Globaler Zugang & Impfstoffgerechtigkeit
- Warum veröffentlicht BioNTech keine klare globale Access-to-Medicines-Strategie mit messbaren Zielen, obwohl Sie sich als globales Gesundheitsunternehmen präsentieren?
Eine klar definierte Strategie für den Zugang zu Medikamenten ist ein zentraler Bestandteil unserer langfristigen Planung. Während wir unsere Pipeline weiterentwickeln und uns auf die Kommerzialisierung vorbereiten, arbeiten wir kontinuierlich an einem Ansatz, der robust, praxisnah und auf die Anforderungen möglicher zukünftiger Markteinführungen unserer Produkte abgestimmt ist. - Welche konkreten Technologien oder Patente wurden bislang tatsächlich in den globalen Süden transferiert, und wie wird deren Wirksamkeit überprüft?
Wir haben die Methoden und Prozesse zur Herstellung von mRNA-basierten Impfstoffen an unsere hochmoderne Herstellungsstätte in Ruanda übertragen. Diese Anlage ist entsprechend ausgestattet, um alle Schritte der Herstellung von mRNA-Impfstoffen abzudecken. Dies schließt die Herstellung des Wirkstoffs, dessen Formulierung sowie die Abfüllung ein. Eine Übertragung von Patenten ist, wie in der Pandemie bereits mehrfach erläutert, nicht notwendig, um eine Herstellung von Impfstoffen zu ermöglichen. - Wird der Biontainer-Standort in Ruanda im Zuge des Produktionsstopps in Deutschland und Singapur – sowie des Ausstiegs aus der Impfstoffproduktion – auch aufgegeben, oder wird dort ein Abbau oder eine Schließung diskutiert? Und wenn ja, wie soll das umgesetzt werden?
Stand heute gibt es keine Pläne, BioNTechs Herstellungsstätte in Ruanda zu schließen. Wir setzen den Aufbau der Anlage fort, was wir auch in unserem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht entsprechend dokumentiert haben. Wir erwarten, dass der Aufbau der BioNTainer sowie die Installation der Prozessanlagen im Jahr 2026 abgeschlossen sein werden. - Im Rahmen der EU-Global-Gateway-Strategie, die lokale Arzneimittelproduktion in Afrika stärken und Abhängigkeiten reduzieren soll, erhielt BioNTech 95 Mio. € für den Aufbau des BioNTainers in Ruanda. Transferiert BioNTech in diesem Zusammenhang Technologie an ruandische Firmen, und ist dieser Technologietransfer eine Bedingung der EU?
Wir haben die Methoden und Prozesse zur Herstellung von mRNA-basierten Impfstoffen an unsere hochmoderne Herstellungsstätte in Ruanda transferiert.
Gleichzeitig wird ein lokales Team aufgebaut und trainiert, das die Anlage eigenständig betreiben kann. Dazu gehören die mRNA-Herstellung, Lieferkettenmanagement, Ingenieurwesen, Anlagenwartung, Qualitätskontrolltests und Qualitätssicherung.
Das Team in Ruanda erhält umfassende Schulungen. Diese beinhalten praktische Erfahrungen durch die Teilnahme an operativen Aktivitäten an BioNTech-Standorten.
Zusätzlich werden standortübergreifende Workshops angeboten, die sowohl in Ruanda als auch in Deutschland stattfinden.
Parallel dazu haben BioNTech-Mitarbeitende externe Initiativen zum Kapazitätsaufbau in Ruanda unterstützt. Damit fördern sie die nationalen Bemühungen, technische Fähigkeiten in der Impfstoffherstellung zu stärken.
Preise neuer Therapien & Zugänglichkeit - Welche konkrete Preisstrategie verfolgt BioNTech für zukünftige Onkologie-Produkte, um globale Zugänglichkeit – auch für Länder mit niedrigem BNE- zu gewährleisten?
Wir gehen nicht davon aus, dass ein einheitlicher globaler Preis für alle Märkte geeignet ist. Unser Ansatz zielt darauf ab, den klinischen Nutzen, die Infrastruktur lokaler Gesundheitssysteme und Aspekte der Erschwinglichkeit zu berücksichtigen. Darüber hinaus werden weitere relevante Faktoren einbezogen, die den globalen Zugang in der Praxis beeinflussen. - Wie wird sichergestellt, dass Innovation nicht zu systemischer Unterversorgung führt, insbesondere bei extrem hohen Preisen neuer Therapien?
Wir sind überzeugt, dass Innovation mit einer sorgfältigen Planung und Blick auf Zugang und Umsetzung einhergehen muss. Aus diesem Grund sind Aspekte des Marktzugangs ein zentraler Bestandteil unserer Kommerzialisierungsstrategie. - Wie rechtfertigt BioNTech die Preisgestaltung bei neuen Therapien, angesichts der öffentlichen Förderung der mRNA-Technologie? Plant BioNTech die öffentliche Förderung bei der zukünftigen Preisgestaltung von Impfstoffen bzw. neuen Therapien zu berücksichtigen?
Innovation entsteht durch Beiträge aus dem gesamten Ökosystem, einschließlich der öffentlichen Forschung. Unser Ziel ist es, zukünftige Medikamentenpreise umsichtig zu gestalten. Dabei berücksichtigen wir den Nutzen, den unsere Innovationen für Patienten, Gesundheitssysteme, die Gesellschaft und das gesamte Ökosystem bieten können. - Wer wird sich die zukünftigen Therapien leisten können, und ist BioNTech bereit, den globalen Zugang messbar in die Geschäftsstrategie zu integrieren?
Unser Ziel ist es, den Zugang zu innovativen Medikamenten für Patienten zu unterstützen. Gleichzeitig berücksichtigen wir, dass Gesundheitssysteme je nach Land deutlich unterschiedlich sind. Während wir unsere kommerzielle Strategie weiterentwickeln, werden wir kontinuierlich prüfen, wie Fragen und Prioritäten des Marktzugangs in unsere umfassendere Planung integriert werden können. - mRNA-Impfstoffe bieten zahlreiche Vorteile, doch ein wesentlicher Nachteil besteht darin, dass die erste Generation dieser Impfstoffe bei -70 °C gelagert werden musste. BioNTech arbeitet intensiv daran, seine Impfstoffkandidaten zu stabilisieren. Können Sie bestätigen, dass die mRNA-Impfstoffkandidaten von BioNTech gegen Tuberkulose, Mpox und Malaria für die Lagerung in einer herkömmlichen Kühlkette bei Temperaturen zwischen 2 °C und 8 °C mit einer Haltbarkeit von mehreren Jahren zugelassen werden?
Die mRNA-Impfstoffkandidaten für Tuberkulose, Mpox und Malaria befinden sich in früheren Entwicklungsstadien. Daher ist es noch zu früh, hierzu Stellung zu nehmen.
Pipeline-Risiken & F&E-Transparenz - Wie hoch ist die interne Erfolgswahrscheinlichkeit der späten Pipeline-Kandidaten (Phase 2/3) und auf welcher Basis wird diese geschätzt?
Wir sind vom Potenzial unserer Programme in der späten klinischen Entwicklung überzeugt. Dies basiert unter anderem auf der Breite und der Größenordnung unserer zulassungsrelevanten Programme. Für diese erwarten wir bis 2030 mehr als 17 Datenveröffentlichungen aus Studien in der spätklinischen Entwicklungsphase. Dies gilt auch für zulassungsrelevante Studien.
Durch unser aktives Portfoliomanagement konzentrieren wir unsere Ressourcen auf Programme mit dem höchsten Potenzial, gemessen an ihren klinischen Daten, Erkenntnissen aus Biomarkern und mechanistischen Grundlagen. - Welche Programme wurden 2025 eingestellt oder reduziert, und warum werden diese nicht transparent im Geschäftsbericht aufgeführt?
Wir evaluieren kontinuierlich Daten aus unseren klinischen Programmen und der sich verändernden Behandlungslandschaft. So können wir genau festlegen und optimieren, auf welche Programme wir unsere Investitionen konzentrieren. Dieser Ansatz hilft uns, wettbewerbsfähig zu bleiben und zugleich das Potenzial unserer Pipeline sowie die Zahl der Patienten, denen wir letztlich helfen können, zu maximieren.
Wesentliche Neuigkeiten zu unseren Programmen sind in unseren regelmäßigen SEC-Meldungen enthalten, darunter unseren Quartals- und Jahresberichten. Dort finden Sie auch die Informationen zur Einstellung der jeweiligen Programme. - Wie sensitiv ist die Unternehmensbewertung gegenüber dem Scheitern von Schlüsselprogrammen wie Pumitamig?
Zunächst einmal: Pumitamig hat mittlerweile eine Vielzahl ermutigender und konsistenter klinischer Daten über verschiedene Tumorarten, Patientengruppen und Regionen hinweg generiert.
Während wir vom starken Potenzial von Pumitamig überzeugt sind, ist es dennoch nur einer von mehreren Kandidaten in unserem Portfolio. Dies ist wiederum Ausdruck unserer breit diversifizierten und risikomitigierenden Pipeline.
Governance, Gründer & Vergütung - Wie stark ist die Vorstandsvergütung an tatsächliche klinische Erfolge gekoppelt, und warum werden keine klaren, extern überprüfbaren KPIs veröffentlicht?
Die Vergütung ist zu Teilen an den Fortschritt der klinischen Forschung und Entwicklung gekoppelt, da die Unternehmensziele die Produktentwicklung und -zulassung beinhalten können.
Sie ist jedoch nicht ausschließlich oder mechanisch an den klinischen Erfolg gebunden, da die Anreize auch finanzielle Disziplin, strategische und operative Umsetzung, ESG-Faktoren sowie – im Falle von Long Term Incentives – die langfristige Aktienkursentwicklung widerspiegeln können.
Das Unternehmen veröffentlicht das Vergütungssystem, die Zielkategorien, die Gewichtung sowie die Zielerreichung zum Jahresende im jährlichen Vergütungsbericht. - Welche Maßnahmen ergreift BioNTech, um Interessenkonflikte und Know-how-Abfluss zu verhindern, nachdem die Gründer ein eigenes mRNA-Unternehmen gründen?
Nein, es werden keine Mitarbeitenden innerhalb von BioNTech für den Aufbau des neuen Unternehmens eingesetzt. Die Handhabung dieser potenziellen Transaktion verläuft gemäß üblicher und etablierter Prozesse und Strukturen.
Die Analyse, Planung und Umsetzung erfolgt unter Einbindung der zuständigen Gremien, insbesondere in enger Koordination mit dem Aufsichtsrat und unter Einhaltung der geltenden Governance-, Compliance- und kapitalmarktrechtlichen Anforderungen.
Dazu gehören Genehmigungs- und Kontrollmechanismen, auch im Hinblick auf die Vermeidung von Interessenskonflikten sowie die Einhaltung strikter Arm’s-Length-Bedingungen.
Personal- und Produktionsentscheidungen - BioNTech baut fast 1.900 Stellen in Deutschland und Singapur ab und stellt die Impfstoffproduktion dort ein – wie rechtfertigt der Vorstand diesen radikalen Schritt nach Jahren außergewöhnlicher Gewinne?
Die Entscheidungen wurden nach sorgfältiger Abwägung getroffen und unterstreichen unseren Anspruch, unsere Ressourcen kontinuierlich so einzusetzen, dass sie unsere Strategie unterstützen, bis 2030 ein Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten zu werden. Sie spiegeln zudem unsere Bemühungen gegenüber Patienten und Aktionären wider, Innovation und nachhaltige Wertschöpfung zu fördern.
Die Entscheidungen sollen dem Unternehmen durch Kosteneinsparungen und einer Optimierung der operativen Effizienz zugutekommen. Die erzielten Einsparungen sollen die Weiterentwicklung unserer Onkologie-Pipeline bis hin zur Markteinführung unterstützen. - Wie werden die betroffenen Mitarbeiter:innen unterstützt, sowohl finanziell als auch bei der beruflichen Neuorientierung?
Um Mitarbeitende, die potenziell von der konzernweiten Transformation und dem Stellenabbau betroffen sind, zu unterstützen, hat der BioNTech Konzern mit der Arbeitnehmervertretung in Deutschland Rahmenvereinbarungen ausgehandelt und vereinbart.
Diese enthalten Mechanismen zur sozialverträglichen Umsetzung von Personalmaßnahmen. Dazu gehören ein Betroffenenprogramm, ein Sozialplan, Richtlinien zur Sozialauswahl sowie zu sogenannten New Placement-Maßnahmen, also Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung bzw. Bewerbung.
Wir werden diese Regelungen konsequent und transparent anwenden, um gleiche Bedingungen für alle potenziell betroffenen Mitarbeitenden sicherzustellen. Wir sind entschlossen, die Veränderungen sozial verantwortungsvoll umzusetzen und unsere Kollegen während des Prozesses zu unterstützen.
Für Standorte außerhalb Deutschlands stellen wir sicher, dass Abfindungsregelungen mit den lokalen gesetzlichen Anforderungen und unserem Bekenntnis zu sozial verantwortungsvollen Lösungen übereinstimmen. - Welche Pläne bestehen für verbleibende Standorte, die bisher ausschließlich COVID-19-Impfstoffe produziert haben?
- Wie sichert BioNTech die strategische Kontrolle über die Produktionskapazitäten, nachdem ein Großteil an Pfizer übertragen wird, und wie wird die künftige Standort- und Investitionsstrategie angepasst?
Nach einer gründlichen Bewertung haben wir Standorte identifiziert, an denen die Kapazitäten in den nächsten 24 Monaten voraussichtlich nicht ausgelastet oder sogar ungenutzt bleiben werden, und die Entscheidung getroffen, den Betrieb an diesen Standorten einzustellen. Dazu gehören unsere Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und
Singapur sowie die Standorte von CureVac.
Unser etabliertes Produktionsnetzwerk gewährleistet weiterhin die Versorgung mit COVID-19-Impfstoffen sowie die Unterstützung unserer klinischen Pipeline.
o Die kommerzielle Produktion der COVID-19-Impfstoffe wird im Laufe des Jahres vollständig von unserem Partner Pfizer an dessen Standorten in Europa und den USA übernommen.
o Die Versorgung mit unseren mRNA-basierten Kandidaten wird durch bestehende Kapazitäten, beispielsweise in Mainz, sichergestellt. Darüber hinaus werden wir auf unser erweitertes Partnernetzwerk zurückgreifen können.







