Gegenantrag

Kritische Aktionär*innen auf der Aurubis-Hauptversammlung 2019

Gegenanträge zur Hauptversammlung der Aurubis AG am 27. Februar 2020

TOP 3: Beschlussfassung über die Entlastung der Mitglieder des Vorstands für das Geschäftsjahr 2018/2019

Den Mitgliedern des Vorstands wird die Entlastung verweigert.

Begründung: Die Aurubis AG unternimmt keine ausreichenden Anstrengungen zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards in der Lieferkette. Der Konzern wird den Anforderungen an menschenrechtliche Sorgfaltspflichten, welche die Bundesregierung im Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) formuliert, nicht gerecht.

Intransparenz bei Lieferanten aus Chile, Peru und Brasilien

Aurubis bezieht den Großteil seines Kupferkonzentrats aus Ländern wie Chile, Peru und Brasilien. Aus Peru stammen zum Beispiel etwa 25 Prozent des nach Deutschland importierten Kupfers (Erze und ihre Konzentrate). Aurubis ist wohl das Unternehmen, das den allergrößten Teil davon verarbeitet, legt aber nicht die konkreten Lieferanten offen. Das Unternehmen zieht sich dabei immer wieder auf „Wettbewerbs- und Vertragsgründe“ zurück. Aufgrund dieser Intransparenz hat die Öffentlichkeit jedoch kaum eine Möglichkeit herauszufinden, ob die Lieferanten von Aurubis die Menschenrechte einhalten.

Tote und Verletzte bei zivilgesellschaftlichem Protest in Peru
Zivilgesellschaftliche Organisationen aus Peru berichten uns immer wieder von schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltrechtsverstößen im Umfeld von Kupferminen. Im Umkreis der Mine Tintaya etwa werden seit Jahren hohe Schwermetallgehalte im Boden und Wasser gemessen, die nachweislich aufgrund von erfolgten Bluttests die Gesundheit der Bevölkerung bedrohen und ihre Lebensgrundlagen zerstören. Auf Proteste der Bevölkerung reagieren Polizei und private Sicherheitskräfte der Minenbetreiber mit Gewalt. Dabei sind Todesfälle keine Ausnahme wie im Falle der Mine Las Bambas im Jahr 2015. Damals kamen vier Menschen bei Ausschreitungen ums Leben.

Keine Konsequenzen nach Dammbruch beim mexikanischen Lieferanten Grupo México
Auch die Lieferwege aus anderen Ländern sind für die Öffentlichkeit intransparent. Mit Hilfe der Handelsdatenbank Panjiva konnten wir aber herausfinden, dass Aurubis Kupferkonzentrat von dem mexikanischen Bergbaukonzern Grupo México bezieht. Der Konzern hat 2014 einen Dammbruch in der Kupfermine Buena Vista del Cobre im Norden Mexikos verschuldet, nach dem sich über 40.000 Tonnen kupfersulfathaltiger Schlamm in zwei Flüsse ergossen. In der Folge hat eine provisorische Einrichtung zur Gesundheitsüberwachung bei über 350 Menschen giftige Rückstände in Blut und Urin sowie Haut- und Gefäßkrankheiten festgestellt. Grupo México hat bestimmte Maßnahmen zur kollektiven Entschädigung immer noch nicht umgesetzt. Zum Beispiel wurden ein versprochenes Gesundheitszentrum nie in Betrieb genommen und Wasseraufbereitungsanlagen nicht zur Verfügung gestellt. In einer Stellungnahme schreibt Aurubis zwar allgemein von Screening-Verfahren und Kontrollen bei den Lieferanten. Es geht aber nicht hervor, ob und welche Konsequenzen Aurubis aus den Menschenrechtsverletzungen gezogen hat.

Keine Information über Verarbeitung giftiger Kupferkonzentrate an Aurubis-Standorten

Nach wie vor informiert Aurubis nicht über giftige Kupferkonzentrate, die sie an ihren Standorten verarbeiten. Erst die Umweltbehörde Hamburg hat im letzten Jahr die Bevölkerung informiert, dass die Arsen-Jahres-Grenzwerte in der Luft überschritten worden sind. Die Umweltbehörde rät vom Anbau von Obst und Gemüse in der Nähe des Hamburger Aurubis-Werks ab.  Der Aurubis-Vorstand darf eine zeitnahe Information zu Risiken für die lokale Bevölkerung nicht länger verweigern. Die Information zu gesundheitlichen Risiken sind ein Menschenrecht und kein Betriebsgeheimnis.

Keine Schutzziele zur Erhaltung der Biodiversität
Die Aurubis verschweigt in all ihren Wirtschafts-, Umwelt-und Nachhaltigkeitsberichten, dass der Konzern auch am Dushanzi-See in Bulgarien, in einem EU-Natura2000-Schutzgebiet, aktiv ist. In der Folge werden von Aurubis weder Schutzziele noch Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität in diesem Schutzgebiet gebildet.  Aurubis muss endlich an all seinen Standorten die Umwelt und Biodiversität schützen.

Mangelnde Gesundheitsversorgung am Werksstandort Pirdop/Bulgarien
Die Aurubis zeigt nach wie vor keine Bereitschaft sich erfolgreich den katastrophalen Bedingungen des Krankenhauses am Werksstandort in Pirdop zu stellen. Es wird bewusst das Risiko eingegangen, dass im Akutfall, wo schnell gehandelt werden muss, Mitarbeiter, deren Familienangehörige und die lokale Bevölkerung nicht nach den Gesundheitsstandards, die an den anderen Aurubis-Werksstandorten vorhanden sind, versorgt werden.

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