
Pressemitteilung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Dachverbands der Kritischen Aktionäre
- Kritik an Konzernkurs und hoher Dividende
- Kleine Elektromodelle ‚Made in EU‘ nötig
- Umstrittene Rohstoffe aus Lieferkette nehmen
München/Berlin/Köln, 12.05.2026. Im Vorfeld der morgigen virtuellen Hauptversammlung der BMW Group kritisieren der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre eine zu hoch angesetzte Dividende und mahnen Änderungen bei Modellpolitik und Rohstoffbeschaffung an.
Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND und Vorstandsmitglied des Dachverbands: „Dass die Dividende steigt, während der Gewinn sinkt, ist in Zeiten notwendiger Investitionen in den Konzernumbau nicht nachvollziehbar. Schon gar nicht, wenn gleichzeitig 270 Millionen Euro Steuergeld fließen, um wiederholt zu versuchen, Brennstoffzellen-Pkw zur Serienreife zu führen. Privatisierte Profite, subventionierte Antriebsexperimente hinterlassen einen faden Beigeschmack. Statt hoher Dividende sollte der Konzern aus sich heraus solche Investitionen tätigen, statt die Steuerzahlenden dafür aufkommen zu lassen.“
Die Brennstoffzelle hat aus Sicht des BUND und der kritischen Aktionäre keine Zukunft im Pkw, sondern ist aufgrund physikalischer und ökonomischer Hürden ein ineffizienter Umweg. Wasserstoff hat im Vergleich zur direkten Stromnutzung eine deutlich schlechtere Energieeffizienz, der Transport ist aufwendig und das Tankstellennetz schrumpft stetig, auf aktuell nur rund 50 im gesamten Bundesgebiet.
Neben einer in Teilen fragwürdigen Antriebsstrategie verstolpert BMW die Markteinführung ihres Prestigprojekt iX3 „Neue Klasse“.
Hilgenberg: „BMW kann die Nachfrage beim vollelektrischen iX3 nicht bedienen, die Lieferzeiten sind extrem lang. Hier wurde offenbar falsch kalkuliert. Es zeigt sich: insbesondere die Geschäftskunden sind willens auf reine E-Fahrzeuge umzusteigen, wenn die Angebote stimmen. Leider fehlt noch immer ein kleines, elektrisches Einstiegsmodell ‚Made in EU‘.“
Rund 80 Prozent der von BMW in 2025 verkauften Pkw hatten noch einen Verbrennungsmotor. Hier braucht es mehr Tempo bei der Umstellung der Produktion auf reine E-Fahrzeuge. Dabei muss auch der eingeschlagene Weg bei Recycling und Rohstoffbeschaffung konsequenter gegangen werden.
Markus Dufner, Geschäftsführer beim Dachverband der Kritischen Aktionäre sagt mit Blick auf von BMW weiterhin verwendeten Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo: „Ein wesentlicher Grund, warum wir dem Vorstand der BMW Group die Entlastung verweigern, ist das mangelhafte Risikomanagement in der Rohstofflieferkette. Kobalt ist eine Schlüsselkomponente für die von BMW verwendeten Hochvoltspeicher. Die Demokratische Republik Kongo liefert rund 70 Prozent des weltweiten Kobalts, ist jedoch gleichzeitig Schauplatz schwerster Menschenrechtsverletzungen, darunter ausbeuterische Kinderarbeit und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen im industriellen wie im kleingewerblichen Bergbau.“
Verkehrswende-Aktivist Tobi Rosswog kommentiert die BMW-Strategie ironisch: „Unendliches Wachstum ist auf einem begrenzten Planeten nicht möglich. Das wusste bereits Eberhard von Kuenheim, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der BMW AG, und brachte das Problem unserer kapitalistischen Profit- und Konkurrenzlogik auf den Punkt: “Es kann schon sein, dass es zu viele Autos gibt. Aber immer noch zu wenig BMW.” Der motorisierte Individualverkehr ist das Problem und das System Auto eine Sackgasse. Es nimmt uns den Platz zum Leben.“
Mehr Informationen:
Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre hat Gegenanträge zu den Tagesordnungspunkten 2 und 3 eingereicht: https://www.kritischeaktionaere.de/bmw/mangelnde-dynamik-bei-der-e-mobilitaet-und-verletzung-von-sorgfaltspflichten-in-der-kobalt-lieferkette-unsere-gegenantraege-zur-bmw-hauptversammlung-2026/
Kontakt:
Jens Hilgenberg, BUND Leiter Verkehrspolitik, Tel.: +49 30-27586-467, E-Mail: jens.hilgenberg[at]bund.net;
Markus Dufner, Geschäftsführer, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Tel.: +49 221-5995-647, E-Mail: dachverband[at]kritischeaktionaere.de







