, bei welchen Lieferanten?
- Was ist ganz konkret mit den Lieferbeziehungen zu den Minen Toromocho, Antapaccay, Constancia, Yanacancha oder Grasberg? Diese Minen sind aufgefallen durch hochgefährliche Konzentrationen von Arsen, Blei, Chrom und Quecksilber in Blut und Urin von Anwohnern, durch Polizeigewalt, Inhaftierung und Folter von Protestierenden auf dem Minengelände, durch stark erhöhte Krebsraten, Wassermangel, Korruption, fehlende Umweltprüfungen und Zwangsumsiedlungen.
Hat Aurubis bei einem dieser Lieferanten in den letzten Jahren nachweislich Verbesserungen erreicht? Oder hat Aurubis Lieferbeziehungen aufgrund dieser Vorfälle beendet?
Außerdem würde ich gerne abseits der Facing Finace Rede von Herrn Schiewe noch auf ein weiteres Thema eingehen:
Aurubis verweist im Geschäftsbericht darauf, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung an die neuen ESRS Anforderungen angepasst wurde. Gleichzeitig werden Menschenrechtsverstöße dort als „nicht wesentlich“ und Lieferkettenrisiken nur als „mittel“ eingestuft, während Rohstoffknappheit als „hohes“ Risiko geführt wird – und dass, obwohl bereits mehrere Beschwerden nach dem Lieferkettengesetz zu schweren Menschenrechts- und Umweltverstößen in der Lieferkette von Aurubis anhängig sind. Aus unserer Sicht ist das keine verantwortungsvolle Risikobewertung, sondern eine bewusste Bagatellisierung von Menschenrechtsgefahren zugunsten der Absicherung von Versorgung und Profit.
Die ESRS verlangen ausdrücklich eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Es geht nicht nur um finanzielle Risiken für das Unternehmen, sondern auch um die tatsächlichen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt. Dass dokumentierte Krebsfälle, Schwermetallbelastungen und Todesfälle in Abbaugebieten, die mit Lieferanten von Aurubis in Verbindung stehen, in dieser Analyse nicht als wesentliches Risiko auftauchen, während Versorgungsengpässe hoch priorisiert werden, offenbart eine gravierende Fehl-Priorisierung.
Wir erwarten, dass der Aufsichtsrat seiner Kontrollfunktion gerecht wird und dafür sorgt, dass der Vorstand diese Schieflage korrigiert: Wir brauchen eine vollständige, nach Risikoprofil geordnete Liste der wichtigen Lieferanten, detaillierte Risikobewertungen der einzelnen Hochrisiko Minen sowie verbindliche Sanierungspläne mit klaren Zeitplänen, Budgetangaben und Erfolgskontrolle. Alles andere wäre eine Fortsetzung des Verschweigens und Verharmlosens von Menschenrechtsverstößen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.








