Fraport AG Hauptversammlung 2026

„Legen Sie ein mit den Pariser Klimazielen kompatibles Postwachstums- und Transformationskonzept vor!“: Rede von Claudia Fatzkämper

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat,

mein Name ist Claudia Fatzkämper und ich vertrete heute den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Ich möchte über Klimaschutz sprechen — aber auch über unternehmerische Verantwortung und über die Frage, ob Fraport auf die Zukunft vorbereitet ist. Fraport spricht viel über Nachhaltigkeit. Doch entscheidend ist nicht, was in der Nachhaltigkeitserklärung steht. Entscheidend ist, ob das Unternehmen dort handelt, wo die größten Klimaauswirkungen entstehen.

Und genau dort bleibt Fraport die entscheidende Antwort schuldig. Im Geschäftsbericht erklärt Fraport auf Seite 119, dass für die Reduktion der Scope-3-Emissionen keine Ziele festgelegt wurden. Das sind jene Emissionen, die nicht direkt im eigenen Betrieb entstehen, aber durch das Geschäftsmodell mitverursacht werden — bei Fraport also vor allem durch den Flugverkehr.

Gleichzeitig schreibt Fraport selbst: „Diese Emissionen entstehen bei Flughafenbetreibern im Wesentlichen durch den Flugverkehr und durch landseitige Zu- und Ablieferverkehre.“Und weiter schreibt Fraport: „Der Luftverkehr ist schwer zu dekarbonisieren, da für mittlere und lange Distanzen auf absehbare Zeit keine Technologien mit hinreichender Energiedichte am Markt verfügbar sein werden.

Meine Damen und Herren, das ist der zentrale Widerspruch.

Fraport weiß, wo die größten Emissionen entstehen.
Fraport weiß, dass dieser Bereich schwer zu dekarbonisieren ist.
Und trotzdem legt Fraport dafür keine Ziele fest.

Das ist keine glaubwürdige Klimastrategie. Das ist eine strategische Lücke. Es reicht nicht, auf technische Lösungen zu hoffen, die für mittlere und lange Strecken auf absehbare Zeit nicht ausreichend verfügbar sind. Wenn Fraport Klimaschutz ernst nimmt, muss der Vorstand beantworten: Wie viel Wachstum des Flugverkehrs ist mit den Klimazielen überhaupt noch vereinbar? Diese Frage ist unbequem. Aber sie ist unvermeidlich.

Denn Fraport kann sich nicht als nachhaltig präsentieren und zugleich seine Zukunft auf immer mehr Passagiere, mehr Flugbewegungen, mehr Terminals und mehr Flächenverbrauch ausrichten.

Das ist nicht nur ein ökologisches Problem. Es ist auch ein Risiko für Sie, die Aktionärinnen und Aktionäre. Was passiert, wenn Klimapolitik strenger wird? Wenn Kerosin dauerhaft teuer bleibt? Wenn Kurzstreckenflüge stärker auf die Schiene verlagert werden? Wenn Geschäftsreisen dauerhaft reduziert bleiben? Wenn öffentliche Entlastungen politisch nicht mehr durchsetzbar sind?

Ein verantwortungsvoller Vorstand muss auf solche Szenarien vorbereitet sein. Stattdessen hören wir aus der Branche immer wieder denselben Reflex: Wenn es schwierig wird, ruft man nach dem Staat. Vor wenigen Tagen war in der Presse zu lesen, dass die deutschen Flughäfen bei anhaltend hohen Kerosinpreisen im Sommer mit Flugstreichungen rechnen, die Millionen Passagiere betreffen könnten. Im schlimmsten Fall drohe an manchen Flughäfen ein Kapazitätseinbruch von zehn Prozent, so die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, bei der Fraport Mitglied ist. Hochgerechnet auf alle Flughäfen wären 20 Millionen Fluggäste betroffen.

Und was fordert die Branche zur Abmilderung der Folgen? Staatliche Erleichterungen. Eine Aussetzung oder zumindest eine Halbierung der Luftverkehrssteuer. Das ist keine zukunftsfähige Strategie. Wer in guten Zeiten auf Wachstum setzt und neue Kapazitäten schafft, kann in schlechten Zeiten nicht immer wieder nach staatlicher Entlastung rufen. Fraport braucht einen ehrlichen Plan für die Zukunft.

Deshalb fordern wir den Vorstand auf: Legen Sie ein mit den Pariser Klimazielen kompatibles Postwachstums- und Transformationskonzept vor. Damit meinen wir kein planloses Schrumpfen. Wir meinen einen verantwortlichen Unternehmensplan für eine Zukunft, in der weiteres Wachstum des Flugverkehrs ökologisch, regulatorisch und wirtschaftlich nicht mehr selbstverständlich ist.

Ein solcher Plan braucht verbindliche Scope-3-Ziele. Er braucht Szenarien für sinkende Flugbewegungen und Passagierzahlen. Er braucht klare Kriterien für künftige Ausbauprojekte. Und er braucht einen Plan für Beschäftigungssicherung, Qualifizierung und Umnutzung statt Expansion.

Postwachstum bedeutet hier nicht Stillstand. Es bedeutet Vorsorge – für Klima und Beschäftigte. Es bedeutet, Risiken ernst zu nehmen, bevor sie teuer werden.

Sehr geehrter Vorstand, sehr geehrter Aufsichtsrat: Stellen Sie sich dieser Realität. Legen Sie einen Plan vor. Ein „Weiter so!“ hat keine Zukunft.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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