Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat,
mein Name ist Tilman Massa, ich spreche für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Mit den uns übertragenen Stimmrechten fordern wir von der Deutschen Bank deutliche effektivere Maßnahmen für den Schutz von Umwelt und Menschenrechten ein.
Wir können weiterhin nicht erkennen, dass Sie wirksame Maßnahmen und nachvollziehbare Kriterien für nachhaltige Investitionen vorantreiben. Stattdessen machen Sie eine Rolle rückwärts und schwächen Ihre Richtlinien sogar noch ab. Wir können auch dieses Jahr den Vorstand daher nicht entlasten. Wir haben entsprechende Gegenanträge eingereicht, die ich hiermit auf formal stelle.
Abschwächung der Kohlerichtlinie
Besonders kritisch ist die jüngste Abschwächung der Kohlerichtlinie der Deutschen Bank. Die Frist, ab der bestehende Kunden mit hohem Anteil an Kraftwerkskohle-Umsätzen ausgeschlossen werden sollten, wurde um zwei Jahre verschoben. Damit ermöglicht die Bank weiteren Kohleunternehmen den Zugang zu Finanzierungen und verzögert den dringend notwendigen Ausstieg aus klimaschädlichen Geschäftsmodellen.
Die Deutsche Bank beteiligt sich zudem an der Herausgabe neuer Anleihen, Aktien und Kredite für Unternehmen wie Venture Global und Energy Transfer, die den Ausbau fossiler Infrastruktur massiv vorantreiben. Deren Geschäftsmodelle sind nicht nur klimaschädlich, sondern werfen auch demokratiepolitische Fragen auf. Energy Transfer verklagte Greenpeace USA, während die Geschäftsführer von Venture Global als enge Unterstützer Donald Trumps gelten.
Mangelnde Transparenz bei Plastik- und Petrochemieunternehmen
Auch im Bereich Plastik- und Petrochemie fehlt es an Transparenz und verbindlichen Anforderungen. Trotz der bekannten ökologischen und klimatischen Schäden bleibt unklar, ob und in welchem Umfang die Deutsche Bank Engagement-Prozesse mit entsprechenden Unternehmen führt und welche konkreten Forderungen sie an ihre Firmenkunden stellt.
Ausbau der Finanzierung der Rüstungsindustrie
Die Deutsche Bank baut ihr Engagement im Rüstungssektor weiter aus, unter anderem durch eine interne Arbeitsgruppe zur Finanzierung der Branche sowie die Unterstützung der geplanten Defence, Security, Resilience Bank (DSRB). Damit wächst das Risiko, dass die Bank verstärkt Unternehmen finanziert, die nicht nur europäische Streitkräfte beliefern, sondern auch Waffenexporte in Konflikt- und Kriegsgebiete unterstützen. Transparenz über Umfang und Entwicklung dieser Finanzierungen fehlt bislang.
Fehlende Zweckbindung bei Rüstungsfinanzierungen
Die Deutsche Bank begründet ihre verstärkte Finanzierung von Rüstungsunternehmen mit der Unterstützung der europäischen Verteidigung. Tatsächlich vergibt sie jedoch vielfach allgemeine Firmenkredite ohne Zweckbindung. Dadurch können dieselben Finanzierungen sowohl europäische Armeen als auch Waffenlieferungen in Konflikte und Kriege wie Gaza, Sudan, Libyen, Myanmar oder Jemen unterstützen. Die Bank verzichtet damit bewusst auf wirksame Kontrolle über die tatsächliche Mittelverwendung.
Epstein-Skandal: Fehlende Transparenz und unzureichende personelle Konsequenzen
Der Umgang der Deutschen Bank mit dem Fall Jeffrey Epstein wirft weiterhin schwerwiegende Fragen zu Compliance, Risikomanagement und Transparenz auf. Trotz zahlreicher Hinweise auf Epsteins kriminelle Aktivitäten führte die Bank über Jahre Geschäftsbeziehungen mit ihm und wickelte Transaktionen ab, die mutmaßlich mit Menschenhandel in Zusammenhang standen. Bis heute fehlt vollständige Transparenz über diese Zahlungen.
Auch die personellen Konsequenzen bleiben unzureichend aufgearbeitet. Bislang ist nicht transparent, welche Führungskräfte oder Beschäftigte wegen ihrer Verantwortung oder Versäumnisse sanktioniert oder entlassen wurden. Ebenso bleibt offen, welche konkreten Änderungen die Deutsche Bank infolge des Skandals an ihren Compliance- und Due-Diligence-Prozessen vorgenommen hat, insbesondere im Umgang mit Hochrisikokunden.
Zusätzliche Fragen wirft die Berichterstattung über den Epstein-Geschäftspartner David Stern auf, der dem Vernehmen nach Pläne zum Kauf der Deutschen Bank verfolgt haben soll. In diesem Zusammenhang steht auch die mögliche Beteiligung des ehemaligen Deutsche-Bank-Finanzvorstands Stefan Krause im Raum.
Neue Ermittlungen wegen möglicher Geldwäscheverstöße
Zusätzlich belasten neue Ermittlungen wegen möglicher Geldwäscheverstöße die Deutsche Bank. Anfang 2026 durchsuchten Ermittler von Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt Standorte der Bank wegen des Verdachts verspäteter Geldwäsche-Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit Geschäftsbeziehungen aus dem Umfeld des russischen Oligarchen Roman Abramovich. Die erneuten Ermittlungen zeigen, dass die Deutsche Bank trotz jahrelanger Skandale und Reformversprechen weiterhin mit schwerwiegenden Vorwürfen im Bereich Geldwäscheprävention und Compliance konfrontiert ist.
Vor allem möchte Ich Ihnen daher Fragen zu Ihren Richtlinien stellen, zusammen mit unseren Partnerorganisationen Facing Finance und ShareAction.
Fragen von Facing Finance:
- Die Deutsche Bank hat eine neue Arbeitsgruppe gegründet, die sich auf die Finanzierung der Rüstungsindustrie fokussiert. Und die Deutsche Bank unterstützt die Gründung der DSRB (Defence, Security, Resilience Bank). Wie wirkt sich dieser Fokus auf die Rüstungsindustrie auf das Kreditportfolio der Deutsche Bank aus? Wie groß ist der aktuelle Gesamtumfang aller ausstehenden Kredite an Unternehmen aus dem Rüstungs- und Verteidigungsbereich? Wie hat sich der Umfang in den letzten Jahren entwickelt? Bitte listen Sie auf, wie hoch die Kreditsumme an Unternehmen aus dem Bereich Rüstung, Sicherheit und Verteidigung je war in den Jahren 2021, 2022, 2023, 2024 und 2025.
- Die Deutsche Bank sagt, dass sie die europäische Rüstungsindustrie finanziert, um die Verteidigung Europas zu unterstützen. Allerdings vergibt die Deutsche Bank allgemeine Firmenkredite an Rüstungsfirmen, die sowohl die europäischen Sicherheitskräfte ausrüsten, als auch Waffen in völkerrechtswidrige Kriege in Sudan, Gaza, Libyen, Myanmar und Jemen liefern. Die allgemeinen Firmenkredite der Deutsche Bank können also sowohl Rüstungsgüter für europäische Armeen als auch für Angriffskriege und Kriegsverbrechen finanzieren. Bei allgemeinen Firmenkrediten hat die Deutsche Bank darauf keinen Einfluss. Wenn das Ziel die Unterstützung der europäischen Verteidigung ist, warum werden an Rüstungsfirmen dann nicht ausschließlich zweckgebundene Kredite zur Ausstattung der EU-Armeen vergeben statt allgemeine Firmenkredite? Was hält die Deutsche Bank von der Idee der Defense Bonds, bei denen die Use of Proceeds an die Produktion für die Ausstattung der EU-Armeen gebunden sind?
- Gibt es aktuelle Engagement-Prozesse (Shareholder Engagement oder Firmenkunden) mit Plastik- oder Petrochemiefirmen? Falls ja, mit wie vielen Firmen? Zu welchen Themen? Welche Forderungen stellt die Deutsche Bank dabei?
- Die Deutsche Bank hat kürzlich ihre Kohlerichtlinie geändert und die Deadline, ab der bestehende Firmenkunden nicht mehr als 50% Umsatz aus Kraftwerkskohle machen dürfen, um zwei Jahre nach hinten verschoben. Auf wie viele bestehende Firmenkunden hat diese Änderung Einfluss? Also wie viele bestehende Firmenkunden hätten jetzt ausgeschlossen werden müssen wenn die Kohlerichtlinie nicht kürzlich geändert worden wäre? In welchen Ländern sitzen diese betroffenen Firmen?
- Jeffrey Epstein hatte eine ganze Reihe an Bankkonten bei der Deutsche Bank und hat über diese wohl auch Zahlungen abgewickelt, die im Zusammenhang mit seinem Menschenhandel standen, z.B. Zahlungen an „Models“. Plant die Deutsche Bank, vollkommene Transparenz zu zeigen und alle Finanztransaktionen, die über Bankkonten von Epstein liefen, offenzulegen?
- Welche personellen Konsequenzen hat die Deutsche Bank aus dem Epstein-Skandal gezogen? Also welche Mitarbeiter und Manager der Deutsche Bank wurden wegen ihrer Rolle im Epstein-Skandal entlassen? Bitte listen sie alle Namen auf mit der jeweiligen Position innerhalb der Deutsche Bank im Moment der Entlassung.
- Welche internen Compliance Konsequenzen hat die Deutsche Bank aus dem Epstein-Skandal gezogen? Wurde die Due Diligence von Hochrisikopersonen wie ultra high net worth individuals und politically exposed persons geändert? Wenn ja, wie genau?
- War der Deutsche Bank bereits vor der öffentlichen Berichterstattung dazu bekannt, dass der Epstein-Geschäftspartner David Stern vor einigen Jahren plante, die Deutsche Bank zu kaufen? War der Deutsche Bank bekannt, dass der ehemalige Deutsche Bank-Finanzvorstand Stefan Krause beteiligt war an den Überlegungen von David Stern bezüglich eines Kaufes der Deutsche Bank? Ist die Deutsche Bank in Kontakt getreten mit ihrem ehemaligen Finanzvorstand Stefan Krause zu diesem Vorfall?
Fragen von ShareAction:
Ich stelle diese Frage im Namen von ShareAction. Im jüngsten Benchmark von ShareAction zur Bewertung der Umwelt- und Sozialleistungen großer europäischer Banken belegt die Deutsche Bank insgesamt Rang 24 und liegt damit auf dem vorletzten Platz der bewerteten Institute. Seitdem haben wir Herrn Sewing mit maßgeschneiderten Empfehlungen angeschrieben, wie die Bank ihre Leistung verbessern könnte. Bislang gab es jedoch nur begrenzten konstruktiven Austausch seitens der Bank zu unseren Anliegen.
Der Benchmark zeigt, dass die Deutsche Bank im untersuchten Zeitraum der vergangenen drei Jahre das vierthöchste Verhältnis von Finanzierungen für fossile Brennstoffe zu den Gesamtaktiva im Vergleichsfeld aufweist – nämlich 0,44 %. Dies deutet im Vergleich zu Wettbewerbern auf ein vergleichsweise hohes Risikoexposure hin. Der Deutschen Bank fehlt eine Richtlinie, die Finanzierungen neuer Öl- und Gasprojekte oder von Unternehmen ausschließt, die ihre Aktivitäten in diesem Sektor ausweiten. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Energiewende eine strategische Umlenkung von Kapital erfordert, steht die fortgesetzte Finanzierung der fossilen Wirtschaft durch die Deutsche Bank im Widerspruch zu dieser Entwicklung und erhöht sowohl Reputations- als auch langfristige Finanzrisiken.
13 europäische Banken haben Beschränkungen für Unternehmensfinanzierungen von Öl- und Gasunternehmen eingeführt, die ihre Förderung ausweiten. Unsere Analyse zeigt, dass Banken mit strengeren Richtlinien zu fossilen Brennstoffen im Verhältnis zu ihren Gesamtaktiva durchschnittlich weniger Finanzierungen für fossile Energien bereitstellen. So belegt die Deutsche Bank bei den Richtlinien zu fossilen Brennstoffen Rang 24 und weist zugleich die vierthöchste Finanzierungsquote für fossile Energien auf, während La Banque Postale auf Platz eins liegt und die niedrigste Quote hat.
Da die Deutsche Bank in ihrem jüngsten Geschäftsbericht hervorgehoben hat, dass „Nachhaltigkeit sowie das Management klima- und naturbezogener Risiken hohe Priorität behalten“, möchten wir wissen, wie die Bank ihre Klimarichtlinien und Selbstverpflichtungen stärken will, um sicherzustellen, dass sie ihre Ressourcen auf den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ausrichtet. Konkret fragt ShareAction, ob die Deutsche Bank:
- die direkte Finanzierung neuer Öl- und Gasprojekte sowie neuer Pipelines, Verflüssigungsanlagen und Regasifizierungsinfrastruktur ausschließen wird?
- einen Plan vorlegen wird, um Beschränkungen für Unternehmen einzuführen, die ihre Öl- und Gasaktivitäten ausweiten?
ShareAction hofft, zeitnah einen Termin im Juni für ein Gespräch mit Ihrem Nachhaltigkeitsteam vereinbaren zu können. Bis dahin wird Ihre Antwort auf diese Frage maßgeblich bestimmen, welche Schwerpunkte ShareAction in diesem Dialog setzen wird.
Fragen zum sog. „Debanking“, Compliance und politischer Einflussnahme
- Welche konzernweiten Richtlinien und Kriterien gelten bei der Deutsche Bank für die Kündigung oder Einschränkung von Konten von NGOs, Medienprojekten, Vereinen oder politischen Initiativen – insbesondere im Spannungsfeld zwischen Geldwäscheprävention, Compliance, Sanktionsvorgaben, Reputationsrisiken und politischer Neutralität?
- Verfügt die Deutsche Bank über interne Einstufungen für Kund:innen mit erhöhtem „politischem“, „aktivistischem“ oder „reputativem“ Risiko? Welche Rolle spielen dabei externe Erwartungen oder Einflüsse von Aufsichtsbehörden, Korrespondenzbanken, internationalen Finanzpartnern oder ausländischen Regierungen?
- Wie stellt der Vorstand sicher, dass Entscheidungen über Kontokündigungen oder Leistungseinschränkungen nicht mittelbar die Vereinigungs-, Meinungs- oder Pressefreiheit beeinträchtigen und gesetzlich zulässige politische Betätigung kein faktisches Ausschlusskriterium für Bankdienstleistungen wird?
- Welche Transparenz-, Kontroll- und Beschwerdemechanismen bestehen für Betroffene, die Kontokündigungen oder Einschränkungen als politisch motiviert oder unverhältnismäßig ansehen?
- Wie bewertet der Vorstand die demokratischen Risiken sogenannter „Debanking“-Praktiken, und setzt sich die Deutsche Bank für klarere rechtsstaatliche Standards und nachvollziehbare Verfahren bei Kontokündigungen ein?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.







