DWS Group Hauptversammlung 2026

„Die DWS ist Teil des ESG-Backlashs und nicht sein ‚Opfer'“: Rede von urgewald

Sehr geehrter Vorstand, sehr geehrter Aufsichtsrat und sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

ich spreche für die Umwelt. Und Menschenrechtsorganisation urgewald.

Es gab mal eine Zeit, da galt innerhalb der DWS angeblich der Grundsatz „ESG ist ein fester Bestandteil unserer DNA“.

Doch was ist daraus geworden?

Unter anderem auf jeden Fall eine Bußgeldzahlung von 25 Millionen Euro, die 2025, dem Jahr, das wir hier entlasten sollen, von der Staatsanwaltschaft Frankfurt verhängt wurde. Die DWS hatte bei nachhaltigen Finanzprodukten eben leider „keine marktführende Position“, wie sie ihren Kund*innen und Aktionär*innen weiß machen wollte.

Dies klingt hämisch – aber im Grunde sind wir eher enttäuscht. Die Einführung der Richtlinie für thermische Kohle haben wir seinerzeit begrüßt und darauf gehofft, dass die DWS sehr bald mit einer Öl- und Gasrichtlinie nachziehen würde.

Aber jetzt haben Sie, Herr Hoops, Menschenrechts- und Klimafragen mit keinem Wort erwähnt. Zwar erwartet die DWS von ihren Portfoliounternehmen, „sich zu einem langfristigen Netto-Null-Pfad zu verpflichten und glaubhafte mittel- und langfristige Reduktionsziele für Scope 1, 2 und 3-Emissionen zu formulieren“. Doch das reicht nicht!

Mit ihren Investitionen in Unternehmen entscheiden Sie darüber welche Geschäftsmodelle über unser Zukunft entscheiden. Sie haben einen Einfluss darüber, was und was nicht in der Zukunft passieren wird. Bei einer globalen Herausforderung wie der Klimakrise ist es immer verlockend die eigene Verantwortung von sich zu weisen. Sich hinter anderen zu verstecken oder Transformation zu sehen, wo keine ist.

Lieber Vorstand, lieber Aufsichtsrat, Sie können jetzt mit entscheiden, wie schlimm die Klimakrise sein wird, wie viele Hitzetote es in Zukunft gibt, wie viele Menschen aufgrund von Extremwettereignisse ihr zu Hause verlieren oder ihre Heimat verlassen müssen. Gerade vergangene Woche waren es 38 Grad Celcius in Spanien. In Frankreich hat es durch die Hitze sieben Tote gegeben.

Der entscheidende Schritt ist nicht kompliziert, sondern bedeutet Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen einzustellen, die immer noch neue fossile Quellen erschließen.

Gucken wir auf ihre aktuellen Investitionen wird klar: die DWS ist eher Teil des ESG-Backlashs und nicht sein „Opfer“: Nach Zahlen, die urgewald in Auftrag gegeben hat und die Ende Juni veröffentlicht werden, summieren sich die Investitionen der DWS in die sechs großen Öl- und Gaskonzerne TotalEnergies, ExxonMobil, Chevron, Shell, BP und Eni zum Anfang dieses Jahres auf gut 6,8 Mrd. US Dollar.

Gemeinsam haben diese Unternehmen, dass sie nicht auf einem langfristigen Netto-Null-Pfad sind. Ganz im Gegenteil, sie bauen massive Überkapazitäten von neuen Öl- und Gasressourcen auf.

Doch die heutige Erschließung neuer fossiler Quellen missachtet internationale Abkommen, ignoriert die Wissenschaft und für diejenigen, die nicht von den ersten beiden Argumenten überzeugt sind, sie sind ein enormes ökonomisches Risiko.

Über die Investitionen in die oben genannten Unternehmen ist die DWS an 57 fossilen Großprojekten beteiligt, die, wenn sie vollständig erschlossen und genutzt werden, zusammen 220 Giga-Tonnen an CO2-Emissionen freisetzen könnten. Sogenannte Carbon Bombs. Zwei dieser Carbon Bombs sind besonders verheerend: Vaca Muerta in Argentinien und das Permian Basin in den USA. Zwei große Öl- und Gas- Fracking Gebiete.

Außerdem scheint die DWS ein großer Fan von dem Unternehmen TotalEnergies zu sein. Nach unseren Berechnungen machen die Investitionen der DWS in die Aktien von TotalEnergies im Wert von fast 2,5 Milliarden USD 1,17 Prozent aus! Die DWS ist insgesamt der 5. größte Investor von TotalEnergies weltweit (und der größte in Deutschland).

Die DWS sollte also einen erheblichen Einfluss auf TotalEnergies haben. Was macht den Konzern für sie so attraktiv? Total Energies gehört zu den am aggressivsten expandierenden Öl- und Gasunternehmen der Welt. Bei der Erschließung neuer Öl- und Gasfelder durch private Unternehmen liegt der Konzern global auf dem zweiten Platz. Selbst im Vergleich mit den anderen Ölmajors verfolgt TotalEnergies mit Abstand die größten kurzfristigen Expansionspläne sowohl in autoritären Staaten als auch in Staaten mit hohen geschäftlichen Risiken.

Zentrale Projekte von TotalEnergies wie Mozambique LNG und das Ölpipelineprojekt EACOP in Uganda stehen im Zusammenhang mit schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen und Vertreibungen. So gab es bei Mozambique LNG Ende 2025 eine Strafanzeige in Frankreich gegen TotalEnergies wegen der mutmaßlichen Beihilfe zu Kriegsverbrechen.

Außerdem hat TotalEnergies sein am 1,5-Grad-Limit ausgerichtetes Netto-Null- Ziel ganz offiziell aufgegeben. Doch damit nicht genug: Im Frühjahr 2026 schloss TotalEnergies einen Deal mit der Trump-Regierung – gegen eine Milliarde US-Dollar zieht sich das Unternehmen aus Offshore- Windprojekten zurück und investiert stattdessen weiter in Öl und Gas. Das ist keine Transformation!

Hierzu unsere Fragen:

• Haben Sie im Austausch mit TotalEnergies, der 2025 stattgefunden hat, die Carbon Bombs wie Vaca Muerta, die Abkehr von Klimazielen und die Menschenrechtsverletzungen rund um Mosambik LNG thematisiert? Falls ja, sehen sie irgendwelche Fortschritte durch ihr Engagement?

Antwort Vorstand DWS: „Wir standen im Jahr 2025 mit Total Energies im direkten Austausch. Unter anderem zu menschenrechts- und klimabezogenen Themen. Weitere Informationen zu unseren Engagement-Aktivitäten können Sie bitte unseren Stewardship-Report 2025 entnehmen, der auf unserer Webseite verfügbar ist. Darüber hinaus äußern wir uns nicht zu den Details unserer Engagement-Aktivitäten.“

• Unterstützen Sie weiterhin, wie auf der letzten AGM geäußert, eine Forderung nach einer international unabhängigen Untersuchung der Menschenrechtsvorwürfe bei Mozambique LNG?

Antwort Vorstand DWS: „Wir begrüßen weiterhin eine Untersuchung die größere Transparenz schafft und der Aufklärung dienen kann.“

• Wie rechtfertigt die DWS, dass sie in den letzten zwei Jahren neue Anleihen von TotalEnergies gekauft hat? Geld aus neuen Anleihen stehen TotalEnergies auch für neue fossile Expansionsprojekte zur Verfügung.

Antwort Vorstand DWS: „Haben Sie bitte Verständnis dafür das wir uns zu einzelnen Titeln nicht äußern. Zudem ist es wichtig anzuerkennen das unsere Kinden und unsere Produkte unterschiedliche Anlage-Ziele verfolgen. Diese können spezifische Nachhaltigkeitsziele beinhalten, dem muss aber nicht so sein, daher bieten wir Produkte mit unterschiedlichen Anlagestrategien und Ausschlusskriterien an, die die verschiedenen Interessen unserer Kunden wieder spiegeln. Einzelheiten zu den jeweils angewendeten Ausschlusskriterien entnehmen sie bitte den produktspezifischen Anlagepolitiken.“

• Was müsste passieren, damit die DWS einen fossilen Konzern nicht weiter finanziert bzw. dessen neue fossile Anleihen kauft? Bitte nennen Sie konkrete Beispiele, ab wann Ihrem Engagement ein Divestment- Schritt folgt.

Antwort Vorstand DWS: „Als Vermögensverwalter treffen wir Investitionsentscheidungen grundsätzlich im Einklang mit den jeweiligen Anlagezielen und Vorgaben unserer Kunden, sowie auf Basis der produktspezifischen Anlage- Politiken. Vor diesem Hintergrund können wir keine pauschale Aussage treffen. Zudem berücksichtigen wir finanzielle materiell Risiken, inklusive Nachhaltigkeitsrisiken in unseren aktiven Anlageentscheidungen. Kauf und Verkaufsentscheidungen im Portfolio-Management erfolgen auf Grundlage der erwarteten Risikoadjustierten Rendite. Informationen aus unseren Engagements können in diese Entscheidung reinfließen. Unsere Eskalationsmaßnahmen sind in unseren Steward-Ship-Statement zusammengefasst und über konkrete Eskalationen berichten wir in unserem jährlichen Stewardship-Report … Beide Dokumente können sie auf unserer Webseite finden, darüber hinaus äußern wir uns nicht zu den Details unserer Engagement Aktivitäten.“

• Die DWS berichtet in ihrem „Engagement-Bericht“ für 2025 von den Themen, die im Austausch mit den Konzernen angesprochen wurden. 2025 hat die DWS mit BP, Chevron, Shell und TotalEnergies z.B. zu ihren Net Zero-Ziele gesprochen. Wo sehen Sie die Konzerne auf den Weg zu Net-Zero? Sprechen Sie dabei die fossile Expansion kritisch an?

Antwort Vorstand DWS: „Wir betrachten fossile Expansion aus einer Risikoperspektive und im Kontext der Gesamtstrategie des Unternehmens. Dabei berücksichtigen wir insbesondere das der Ausbau fossiler Infrastruktur zu langfristigen Transaktions-Risiken führen könnten. Entscheidend ist für uns wie solche Investitionen in die Gesamtstrategie, die Nachfrageszenarien und die Übergangspläne des Unternehmens eingebettet sind. Diese Aspekte adressieren wir auch im Dialog mit Unternehmen, insbesondere mit Blick auf Annahmen zur künftigen Nachfrage und die strategische Ausrichtung im Übergang zur CO2 ärmeren Energiesystem. Details zur unseren Engagement Aktivitäten mit einzelnen Unternehmen finden die im Stewardship-Report der DWS Investment GmbH. Bitte haben sie Verständnis das wir uns zu weiterführenden Einzelheiten nicht äußern.“

• Wie sehen Ihre Reduktionsziele im Rahmen der NZAM-Initiative bis 2030 jetzt aus und was bedeutet „den Umfang anpassen“ genau? Im Vergleich zu 2024 sind die Investitionen der DWS in fossile Konzerne nicht zurückgegangen, was aber mit einer Klimastrategie zu erwarten wäre. Wann werden Sie eine Öl- und Gasrichtlinie verabschieden, die Ihrer Verantwortung als Investor für den Klimaschutz gerecht wird? Planen Sie, fossile Expansion, sei es upstream oder midstream, als Ausschlusskriterium für sämtliche Ihrer Fondsprodukte zu definieren, unabhängig von der finalen Ausgestaltung der sogenannten SFDR 2.0? Wenn ja, wann? Wenn nein, warum nicht? Werden Sie Abstand nehmen von der Zeichnung neu emittierter Anleihen von Öl- und Gaskonzernen, die weiter im fossilen Bereich expandieren?

ExxonMobil scheint unter den sechs Ölmajors ein Sonderfall zu sein: In dem schon angesprochenen Bericht über die Engagement-Bemühungen der DWS ist nichts mehr zu Exxon verzeichnet. – Befanden Sie sich 2025 mit ExxonMobil im Austausch? Wenn ja: Welche Themen waren Gegenstand dieses Austauschs und warum steht dazu nichts in dem Engagement-Bericht? Wenn nein: warum haben Sie Ihren Zugang zu Exxon, der Ihnen aus Investitionen in Exxon-Aktien im Wert von 1,5 Milliarden USD erwächst, ungenutzt verstreichen lassen? Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dem dann offenbar gescheiterten Dialog mit Exxon für Ihre Investitionen?

Antwort Vorstand DWS: „Wir haben den Dialog mit US-Unternehmen im Jahr 2025 zeitweise ausgesetzt. Dies hat dazu geführt das einzelne geplante Engagement unter anderem mit Exxon Mobil nicht wie vorgesehen durchgeführt werden konnten.“

– Was halten Sie für die wichtigsten Ergebnisse beim Klimaschutz, die aus dem Austausch mit den Konzernen entstanden sind? Bitte berücksichtigen Sie bei Ihrer Antwort auf diese Frage auch die Antworten, die Ihnen z.B. TotalEnergies und Shell auf Ihre eigenen Fragen bezüglich ihrer Expansion bzw. Abkehr von Reduktionszielen gegeben haben. – Bei wie vielen Unternehmen haben Sie den Dialog abgebrochen?

Ihre anhaltenden Investitionen in verantwortungslose Öl- und Gaskonzerne zeigen, dass die Gewinne der Öl- und Gasmajors wohl zu verlockend sind, als Verantwortung zu übernehmen. Eine DWS mit ESG in der DNA wäre uns lieber.

Vielen Dank.

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