Wann wird die DWS strenge Ausschlusskriterien einführen und damit Öl und Gas als kontroverse Sektoren einstufen?

Zehn Fragen zur Hauptversammlung der DWS Group GmbH & Co. KGaA am 9. Juni 2022

  1. Die Investitionsentscheidungen der ESG-Fonds der DWS basieren auf der sogenannten ESG Engine, die Rüstung, Streubomben, Atomwaffen, Kohle- und Atomenergie Tabak, Glückspiel und Pornographie als kontroverse Sektoren nennt. Unternehmen werden nach den Umsatzanteilen, die aus diesen Sektoren generiert werden, in die Kategorien A bis F eingeteilt. Vor dem Hintergrund des Rücktritts von Herrn Asoka Wöhrmann: Wann wird die DWS strenge Ausschlusskriterien einführen und damit Öl und Gas als kontroverse Sektoren einstufen; die rote Linie bei maximal 20% Umsatz aus fossilen Energien ziehen; robuste absolute Schwellen bei der Produktion von Kohle, Öl und Gas und deren Verstromung einführen; und klar und deutlich fossile Unternehmen mit jeglichen Expansionsplänen ausschließen?
  2. Frage an den DWS-Aufsichtsratsvorsitzenden Karl von Rohr: Bei der Konzernmutter Deutsche Bank, die fast 80 Prozent der Anteile an der DWS hält, sind Sie stellvertretender Vorstandsvorsitzender und für die Vermögensverwaltung zuständig. Welche Konsequenzen werden Sie als DWS-Aufsichtsratsvorsitzender aus den Greenwashing-Vorwürfen gegen die DWS ziehen?
  3. Frage an Herrn von Rohr: Glauben Sie, dass es ausreicht, wenn allein Herr Wöhrmann Verantwortung übernimmt und zurücktritt?
  4. Frage an Herrn von Rohr: Desiree Fixler wies als Nachhaltigkeitschefin (Group Sustainability Officer) der DWS auf potenzielles Greenwashing hin und wurde im März 2021 – kurz vor der Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2020 – entlassen. In einer E-Mail an Sie und Deutsche-Bank-Nachhaltigkeitschef Jörg Eigendorf hatte sie gewarnt, die DWS könnte falsche Angaben zur Nachhaltigkeit gemacht haben. Warum haben Sie die Hinweise von Frau Fixler nicht ernst genommen?
  5. Frage an Herrn von Rohr: Waren Sie maßgeblich für die Entlassung von Frau Fixler verantwortlich? Wenn nicht: Wer dann?
  6. Die DWS Group hat eine Richtlinie für verantwortungsbewusste Auftragsunternehmen (auf Englisch, Responsible Contractor Policy) in den USA eingeführt. Diese Richtlinie hält die DWS-Fonds an, eine gewerkschaftsneutrale Position an ihren US-Standorten einzunehmen und faire Löhne und Sozialleistungen zu unterstützen, die von lokalen Marktfaktoren bestimmt werden. Diese Richtlinie gilt für Gebäudereinigungsunternehmen. Wird sich der DWS-Vorstand dafür einsetzen, dass diese Richtlinie für verantwortungsbewusste Auftragnehmer in seinen Liegenschaften Südflorida eingehalten wird? Wenn ja, welche Schritte wird der Vorstand unternehmen, um sicherzustellen, dass die DWS Group in allen ihren Bürogebäuden in Südflorida ein verantwortungsbewusstes Auftragsunternehmen beschäftigt, das die Gewerkschaftsrechte seiner Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen anerkennt und ihnen die marktüblichen Löhne und Sozialleistungen gemäß den Bestimmungen des Branchentarifvertrag anbietet, der kürzlich in Miami unterzeichnet wurde?
  7. Die DWS Group hat beträchtliche Investitionen in US-Immobilien getätigt und setzt dabei häufig Kapital institutioneller Investoren ein, die der DWS Group die treuhänderische Verantwortung übertragen haben, mit Umsicht und Sorgfalt zu investieren. Weiß der Vorstand, ob die DWS-Fonds mit ihren Anlegern über Angelegenheiten betreffend die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern kommunizieren? Wissen Sie, ob die DWS-Investorinnen und -Investoren in Immobilien im US-Bundesstaat Florida über den aktuellen Arbeitskampf in unter anderem vier ihrer Bürogebäude in Südflorida informiert wurden?
  8. Die DWS Group ist Unterzeichnerin der Investoreninitiative UN Principles for Responsible Investment (PRI), die Best Practices für eine verantwortungsvolle Verwaltung von Immobilienvermögen umrissen haben. Einer dieser Best Practices deckt die Zusammenarbeit mit lokalen „Stakeholdern“ von Gebäuden zur Überwachung von verantwortlichen Lieferkettenrichtlinien ab. Betrachtet der Vorstand die Richtlinie für verantwortungsbewusste Auftragsunternehmen (auf Englisch, Responsible Contractor Policy oder RCP), die seine Fonds in den USA eingeführt haben, als gleichwertig mit Lieferkettenrichtlinien?
  9. Wie stellt der Vorstand sicher, dass DWS-Fonds Beschwerden und Rückmeldungen von Interessenvertretern aus der Arbeiterschaft und Gesellschaft in Bezug auf Konflikte rund um die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern und andere Probleme in angemessener Weise angehen?
  10. Das US-Justizministerium (Departement of Justice) rügte die Deutsche Bank im Dezember 2021, weil sie es versäumt hatte, Fixlers Beschwerde bezüglich Greenwashing zu melden, obwohl die Deutsche Bank aufgrund einer Vereinbarung in einem anderen Rechtsfall dazu verpflichtet gewesen wäre. Welche Konsequenzen hat die DWS aus dieser Rüge gezogen?

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