Commerzbank AG Hauptversammlung 2026

„Die Commerzbank darf den Ausbau fossiler Energien nicht mitfinanzieren!“: Rede von Kathrin Petz, urgewald

Sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat und liebe Aktionär*innen,

mein Name ist Kathrin Petz, ich spreche für die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald.

Wir verstehen, dass hier gerade ein anderes Thema vorherrscht. Dennoch müssen wir darüber reden wie auch die Commerzbank die Anheizung des Klimas mitfinanziert und was sie anders machen könnte.

Neben dem Klimawandel zeigt der aktuelle Krieg im Iran deutlich, welche katastrophalen ökonomischen Auswirkungen fossile Abhängigkeiten haben. Trotz allem gibt es weiterhin Regierungen, Konzerne und Lobbyisten die den weiteren fossilen Ausbau vorantreiben und Erneuerbare Energien ausbremsen wollen.

Die Commerzbank darf diesen Kurs nicht mitfinanzieren!

Unsere Daten zeigen eine Realität jenseits von schillernden Nachhaltigkeitsberichten und Transformations- und Klimaversprechen der fossilen Industrie. Die Kohle, Öl- und Gasindustrie ist der große Treiber der drohenden Klimakatastrophe: Mehr als 96 Prozent der Öl- und Gasproduzenten expandieren ungebremst weiter, d.h. sie suchen und erforschen neuen Öl- und Gasquellen, diese Expansion steht jenseits von jeglichen Klimazielen.

Verdeckt wird dies von Netto-Null Versprechen die weit in der Zukunft liegen, nirgendwo sind die CO2 Emissionen eingerechnet, die durch jetzige Expansion in Zukunft freigesetzt werden. D.h. Expansion wird mit der Bereitstellung von Krediten und Anleihen möglich gemacht, die CO2 Emissionen liegen aber in der Zukunft und tauchen dadurch in keinen Rechnungen zu finanzierten Emissionen auf. So auch nicht bei der Commerzbank.

Ein Kunde der Commerzbank ist zum Beispiel das britische Unternehmen BP. Von einer glaubwürdigen Transformation ist BP weit entfernt: Unter der neuen CEO Meg O’Neill setzt der Konzern weiterhin konsequent auf Öl und Gas. Klimaziele wurden abgeschwächt oder ganz gestrichen.

Wir begrüßen, den neuen Ausschluss der Commerzbank keine Öltransportprojekte mehr zu finanzieren sehr. Doch oft finanzieren Firmen ihre Expansion gar nicht mehr über Projektfinanzierungen, sondern bekommen das Geld aus allgemeinen Unternehmenskrediten oder Anleihe-Emissionen. Deswegen fordern wir:

Schließen Sie jegliche Form der Finanzierung für alle Unternehmen aus, die im fossilen Bereich expandieren!

Dazu meine ersten Fragen:

  • Ein Großteil der von der Commerzbank finanzierten fossilen Unternehmen expandiert im Öl- und Gassektor. Dies wird möglich gemacht durch das dafür notwendige Geld von Banken. Die somit ermöglichten CO2-Emissionen werden aber nicht in die CO2-Emissionen ihres Kredit- und Investmentportfolios einbezogen, und somit auch nicht in Reduktionspfade, weil sie erst in der Zukunft anfallen werden. Was tun sie gegen diesen blinden Fleck bei ihren Ambitionen die CO2 Emission ihres
    Kreditportfolios zu reduzieren?
  • Im Jahr 2025 hat die Science Based Targets Initiative (SBTi) ihren neuen Financial Institutions Net-Zero Standard vorgelegt, der strengere Ziele als der vorherige Standard vorgibt. Planen Sie eine Zertifizierung nach dem neuen Standard? Wenn ja, bis wann? Falls nein, warum nicht?
  • In Ihrem ESG-Rahmenwerk schreiben Sie: „Um eine möglichst spezifische Steuerung in den CO2-intensiven Sektoren zu ermöglichen, ist der Sectoral Decarbonization Approach (SDA) am besten geeignet. Sie haben allerdings noch kein Ziel für den Öl- und Gasbereich? Wann werden Sie dort Ziele setzen? Werden diese die komplette Wertschöpfungskette (Upstream, Midstream und Downstream) erfassen? Werden das absolute Ziele gemessen in Tonnen CO2 pro Jahr sein?

Kommen wir zum großen Backlash in ihrer Kohlerichtlinie. Die Commerzbank hatte für den Kohlesektor klare Ausschlusskriterien formuliert. Ab 2025 sollten Kunden ausgeschlossen werden, die keinen Ausstieg aus der Kohle in OECD-Ländern bis 2030 vorlegen. Doch genau zu diesem Zeitpunkt hat die Bank ihre Vorgaben aufgeweicht. Betroffene Unternehmen erhalten nun acht Jahre mehr Zeit, dreckige Kohle zu verbrennen. Außerdem können sie neue Kohleminen oder Kohlekraftwerke bauen.

Damit verspielt die Commerzbank Vertrauen und entfernt sich von ihrem Anspruch, ihre Geschäfte am Pariser Klimaabkommen auszurichten.

Dazu weitere Fragen:

  • Sie schreiben in Ihrem Geschäftsbericht, dass Sie Ihre Richtlinie für fossile Brennstoffe im Kontext der aktuellen weltpolitischen Lage und im Lichte des Koalitionsvertrages der Bundesregierung überarbeitet haben und das Kohleausstiegsdatum für Bestandskunden auf 2038 statt 2030 verschoben haben. Auf welchen klimawissenschaftlichen Annahmen beruht diese Entscheidung und wie vereinbaren Sie Abschwächung der Kohlerichtlinie mit dem Net Zero Szenario der
    Internationalen Energie Agentur (IEA)?
  • Die Richtlinie wurde genau in dem Moment abgeschwächt, als sie hätte greifen sollen. Aus genau diesem Grund sind unternehmerische Selbstverpflichtungen immer mit großer Vorsicht zu betrachten. Was tun Sie aktuell, damit ihre Netto-Null-Ziele bis 2050 nicht irgendwann abgeschwächt werden?

Vielen Dank.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.kritischeaktionaere.de/commerzbank/die-commerzbank-darf-den-ausbau-fossiler-energien-nicht-mitfinanzieren-rede-von-kathrin-petz-urgewald/