
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Geschäftsführung, sehr geehrter Aufsichtsrat,
mein Name ist Barbara Happe. Ich spreche hier als Vorständin der Kritischen Aktionär*innen und als Expertin für Abrüstung und Frieden bei Greenpeace.
Ich stehe heute erneut hier – obwohl ich gehofft hatte, dass es nicht nötig sein würde.
Vor einem Jahr haben wir Ihnen, Herr Watzke, eine Petition mit fast 24.000 Unterschriften überreicht. Die Forderung war eindeutig: Beenden Sie die Werbepartnerschaft mit dem Waffenhersteller Rheinmetall.
Auch der Mitgliederentscheid hat sich damals klar für eine schnelle Kündigung ausgesprochen.
Doch ein Jahr später ist nichts geschehen: keine Kündigung, nicht einmal ein öffentliches Signal, dass der Sponsorenvertrag nach 2027 nicht verlängert wird.
Darum bin ich heute erneut hier, um zu diesem Thema zu sprechen.
Herr Cramer, Sie haben im vergangenen Jahr eingeräumt, um die Kritikpunkte an Rheinmetall gewusst zu haben.
Sie wussten also, dass Rheinmetall weiterhin 5 bis 10 Prozent seines Geschäfts mit nicht-demokratischen Staaten und Menschenrechtsverletzern macht und
Sie wussten, dass der Konzern über ein Joint Venture in Südafrika ganze Munitionsfabriken in Länder errichtet, die systematisch Menschenrechte verletzen.
Sie wussten das und trotzdem hielten Sie das Sponsoring für vertretbar.
Dass der BvB seinen eigenen Namen für ein paar Millionen für dieses „Whitewashing“ hergibt, ist unverantwortlich.
Herr Papperger, der Vorstandsvorsitzende Rheinmetalls, hat mir im Mai auf der Hauptversammlung seines Konzerns bestätigt, dass der BVB „immer wieder auf Rheinmetall zukomme“ – jedoch „nicht wegen einer Kündigung des Sponsorenvertrags“. Er sprach von einem „tollen Verhältnis“ der beiden „Top-Unternehmen“.
Das zeigt: Es gibt beim BvB anscheinend nicht einmal Ansätze einer kritischen Auseinandersetzung mit den problematischen Geschäftsfeldern des Rheinmetall-Konzerns und das, obwohl diese klar im Widerspruch zum BVB-Wertekodex stehen.
Wir fordern daher hier heute erneut mit den uns übertragenen Stimmrechten, dass der BvB bei Sponsoringpartnerschaften Menschenrechts- und Umweltschutz ernst nimmt. Der Werbedeal mit Rheinmetall verstößt gegen diese Grundsätze und muss endlich beendet werden.
Unsere Kritik an Rheinmetall gilt unverändert.
Der Konzern schließt weiterhin keine Rüstungsgeschäfte mit autoritären Staaten aus. Trotz milliardenschwerer Aufträge aus Deutschland und anderen NATO-Staaten wird die aggressive Internationalisierung vorangetrieben.
Rheinmetall baut „neue Heimatmärkte“ auf:
– in Südafrika über das Joint Venture RDM, das Munition und komplette Munitionsfabriken an Staaten wie Ägypten und Saudi-Arabien liefert,
– in Ungarn, wo der Konzern trotz massiver demokratischer Rückschritte und russlandfreundlicher Politik massiv investiert.
Rheinmetall entwickelt sich zu einem globalen Waffenproduzenten ohne moralische Skrupel und ist bereit überall hin zu liefern, wo der Preis stimmt.
Das widerspricht fundamental dem BVB-Grundwertekodex, der die Achtung, den Schutz und die Förderung von Menschenrechten zu zentralen Prinzipien erklärt.
Deshalb fordern wir: Beenden Sie diesen Werbedeal – schnellstmöglich.
Mangelnde Aufbereitung der NS-Zeit bei Rheinmetall
Zum 2. möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch auf ein anderes Thema lenken: Ihr „Champion Partner“ Rheinmetall hat die eigene historische Rolle und Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus bis heute nicht ausreichend aufgearbeitet. Ein aktuelles von Greenpeace in Auftrag gegebenes Gutachten von Dr. Ralf Ahrens vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) zeigt deutlich: Rheinmetalls Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit ist unzureichend. Die Darstellung von Rheinmetall ist demnach zwar kein bewusster Versuch der Schönfärbung, aber sie bleibt weit hinter dem Standard anderer deutscher Unternehmen zurück, die ihre NS-Vergangenheit kritisch und transparent aufgearbeitet haben.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erklärte bei der Verleihung des Leo-Baeck-Preises an Herrn Watzke unumwunden, dass er „nicht begeistert” gewesen sei, dass der BVB ausgerechnet mit Rheinmetall eine Partnerschaft eingegangen wäre. Auch Schuster konstatierte bei Rheinmetall „erheblichen Nachholbedarf“ bei der Aufarbeitung der NS-Geschichte (vgl. https://www.sueddeutsche.de/sport/borussia-dortmund-leo-baeck-preis-zentralrat-der-juden-watzke-li.3147390).
Es ist mir unverständlich, wie ein Verein, der so glaubwürdig gegen Rassismus und Antisemitismus kämpt, sich auf einen Konzern wie Rheinmetall einlässt, der offenkundig kein Interesse an Aufarbeitung hat.
Unsere Fragen:
MV-Beschluss gegen Vertragsverlängerung
Herr Watzke hat in einem ausführlichen Interview mit schatzgelb.de unlängst gesagt, dass eine vorzeitige Beendigung des Werbevertrages mit Rheinmetall u.a. wegen „konzernrechtlicher Ausgleichspflichten nahezu nicht darstellbar“ sei. Dazu folgende Fragen:
- Was genau wären das für „konzernrechtliche Ausgleichspflichten“? Geld? In welcher Höhe?
- Welche Kosten und juristische Folgen hätte ein vorzeitiges Ende der Werbepartnerschaft mit Rheinmetall verursacht?
- Vorzeitige Beendigung ist das eine, eine optionale Vertragsverlängerung das andere. Die Mitglieder hatten bei der MV 2024 bereits mehrheitlich gegen die Vertragsverlängerung gestimmt. Wurde dies bereits in die Wege geleitet, etwa, in dem Rheinmetall doch – entgegen der Aussagen von Herrn Papperger – kommuniziert worden ist, dass es keine Verlängerung geben wird?
- Was sind denn nun Ihre aktuellen Pläne: Können Sie hier und heute ausschließen, den Werbevertrag mit Rheinmetall zu verlängern?
- Die Haltung des BvB ist ein Schlingerkurs. Im letzten Jahr wollten Sie dazu zunächst eine Online-Abstimmung machen, das haben Sie dann verworfen. Dann erklärte Herr Watzke im Interview, auf der MV 2026 nochmal über eine Vertragsverlängerung abstimmen lassen zu wollen. Gestern auf der MV wiederum sprach Herr Watzke dann davon, doch das Mitgliedervotum von 2024 umsetzen zu wollen. Was denn nun?? Was ist Ihre Position als entscheidungsrelevante AG zu diesem Thema?
- Wie bewerten Sie die Aussage des Präsidenten des Zentralrates des Juden, Herrn Schuster, dass es erheblichen Nachholbedarf bei Rheinmetall im Hinblick auf die firmeneigene Aufarbeitung der Geschichte gäbe? Haben Sie zu diesem Thema jemals mit Rheinmetall gesprochen oder dieses Thema im Vorfeld der Sponsorenvertrages berücksichtigt?
- Sehen Sie in dieser Partnerschaft kein Reputationsrisiko für den BvB, der sich ja öffentlich immer sehr stark für eine umfassende Aufarbeitung der NS-Zeit (und gegen Antisemitismus) engagiert hat?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.








