Deutsche Bank AG Hauptversammlung 2026

Ohnehin schwache Richtlinien noch weiter abgeschwächt: Unsere Gegenanträge

Zu Tagesordnungspunkt 3: Entlastung der Mitglieder des Vorstands für das Geschäftsjahr 2025

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, den Mitgliedern des Vorstands die Entlastung zu verweigern.

Begründung:

Der Vorstand der Deutschen Bank AG wird seinem eigenen Bekenntnis zur Einhaltung internationaler Klimaziele und Sustainable Finance nicht gerecht. Im Gegenteil: Die Deutsche Bank finanziert die Zerstörung von Bergen, Meeren und Klima.

Kein konsequenter Ausschluss von Mountaintop Removal

Die Deutsche Bank hat sich im Mai 2025 an der Ausgabe einer Anleihe für den Schweizer Bergbaukonzern Glencore beteiligt.[1] Einem Unternehmen, das seit Jahren an den verschiedensten Orten der Erde zeigt, dass es sich weder für Klima-, noch für Umwelt oder den Schutz von Menschenrechten interessiert.

Im Elk Valley in British Columbia besitzt Glencore mehrere Kohleminen, in der die Kohle auf die gröbste und umweltschädlichste Art gewonnen wird. Die Berge, in denen die Kohle lagert, werden einfach abgetragen. Man nennt dieses Verfahren Mountaintop Removal (MTR): Ein international geächtetes Bergbauverfahren, das inzwischen von den meisten Finanzinstitutionen ausgeschlossen wird. So auch von der Deutschen Bank, aber nur auf dem Papier. Glencore plant sogar eine neue Mine.

In den Flüssen der betroffenen Region leben Fische mit deformierten Schädeln und gekrümmten Wirbelsäulen, was auf erhöhte Selenwerte zurückzuführen ist. Durch den MTR-Bergbau kann Selen in schädlichen Konzentrationen in die Gewässer gelangen, wo es sich im Laufe der Zeit in der Nahrungskette anreichert. 2025 wurden Selenwerte gemessen, die dem 30-fachen der lokalen Vorgabe entsprachen.[2] 

Die Deutsche Bank finanziert fossilen Ausbau in Argentinien

Die Deutsche Bank hat 2025 die Vaca Muerta-Sur-Ölpipeline in Argentinien mitfinanziert. Die Pipeline verbindet Vaca Muerta, eines der größten Fracking-Gebiete der Welt, mit dem Golf von San Matías und schafft damit die Voraussetzung für einen massiven Ausbau der Fracking-Aktivitäten vor Ort.

Die Bucht, bislang ein einzigartiger Lebensraum für Wale, Delfine und Pinguine, soll zum Zentrum des argentinischen Öl- und Gasexports werden. Laut argentinischer Presse verhandelt die Deutsche Bank nun zudem mit den beteiligten Unternehmen über die Finanzierung weiterer LNG-Infrastruktur im Golf von San Matías.[3]

Die Entwicklung dieser neuen fossilen Vorgaben widerspricht den Vorgaben der Internationalen Energie Agentur (IEA) und dem Pariser Klimaabkommen.[4] An vielen Stellen rühmt sich die Deutsche Bank für ihren Einsatz zum Schutz der Ozeane. Auf ihrer Homepage schreibt die Deutsche Bank z.B. „Wir engagieren uns für den Schutz der Ozeane und eine nachhaltige Blue Economy.“[5]

Der Ausbau fossiler Infrastruktur in sensiblen Ökosysteme hat nichts mit dem Schutz von Ozeanen zu tun. Wenn die Deutsche Bank ihre eigenen Worte ernst nimmt und zu ihrer Verantwortung steht, muss sie jegliche Finanzierung für weitere Öl- und Gasinfrastruktur in Argentinien beenden.

Die Deutsche Bank finanziert die Klimakrise

Die Deutsche Bank hat nach wie vor keine ausreichenden Ausschlusskriterien für Geschäftstätigkeiten mit fossilen Konzernen, die ihr Geschäftsmodell nicht an wissenschaftlichen Erkenntnissen und internationalen Abkommen ausrichten.

Öl und Gas: Kaum Einschränkungen 

Die Richtlinie für den Öl- und Gassektor der Deutschen Bank schließt lediglich einige Projektfinanzierungen mit spezifischen Vorgaben aus. Unternehmen, die genau diese Projekte vorantreiben, werden hingegen nicht ausgeschlossen. Dass es auch anders geht zeigen andere Banken: die niederländische ING Bank schließt Projektfinanzierungen für neue Öl und Gasfelder aus, sowie Projekte aus dem Midstream-Bereich, die die Entwicklung neuer Öl- und Gasfelder bedingen. Ab diesem Jahr fallen auch LNG-Export-Terminals unter den Ausschluss. BNP Paribas beteiligt sie sich nicht mehr an der Ausgabe von Anleihen, die an der Öl- und Gasexploration und Produktion beteiligt sind.

Kohle: Ohnehin schwache Richtlinie noch weiter abgeschwächt

Bisher hat die Deutsche Bank von Bestandskunden erwartet, dass ihr Umsatzanteil im Kraftwerkskohlesektor bis Ende 2025 unter 50 Prozent liegen muss. Diese Zielvorgabe wird nun um zwei Jahre auf Ende 2027 verschoben. Dies ist eine klimaschädliche und unnötige Abschwächung.[6]

Zu Tagesordnungspunkt 4: Entlastung der Mitglieder des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2025

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, den Mitgliedern des Aufsichtsrats die Entlastung zu verweigern.

Begründung:

Der Aufsichtsrat ist seiner Aufgabe als Kontrollorgan des Vorstands nicht hinreichend nachgekommen. Er hat akzeptiert, dass die Deutsche Bank kurzfristig ihre eigenen Klimaschutzrichtlinien aufweicht und damit das Vertrauen in Nachhaltigkeits-, ESG- und Sustainable-Finance-Ankündigungen der Bank untergräbt.

Abschwächung der Kohlerichtlinie

Besonders kritisch ist die jüngste Abschwächung der Kohlerichtlinie der Deutschen Bank. Die Frist, ab der bestehende Kunden mit hohem Anteil an Kraftwerkskohle-Umsätzen ausgeschlossen werden sollten, wurde um zwei Jahre verschoben. Damit ermöglicht die Bank weiteren Kohleunternehmen den Zugang zu Finanzierungen und verzögert den dringend notwendigen Ausstieg aus klimaschädlichen Geschäftsmodellen.

Die Deutsche Bank beteiligt sich zudem an der Herausgabe neuer Anleihen, Aktien und Kredite für Unternehmen wie Venture Global und Energy Transfer, die den Ausbau fossiler Infrastruktur massiv vorantreiben.[7] Deren Geschäftsmodelle sind nicht nur klimaschädlich, sondern werfen auch demokratiepolitische Fragen auf. Energy Transfer verklagte Greenpeace USA, während die Geschäftsführer von Venture Global als enge Unterstützer Donald Trumps gelten.

Mangelnde Transparenz bei Plastik- und Petrochemieunternehmen

Auch im Bereich Plastik- und Petrochemie fehlt es an Transparenz und verbindlichen Anforderungen. Trotz der bekannten ökologischen und klimatischen Schäden bleibt unklar, ob und in welchem Umfang die Deutsche Bank Engagement-Prozesse mit entsprechenden Unternehmen führt und welche konkreten Forderungen sie an ihre Firmenkunden stellt.

Ausbau der Finanzierung der Rüstungsindustrie

Die Deutsche Bank baut ihr Engagement im Rüstungssektor weiter aus, unter anderem durch eine interne Arbeitsgruppe zur Finanzierung der Branche sowie die Unterstützung der geplanten Defence, Security, Resilience Bank (DSRB). Damit wächst das Risiko, dass die Bank verstärkt Unternehmen finanziert, die nicht nur europäische Streitkräfte beliefern, sondern auch Waffenexporte in Konflikt- und Kriegsgebiete unterstützen. Transparenz über Umfang und Entwicklung dieser Finanzierungen fehlt bislang.

Fehlende Zweckbindung bei Rüstungsfinanzierungen

Die Deutsche Bank begründet ihre verstärkte Finanzierung von Rüstungsunternehmen mit der Unterstützung der europäischen Verteidigung. Tatsächlich vergibt sie jedoch vielfach allgemeine Firmenkredite ohne Zweckbindung. Dadurch können dieselben Finanzierungen sowohl europäische Armeen als auch Waffenlieferungen in Konflikte und Kriege wie Gaza, Sudan, Libyen, Myanmar oder Jemen unterstützen. Die Bank verzichtet damit bewusst auf wirksame Kontrolle über die tatsächliche Mittelverwendung.

Epstein-Skandal: Fehlende Transparenz und unzureichende personelle Konsequenzen

Der Umgang der Deutschen Bank mit dem Fall Jeffrey Epstein wirft weiterhin schwerwiegende Fragen zu Compliance, Risikomanagement und Transparenz auf. Trotz zahlreicher Hinweise auf Epsteins kriminelle Aktivitäten führte die Bank über Jahre Geschäftsbeziehungen mit ihm und wickelte Transaktionen ab, die mutmaßlich mit Menschenhandel in Zusammenhang standen. Bis heute fehlt vollständige Transparenz über diese Zahlungen.

Auch die personellen Konsequenzen bleiben unzureichend aufgearbeitet. Bislang ist nicht transparent, welche Führungskräfte oder Beschäftigte wegen ihrer Verantwortung oder Versäumnisse sanktioniert oder entlassen wurden. Ebenso bleibt offen, welche konkreten Änderungen die Deutsche Bank infolge des Skandals an ihren Compliance- und Due-Diligence-Prozessen vorgenommen hat, insbesondere im Umgang mit Hochrisikokunden.

Zusätzliche Fragen wirft die Berichterstattung über den Epstein-Geschäftspartner David Stern auf, der dem Vernehmen nach Pläne zum Kauf der Deutschen Bank verfolgt haben soll. In diesem Zusammenhang steht auch die mögliche Beteiligung des ehemaligen Deutsche-Bank-Finanzvorstands Stefan Krause im Raum.

Neue Ermittlungen wegen möglicher Geldwäscheverstöße

Zusätzlich belasten neue Ermittlungen wegen möglicher Geldwäscheverstöße die Deutsche Bank. Anfang 2026 durchsuchten Ermittler von Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt Standorte der Bank wegen des Verdachts verspäteter Geldwäsche-Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit Geschäftsbeziehungen aus dem Umfeld des russischen Oligarchen Roman Abramovich. Die erneuten Ermittlungen zeigen, dass die Deutsche Bank trotz jahrelanger Skandale und Reformversprechen weiterhin mit schwerwiegenden Vorwürfen im Bereich Geldwäscheprävention und Compliance konfrontiert ist.


[1] https://cbonds.de/news/3423379/

[2] https://wildsight.ca/2026/03/25/request-for-frx-review/

[3] https://www.shale24.com/en/oil-and-gas/argentina-lng-ypf-advances-banking-round-with-deutsche-bank-citibank-two-japanese-lenders-and-meetings-with-banco-santander-during-argentina-week-n742

[4] https://www.iea.org/reports/net-zero-roadmap-a-global-pathway-to-keep-the-15-c-goal-in-reach/executive-summary

[5] https://www.db.com/news/detail/20211105-deutsche-bank-launches-new-ocean-resilience-philanthropy-fund?language_id=3

[6] https://www.db.com/files/documents/csr/sustainability/Deutsche-Bank-Zusammenfassung-ESDD-DE.pdf?language_id=3

[7] https://cbonds.com/news/3474437/ und https://cbonds.com/news/3275839/

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