BASF SE Hauptversammlung 2026

„Für einen einmaligen Bilanzeffekt werden 10.000 Mieter in Unsicherheit gestürzt!“ Rede von Roland Klein, Mieter einer BASF-Werkswohnung

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Roland Klein, ich bin Ludwigshafener und seit vielen Jahren Mieter bei der BASF Bauen und Wohnen. So wie es auch meine Eltern und Großeltern schon im vergangenen Jahrhundert waren.

Es gab Zeiten, in denen es ein Privileg war, eine der sogenannten „Werkswohnungen“ zu bewohnen – auch als Nicht-Werksangehöriger. Mieter einer Werkswohnung zu werden, war damals eine gute Entscheidung. 

Nun, die Zeiten haben sich geändert. Zeiten großer Wohnungsnot wechselten sich ab mit Zeiten des Überangebots. Ich erinnere nur daran, dass vor ca. 10 Jahren die BASF Wohnen und Bauen zwei komplette Hochhäuser wegen Unwirtschaftlichkeit abriss. Damals wurden Wohnungen nicht verkauft, sie wurden vernichtet.

Heute leben wir wieder in Zeiten großer Wohnungsnot.  Vor allem Wohnungen für Normalverdiener waren und sind Mangelware.

Und hier war und ist die BASF W+B mit ihren 5.800 Wohnungen in und um Ludwigshafen ein nicht zu unterschätzender und prägender Faktor. Und das wollte die BASF auch immer sein, ein geschätzter und bestimmender Faktor.

Die BASF gehörte auch immer zu den Unternehmen, die auf ihre Bedeutung für die Gesellschaft, die Region und Ihre Verbundenheit mit der Stadt verwiesen haben.

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie: „Im Rahmen unseres Nachhaltigkeitsmanage­ments trägt BASF mit ihrem gesellschaftlichen Engagement zur Lösung relevanter gesellschaftlicher Herausforderungen für die Gemeinden im Umfeld unserer Standorte (…) bei“. https://www.basf.com/global/de/who-we-are/sustainability/responsibility-for-society-and-nature/societal-commitment

Das ist vorbei. Jetzt möchte die BASF sich von 4.400 Wohnungen trennen. Mit dem Verkauf von so vielen Wohnungen machen Sie genau das Gegenteil und tragen zur Verschärfung gesellschaftlicher Herausforderungen bei. Es ist Ihnen sicherlich auch bekannt, dass die Wohnungsfrage mittlerweile zu der entscheidenden sozialen Frage in Deutschland geworden ist. 

Deshalb meine Fragen:

1. Warum verkaufen Sie diese Wohnungen?
Angeblich weil es sich bei der Wohnungswirtschaft nicht um ein Kerngeschäft handelt?  Nun, das war es noch nie! Warum also jetzt?

Weil die BASF sich in einem “schwierigen Marktumfeld“ befindet? – Nun, das gab es auch schon in der Vergangenheit! Warum also jetzt?

Darüber hinaus stellt sich die Frage:

2. Angenommen wir akzeptieren die Begründung, dass die BASF SE sich in ihrem Kerngeschäft in einem schwierigen Marktumfeld befindet; warum gibt man dann den größten Teil eines Geschäftsbereichs auf, der sich in einem guten Marktumfeld befindet, mit dem man nicht nur jetzt und heute, sondern auch auf absehbare Zeit gut Geld verdienen kann?

3. Frage: Wie entwickelten sich die Geschäfte von BASF Bauen und Wohnen in den letzten drei Jahren? Gab es Verluste, wenn ja wie hoch waren diese?

Wenn dies nicht der Fall war, wie hoch waren die Gewinne?

Mit dem Rückzug auf das Kerngeschäft nimmt man es hier übrigens nicht so genau. Denn die BASF W+B bietet weiterhin die Verwaltung von Eigentümergemeinschaften an, selbst wenn sie nicht mehr Teil dieser Gemeinschaft ist. Ebenso ist die BASF über ihre Anteile (30%) an der GAG Ludwigshafen ja immer noch erheblich am kommunalen Wohnungsmarkt beteiligt.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass ganz andere Gründe für den angestrebten Verkauf maßgeblich sind, nämlich, dass die hohe Dividende und das Aktienrückkaufprogramm unter anderem durch den Verkauf der Wohnungen finanziert werden sollen.

Für einen einmaligen Bilanzeffekt werden also 10.000 Mieter in Unsicherheit gestürzt!

Das lehnen wir ab.

Sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands und des Aufsichtsrats,

ich appelliere an ihre immer wieder hoch gehaltene gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, den Bürgern und der Stadtgesellschaft. Früher hieß es mal, mit uns gewinnt die Region?

Mit Ihrem Plan, 4.400 Wohnungen zu verkaufen, zerrütten Sie den Wohnungsmarkt in der Stadt und der Region. Sollte ein renditeorientierter Investor zum Zuge kommen für die 3.300 Wohnungen, die Sie en bloc verkaufen wollen, dann werden langfristig die Mieten hochgetrieben – daran ändert auch eine Sozialcharta nichts.

Inzwischen haben Sie ein Angebot der Stadt Ludwigshafen – von der städtischen Wohnungsgesellschaft GAG plus einem Bankenkonsortium – bekommen.

Gesellschaftspolitische Verantwortung heißt in diesem Fall, das Angebot der Stadt anzunehmen.

Frage: Wie stellt sich der Vorstand zu diesem Angebot?

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre.

Ich bitte Sie, dem Antrag des Vorstands für diese Dividende und das Aktienrückkaufprogramm nicht zuzustimmen.

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