BASF SE Hauptversammlung 2026

„Langfristige Fracking-Gas-Verträge bis 2043 stehen im Widerspruch zu Klima- und Menschenrechtszielen“: Rede von Matthias Bachmann

Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats,

sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

mein Name ist Matthias Bachmann und ich spreche heute für den Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, sowie im zweiten Teil für Share Action. BASF betont regelmäßig ihre Verantwortung für Menschenrechte und nachhaltige Lieferketten. Umso problematischer erscheint die langfristige LNG-Lieferbeziehung mit dem US-Unternehmen Cheniere.

Im Jahr 2023 unterzeichnete BASF einen langfristigen Vertrag mit Cheniere Energy über bis zu rund 0,8 Millionen Tonnen US-LNG pro Jahr. Dieses Sales and Purchase Agreement (SPA) läuft bis 2043. Laut dem BASF-Geschäftsbericht 2023 „kann das vereinbarte Liefervolumen etwa ein Drittel des erwarteten Erdgasbedarfs von BASF in Europa decken“, was durchaus erheblich ist. In ihrem Geschäftsbericht 2025 erklärt BASF zudem: „Erdgas – insbesondere CO₂-armes Erdgas – bleibt für BASF auf dem Weg zur Klimaneutralität eine zentrale Energiequelle und ein wichtiger Rohstoff.“

Der Großteil des exportierten US-LNG stammt aus Fracking-Gas. Laut dem „Compendium of Scientific, Medical, and Media Findings Demonstrating Risks and Harms of Fracking and Associated Gas and Oil Infrastructure“ gibt es, ich zitiere: „keine Hinweise darauf, dass Fracking in einer Weise betrieben werden kann, die nicht entweder unmittelbar die menschliche Gesundheit gefährdet oder die Klimastabilität beeinträchtigt, von der die menschliche Gesundheit abhängt“ – Zitat Ende.

Bei der Förderung von Fracking-Gas in den USA wird unter anderem klimaschädliches Methan freigesetzt.[1] Laut der einzigen peer-reviewten Studie zu diesem Thema verursacht US-Flüssigerdgas unter Berücksichtigung von Verarbeitung und Transport einen um 33 % schlechteren Treibhausgas-Fußabdruck als Kohle.[2]

Fracking verursacht außerdem Luft- und Wasserverschmutzung indem es Feinstaub, flüchtige organische Verbindungen (VOCs), Methan und Schwermetalle freisetzt. Da Fracking-Infrastruktur häufig näher an Gemeinden mit geringem Einkommen und hohem Anteil von BIPOC-Communities angesiedelt ist, sind diese überproportional und unmittelbar von den Auswirkungen wie, Atemwegserkrankungen, Krebserkrankungen, Geburtskomplikationen und neurologischen Problemen sowie von Erdbeben betroffen.

Aus all diesen Gründen wurde LNG in Deutschland als Rohstoff mit potenziellen Menschenrechtsrisiken identifiziert und gelistet.[3] Mit Verweis auf das Lieferkettengesetz schickte der BUND Ihnen ein Hinweisschreiben, in dem auf Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette im Zusammenhang mit dem Cheniere-Sales and Purchase Agreement hingewiesen wird. Die Problematik ist BASF somit also bekannt.

Zudem hält BASF weiterhin Anteile an Harbour Energy von 35% und ist damit mitverantwortlich für deren Klima- und Umweltschädliche sowie menschenrechtlich problematischen Praktiken, die wir an dieser Stelle im letzten Jahr ausführlich vorgetragen haben.

BASF nimmt hier erhebliche Umwelt-, Gesundheits- und Klimarisiken in Kauf und gefährdet zugleich den eigenen Weg zur Klimaneutralität sowie die wirksame Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette.

  • Wie rechtfertigt BASF vor diesem Hintergrund das Sales and Purchase Agreement mit Cheniere und welche finanziellen und Reputationsrisiken sieht BASF bei der Zusammenarbeit mit umstrittenen LNG-Zulieferern, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender öffentlicher und juristischer Kritik an fossilen Lieferketten?
  • Welche menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risikoanalysen hat BASF vor Abschluss dieses Liefervertrags durchgeführt?
  • Welche konkreten Konsequenzen oder Eskalationsmechanismen sieht BASF vor, wenn Zulieferer trotz bekannter Verstöße gegen Umwelt- und Gesundheitsstandards keine ausreichenden Verbesserungen umsetzen?
  • Wie passt der langfristige Ausbau von LNG-Lieferbeziehungen mit den eigenen Klima- und Menschenrechtszielen von BASF zusammen?
  • Besteht weiterhin der Plan die Anteile an Harbour Energy schrittweise zu veräußern und halten sie eine Beschleunigung dessen nicht für angemessen? Und wenn nicht, warum nicht?
  • Wie stellt BASF sicher, dass durch die Beteiligung an Harbour Energy nicht indirekt weiterhin Umweltzerstörung durch Fracking unterstützt wird – insbesondere in Argentinien?

Die aktuelle Weltlage zeichnet sich durch anhaltende Volatilität und zunehmende Instabilität aus.

  • Welche Auswirkungen haben die aktuellen Preisspitzen, die Unsicherheit der Lieferketten sowie die Schäden in der globalen LNG-/Gasinfrastruktur auf die Geschäfte von BASF in Europa und darüber hinaus?

Sie verweisen auf Emissionsreduktionen im Jahr 2025 und die Erreichung eines wichtigen Meilensteins von 60% Emissionsreduktion seit 1990. Diese sind jedoch teilweise auf eine geringere Nachfrage und niedrigere Produktionsmengen zurückzuführen (S. 190). Und gleichzeitig rechnet BASF bereits für 2026 wieder mit deutlich steigenden Emissionen, unter anderem durch den neuen Standort in China (S. 190).

Besonders kritisch sehe ich, dass BASF selbst angibt, dass größere Investitionen in die Transformation erst nach 2030 erfolgen sollen (S. 19). Genau dieses Jahrzehnt ist aber entscheidend für den Klimaschutz.

BASF hebt im Geschäftsbericht die Notwendigkeit eines politischen und regulatorischen Umfelds (S.182) hervor, versucht sich diesem aber gleichzeitig möglichst zu entziehen und lobbyiert auch kräftig dagegen.

  • Halten Sie die Klimastrategie des Unternehmens vor diesem Hintergrund für glaubhaft und angemessen und welche Maßnahmen hat das Unternehmen bisher aus eigenem Antrieb initiiert?


Frage von ShareAction:

Damit kommen wir im zweiten Teil, zu einer Frage, die ich für ShareAction, der in Großbritannien ansässigen Organisation für verantwortungsbewusstes Investieren vortragen darf.

ShareAction übermittelt diese Frage im Namen 13 institutionellen Anlegern, die ein verwaltetes und beratenes Vermögen von 1,251 Billionen US-Dollar vertreten, nämlich Aegon Asset Management UK, Aegon Investment Management, Aviva, Cardano Group, Ethos Engagement Pool International, Ethos Engagement Services Clients, Ethos Foundation, Folksam, Inyova, John Ellerman Foundation, PIRC, Strathclyde Pension Fund und West Yorkshire Pension Fund.

Die Frage zielt auf das Engagement seitens BASF ab, den geplanten Ausstieg aus kostenlosen Emmissionszertifikaten zu verzögern und weitreichende Ausnahmen beim CO2—Grenzausgleichsmechanismus zu schaffen. Sie hatten dazu heute schon etwas gesagt, es soll aber nochmal betont werden:

Für ein Unternehmen von der Größe BASFs, das direkt von industriepolitischer Unterstützung der EU profitiert, ist es entscheidend, die richtige Balance zwischen konstruktiver politischer Interessenvertretung und dem Erhalt der Integrität europäischer Klimapolitik zu wahren.

Die Frage lautet:
Wird BASF sich dazu verpflichten, seine politische Einflussnahme künftig so auszurichten, dass Stabilität in der europäischen Klimapolitik unterstützt wird – im Einklang mit den Zielen der EU hinsichtlich Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und strategischer Unabhängigkeit?

Vielen Dank!


[1] siehe beispielsweise die kontinuierliche Dokumentation von Oilfield Witness: https://www.youtube.com/@OilfieldWitness.

[2] https://news.cornell.edu/stories/2024/10/liquefied-natural-gas-carbon-footprint-worse-coal

[3] siehe die Publikation „Potential human rights risks along supply and value chains. Selected sections of the German energy industry“

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