Fresenius Medical Care Klimaschutz Hauptversammlung 2026 Governance

„Frau Giza und Herr Sen, die Kritik und Unzufriedenheit der Beschäftigten müsste Sie eigentlich alarmieren“: Rede von Markus Dufner

Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands, bemängelte in seiner Rede, dass der Geschäftsbericht 2025 der Fresenius Medical Care AG keine konkreten Fallzahlen zu Compliance-Ermittlungen gibt. (Foto: Lisa Nathan)

Hauptversammlung von Fresenius Medical Care am 21.05.2026 in Frankfurt am Main

Sehr geehrte Frau Giza, sehr geehrter Herr Sen,
sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats!
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

mein Name ist Markus Dufner und ich spreche im Namen des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Der Dachverband unterstützt die Fresenius Global Union Alliance.

Mit unseren 29 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Menschenrechte und sozialer und gewerkschaftlicher Rechte repräsentieren wir einen Teil der Zivilgesellschaft. Zudem ist der Dachverband Mitglied der Klimaallianz Deutschland mit 155 Mitgliedsorganisationen.

Erst einmal vielen Dank an Sie, Frau Giza und Herr Sen, dass Sie sich wieder für eine Präsenz-Hauptversammlung entschieden haben. Bleiben Sie gern dabei.

Sehr geehrte Frau Giza, unsere Kritik an der Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA konzentriert sich vor allem auf operative Dämpfer im US-Geschäft, das schwächere Umsatzwachstum im Branchenvergleich sowie die internen Belastungen durch Sparprogramme und den anhaltenden Stellenabbau. [1, 2, 3] Ich werde in meiner Rede auch auf die Compliance und auf die Mitarbeiterzufriedenheit eingehen.

1. Im Übergangsjahr 2026 gab es erheblichen geschäftlichen Gegenwind. [1]

  • Stichwort Belastung durch Produktwechsel: Das Jahr 2026 wird vom Management und von Analysten als schwieriges Übergangsjahr eingestuft. Grund dafür ist unter anderem die Markteinführung eines neuen Dialysegeräts in den USA, die das operative Ergebnis kurzfristig dämpft und die Margenentwicklung belastet.
    Frau Giza, bitte berichten Sie, wie die Einführung des neuen Geräts läuft. Welche Probleme gibt es?
  • Stichwort Rückgang der Behandlungszahlen: Kürzlich gemeldete niedrigere Behandlungsvolumina in den wichtigen US-Kliniken haben zu Enttäuschung am Markt geführt.
    Frau Giza, wo liegen die Ursachen für den Rückgang?
  • Stichwort Umsatzstagnation: Im Vergleich zur restlichen Gesundheitsbranche hinkt das Wachstum hinterher. Für 2026 wird währungsbereinigt lediglich ein Umsatz auf dem Niveau von 2025 erwartet. [1, 2, 3, 4, 5, 6]

2. Kritik von Aktionären und Analysten

  • Stichwort Umsatz- und Ergebnisverfehlungen: Analystenhäuser wie Goldman Sachs weisen auf anhaltende Risiken hin, darunter das mögliche Auslaufen von US-Subventionen (Affordable Care Act) und steigende Ausbildungskosten. Nach verfehlten Erwartungen bezüglich Earnings Per Share (EPS) im ersten Quartal haben mehrere Experten ihre Gewinnschätzungen nach unten korrigiert.
  • Von uns, demDachverband, aber auch von US-Investoren gab es in der Vergangenheit immer wieder Kritik an der Zusammensetzung des Aufsichtsrats. So haben wir die unzureichende Berücksichtigung von ethnischen Minderheiten und mangelnder Diversität im Kontrollgremium bemängelt. [1, 2, 3, 4]
    Welche Entwicklungen zu mehr Diversität wird es geben?


Frau Giza, in Ihrer Rede sprächen Sie von „Reignite our Culture“ – die Stärkung der Unternehmenskultur von Fresenius Medical Care durch Förderung der Mitarbeitenden und Stärkung von Verantwortungsübernahme.
https://freseniusmedicalcare.com/content/dam/fresenius-medical-care/global/en/03_investors/pdf/hauptversammlung/2026/260512_FME_Rede_Helen_Giza_2026_DE.pdf

Aber wie bewerten die Mitarbeitenden ihr Unternehmen?

Es gibt jede Menge Kritik, die sich an der Restrukturierung und dem globalen Sparprogramm FME25+ festmacht.

  • Im Zuge von FME25+ kommt es kontinuierlich zu Entlassungen und der Auslagerung von Betriebsteilen.
  • Mitarbeitende kritisieren auch einen zu starken Fokus auf Kostenreduktion zu Lasten der Produktentwicklung, wodurch im Arbeitsalltag oft nur noch „Mangelverwaltung“ stattfinde. [, 2]
  • Weiter beklagen Beschäftigte, dass durch den harten Sparkurs wertvolles Wissen verloren geht und die Arbeitsatmosphäre durch die ständige Unsicherheit leidet.

Auf der Plattform Kununu lässt sich die Kritik am Arbeitgeber Fresenius Medical Care detailliert nachlesen.
https://www.kununu.com/de/fresenius-medical-care/kommentare
Basierend auf Bewertungen von 52 Beschäftigten zwischen Mai 2025  und Mai 2026  ergibt sich ein gemischtes Bild mit einer insgesamt neutralen Stimmung.

Positiv bewertet werden von den Beschäftigten die Zusammenarbeit unter den Kolleg:innen und die Gleichberechtigung. Teamarbeit und kollegialer Zusammenhalt werden als Stärke gesehen, allerdings meist nur innerhalb der eigenen Abteilung.

Die Gehälter werden als durchschnittlich, wenn auch pünktlich ausgezahlt bewertet.

Die Work-Life-Balance wird unterschiedlich bewertet, wobei mobile Arbeitsmöglichkeiten positiv hervorgehoben werden, während Personalabbau und Arbeitsverdichtung für Kritik sorgen.

Erhebliche Kritik gibt es hingegen an der Kommunikation und den Karrieremöglichkeiten.

Die Arbeitsatmosphäre wird durch Reorganisationen und Verlagerungen in „Best-Cost“-Länder belastet, was zu Unzufriedenheit unter den Mitarbeiter:innen führt.

Besonders problematisch erscheint die mangelnde Transparenz bei strukturellen Entscheidungen sowie die fehlende Unterstützung bei Weiterbildungen
.

Insgesamt scheint es so, dass das Unternehmensimage durch die Umstrukturierungen gelitten
hat.

Frau Giza und Herr Sen, diese Kritik und Unzufriedenheit der Beschäftigten müsste Sie eigentlich alarmieren.


Lassen Sie mich exemplarische die Bewertung einer Person wiedergeben.
Die oder der Mitarbeitende hat zum Zeitpunkt der Bewertung im März 2026 noch bei Fresenius Medical Care AG in Bad Homburg v.d. Höhe gearbeitet. Unter vorgegebenen Kriterien bewertet der oder die Beschäftigte wie folgt:

Gut am Arbeitgeber finde ich „eigentlich nichts mehr“.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich: „Durch Stellenabbau und Outsourcing geht enorm viel Wissen verloren und es juckt niemanden. Prozesse verschlechtern sich sehr, es dauert alles viel länger und verärgert am Ende Kunden und Patienten.“

Verbesserungsvorschläge: „Weniger US Personal im Vorstand. Statt stumpf Stellen abzubauen, um Geld zu sparen, endlich wieder richtig in Produktentwicklung und Produktionsverbesserung investieren. Es gibt nicht nur die HD in USA.“

Die Arbeitsatmosphäre: „Verschlechtert sich immer mehr. Weiterer Stellenabbau durch FME25+, keiner weiß so recht, ob man der nächste ist, der gehen muss.“

Image: „Lässt immer mehr nach. Aber was will man erwarten, wenn man Kunden nicht beliefern kann und die Produktqualität kontinuierlich nachlässt.“

Arbeitsbedingungen: „Wenn man schon im Büro Schwierigkeiten hat, eine stabile Netzwerkverbindung zu bekommen, muss man nicht mehr dazu sagen.“

Kommunikation: „Mangelhaft. Vom Vorstand kommt nur heiße Luft, Hauptsache man präsentiert sich gut vor den Investoren.“

Interessante Aufgaben: „An sich erledigt man ja einen wichtigen Job, um die Lebensqualität von Dialysepatienten zu unterstützen. Aber da wirklich innovative Produkte fehlen und man nur noch Mangelverwaltung und Troubleshooting betreibt, geht der Spaß verloren.“

So weit die Bewertung durch Beschäftigte der Fresenius Medical Care.

Im Rahmen ihrer internen Compliance ermittelt Fresenius Medical Care systematisch, ob gesetzliche Vorgaben, interne Richtlinien und ethische Standards eingehalten werden. Der Fokus liegt dabei auf der Aufdeckung von Korruption, Verstößen gegen den Datenschutz sowie Missständen im Arbeits- und Personalumfeld.

Der Geschäftsbericht 2025 der Fresenius Medical Care AG nennt keine konkreten Fallzahlen zu Compliance-Ermittlungen, sondern beschreibt die strukturellen Prozesse zur Aufklärung von Verdachtsfällen. Bei festgestellten Verstößen im Unternehmen oder bei Lieferanten leitet das Global Investigation Department entsprechende Maßnahmen ein. Weitere Informationen finden Sie unter Compliance Überblick und „You speak up – we listen!“. https://freseniusmedicalcare.com/de/ueber-uns/compliance/sie-melden-sich-wir-hoeren-zu/

Details zur Compliance Action Line gibt es lediglich aus dem Jahr 2022.  Über verschiedene Meldewege gingen 3.399 Meldungen ein.
Für das Geschäftsjahre 2025 wird lediglich berichtet: „Unsere Hotline wurde für Compliance-Zwecke eingerichtet; sie wird aber auch für Kontaktaufnahmen genutzt, bei denen es nicht um Compliance-Fragen geht, sondern um Patientenversorgung, die Informationssicherheit oder Personalfragen. Diese Meldungen werden an die entsprechenden Abteilungen weitergeleitet.“

Meine Fragen richten sich daher auf die Jahre 2023, 2024 und 2025:
Wie viele Meldungen von Verstößen gegen die Compliance liegen vor?
Bitte nennen Sie die Zahlen für die jeweiligen Jahre und nennen Sie exemplarisch die drei gravierendsten Verstöße.
An welchem Standort ereigneten sich diese Verstöße?
Was hat Fresenius Medical Care getan, um Abhilfe zu schaffen?

Zum Schluss möchte ich gern noch mehr darüber erfahren, welche Fortschritte Fresenius Medical Care beim Klimaschutz macht.

Kritiker bemängeln bei Fresenius Medical Care (FMC) vor allem die hohe Ressourcenabhängigkeit der Dialyse sowie intransparente Lieferketten. Der hohe Wasser- und Energieverbrauch für Dialyseflüssigkeit und die großen Mengen an medizinischem Plastikmüll stehen im Fokus von Umweltschützern. Folgende Kritikpunkte werden aktuell diskutiert: [1, 2, 3]

  • Stichwort Ressourcenintensives Kerngeschäft: Die lebensnotwendige Dialysebehandlung ist naturgemäß sehr energie- und wasserintensiv.
    Meine Fragen hierzu: Welche systemische Ansätze gibt es bei Fresenius Medical Care, um den enormen CO₂- und Material-Fußabdruck in den Kliniken zu reduzieren?
  • Stichwort Intransparenz und Scope-3-Emissionen: Die größte Klimabelastung liegt in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette (Scope-3-Emissionen), etwa bei der Herstellung und dem Transport medizinischer Einwegprodukte. Umwelt- und Arbeitnehmerorganisationen bemängeln, dass die Klimabilanzierung der Lieferanten lückenhaft und die ökologische Verantwortung schwer nachprüfbar sei.
    Was unternehmen Sie, um hierbei für mehr Transparenz zu sorgen?
  • Stichwort Grünstrom und Kompensation: Um das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, setzt das Unternehmen neben Effizienzmaßnahmen stark auf den Zukauf von Grünstromzertifikaten. Kritiker werten dies oftmals als „Greenwashing“, da dadurch der absolute Ausstoß im eigenen Betrieb nicht primär durch reale Innovationen gesenkt werde. [1, 2, 3, 4]
    Bitte nehmen Sie dazu Stellung!

Sehr geehrte Frau Giza, sehr geehrte Herr Sen, sehr geehrte Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat! Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf die Beantwortung meiner Fragen.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.kritischeaktionaere.de/fresenius-medical-care/frau-giza-und-herr-sen-die-kritik-und-unzufriedenheit-der-beschaeftigten-muesste-sie-eigentlich-alarmieren-rede-von-markus-dufner-auf-der-hauptversammlung-2026-von-fresenius-medical-care/