DWS Group Hauptversammlung 2026

Milliardeninvestitionen in fossile Expansion trotz eigener Netto-Null-Ansprüche: Unser Gegenantrag

Zu Tagesordnungspunkt 3: Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafterin für das Geschäftsjahr 2025

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, der persönlich haftenden Gesellschafterin die Entlastung zu verweigern.

Begründung:

Zwischen den öffentlich formulierten Nachhaltigkeits- und Klimaschutzansprüchen der DWS und ihrem tatsächlichen Handeln klafft eine erhebliche Glaubwürdigkeitslücke. Während die DWS weiterhin betont, ESG und die Einhaltung des 1,5-Grad-Limits seien zentrale Bestandteile ihrer Investment- und Stewardship-Strategie, hält sie zugleich milliardenschwere Beteiligungen an Öl- und Gaskonzernen aufrecht, deren Geschäftsmodelle mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens nicht vereinbar sind. Trotz eigener Anforderungen an glaubhafte Netto-Null-Strategien und Emissionsminderungen zieht die DWS daraus keine erkennbaren Konsequenzen für ihre Investitionsentscheidungen. Statt wirksamer treuhänderischer Verantwortung entsteht so der Eindruck, dass Klimaschutz zwar kommunikativ hervorgehoben, in der Praxis jedoch nicht konsequent eingefordert wird.

Die DWS hat sich von dem ehemaligen Grundsatz „ESG ist ein fester Bestandteil unserer DNA“ endgültig verabschiedet. Das Wort „Klima“ taucht zwar 312-mal im Geschäftsbericht für 2025 auf, aber die DWS handelt nicht so, als ob ihr Klimaschutz ein wirkliches Anliegen wäre. Auf dem Papier erwartet die DWS von den Portfoliounternehmen immer noch, „sich zu einem langfristigen Netto-Null-Pfad zu verpflichten und glaubhafte mittel- und langfristige Reduktionsziele für Scope 1, 2 und 3-Emissionen zu formulieren“ (Stewardship Statement, S. 8[1]). Aber sie ist trotzdem seit Jahren u.a. beständig in die sechs großen Öl- und Gaskonzerne TotalEnergies, ExxonMobil, Chevron, Shell, BP und Eni investiert. Derzeit belaufen sich die Investitionen allein in diese sechs Konzerne auf insg. gut 6,8 Mrd. USD[2].

Dass die sechs Ölmajors keine glaubhaften Reduktionsziele haben, und TotalEnergies beispielsweise sein am 1,5-Grad-Limit ausgerichtetes Netto-Null-Ziel für 2050 sogar offiziell wieder aufgegeben hat[3], muss die DWS wissen. Schließlich ist sie laut ihren Stewardship Reports für 2023 und 2024 und ihrem Engagement-Bericht für 2025 mit den sechs Öl- und Gaskonzernen im Dialog und spricht auch über die Netto-Null-Ziele der Konzerne. Nur bei Eni und Exxon ist das Thema 2025 vom Tisch.

Und wenn der DWS dies aus den Gesprächen mit den Konzernen nicht klar wird, sollte sie einen Blick in urgewalds Global Oil and Gas Exit List werfen, die frei zur Verfügung steht. Dort lässt sich nachlesen, dass die sechs Ölmajors mit insgesamt 36 Milliarden Barrel Öläquivalent in Entwicklung oder Erkundung massive Überkapazitäten an neuen Öl- und Gasressourcen aufbauen (Resources under Development and Field Evaluation: 37.296 mmboe), die das 1,5 Grad-Limit um ein Vielfaches reißen.

Die DWS erwartet in Sachen Klimaschutz und Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels in der Theorie mehr als sie letztlich einfordert. Dies entspricht nicht unserem Verständnis von Treuhänderischer Verantwortung.


[1] “Where appropriate, companies are expected to commit to a long-term net zero pathway and to set credible medium and long-term greenhouse gas reduction targets that cover Scope 1 and Scope 2 emissions and, where relevant, material Scope 3 categories.

Companies should articulate a credible transition plan that outlines how their targets will be achieved, detailing key actions and levers to reduce emissions across their operations and value chain. Capital allocation and operational expenditure plans should be aligned with the company’s greenhouse gas reduction trajectory.”

[2] „Investing in Climate Chaos 2026“ – Datensatz und Analyse erstellt von Profundo, Amsterdam. Weitere Datenerhebung und -analyse: urgewald. Die Daten basieren auf den aktuellsten Informationen, die zum Zeitpunkt der Erhebung im März 2026 verfügbar waren (spätester Stichtag: 27.02.2026; der Bericht wird voraussichtlich am 23. Juni 2026 publiziert werden)

[3] https://totalenergies.com/system/files/documents/totalenergies_universal-registration-document-2025_2026_en.pdf, S. 17

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