Fresenius SE Hauptversammlung 2026 Governance

Fehlsteuerung in Helios-Kliniken: Unsere Gegenanträge

Gegenanträge des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
zur Hauptversammlung der Fresenius SE & Co. KGaA am 22. Mai 2026

Gegenantrag zu TOP 3: Beschlussfassung über die Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafterin für das Geschäftsjahr 2025

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, den Mitgliedern des Vorstands die Entlastung für das Geschäftsjahr 2025 zu verweigern.

Begründung:

Der Vorstand unter Michael Sen wird seiner Verantwortung für eine nachhaltige und ethische Konzernführung nicht gerecht. Zwar wird die strategische Neuausrichtung vorangetrieben, doch geschieht dies massiv zu Lasten von Personal, Patienten und der langfristigen Reputation des Konzerns.

Systematische Fehlsteuerung bei Fresenius Helios

Fresenius Helios ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Holding Helios Health, die wiederum vollständig zum Fresenius-Konzern gehört.

Der Vorstand forciert bei der Tochtergesellschaft Helios eine EBIT-Marge von 10–12 %, was im Gesundheitssektor als gemeinwohlgefährdend einzustufen ist. Durch die Zweckentfremdung von Pflegekräften für Reinigungs- und Servicetätigkeiten (um diese über das Pflegebudget zu refinanzieren) wird das System zulasten der Beitragszahler und der Patientensicherheit ausgenutzt.

Verschärfte Kritik an Helios-Kliniken

Die Kritik an Fresenius SE in Bezug auf die Helios-Kliniken hat sich in den Jahren 2025 und 2026 deutlich verschärft. Im Zentrum steht der Vorwurf, dass gesetzliche Reformen zur Pflegeentlastung systematisch zum Zweck der Gewinnmaximierung umgangen werden.

Vorwurf der „Zweckentfremdung“ von Pflegekräften

  • Das Personal muss fachfremde Aufgabenübernehmen. So wirft die Gewerkschaft ver.di Helios vor, Pflegekräfte für Reinigungs- und Servicetätigkeiten einzusetzen (z.B. Bettenreinigung, Essensausgabe, Wäscheservice).
  • Dahinter steht ein finanzielles Kalkül. Da Pflegekräfte über das gesetzliche Pflegebudget voll refinanziert werden, Servicepersonal hingegen nicht, spart der Konzern durch diese Strategie Personalkosten im Servicebereich ein.
  • Die Folgen sind verheerend. Laut Betriebsräten (u.a. in Erfurt, Uelzen, Eisleben) kommt es in Helios-Kliniken zu massiver Überlastung, Zeitmangel beim Patienten und einer Gefährdung der Versorgungsqualität.


Pervertierung des Gesundheitssystems: Renditeziele vs. Gemeinwohl

  • Für 2026 strebt Helios eine EBIT-Marge von 10 bis 12 % an. Dies ist eine Pervertierung des Gesundheitssystems, da Gewinne zulasten des Personals und der Beitragszahler erzielt werden.
  • Während das Personal über Belastung klagt, hebt Fresenius die Dividenden für Aktionäre an. Das ist eine falsche Prioritätensetzung. 


Arbeitsrechtliche Konflikte

  • Gewerkschaften kritisieren „Einschüchterungsversuche“ gegen Mitarbeitende, die sich gegen Umstrukturierungen wehren. So soll es zu rechtswidrigen Kündigungen in Tochtergesellschaften gekommen sein.
  • In der Konzerntarifrunde 2025 wurde Helios vorgeworfen, zunächst kein annehmbares Angebot vorgelegt und Vorteile für Gewerkschaftsmitglieder verweigert zu haben.


Versorgungsqualität und Sicherheit

  • Berichten zufolge müssen sich einzelne Kliniken (z.B. Erfurt) zeitweise von der Notfallversorgung abmelden, da die Personaldecke auf Intensivstationen nicht für Neuaufnahmen ausreicht.
  • Die Strategie, hochqualifizierte Kräfte durch weniger qualifiziertes Personal zu ergänzen („Skill Mix“), stellt ein Risiko für die Patientensicherheit dar.


Mangelnde Klimaschutz-Ambition

Die Strategie zur Klimaneutralität beruht zu stark auf dem Zukauf von Zertifikaten (EACs), anstatt reale Emissionsminderungen im operativen Geschäft priorisiert umzusetzen.

Vergütung vs. Performance

Angesichts jahrelanger Underperformance der Aktie und der Belastung des Personals ist das millionenschwere Vergütungspaket des Vorstandsvorsitzenden ein falsches Signal an die Belegschaft und die Langzeitaktionäre.


Gegenantrag zu TOP 4: Beschlussfassung über die Entlastung des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2025

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, den Mitgliedern des Aufsichtsrats die Entlastung für das Geschäftsjahr 2025 zu verweigern.

Begründung:

Der Aufsichtsrat ist seiner Kontrollfunktion gegenüber dem Vorstand sowie seiner Pflicht zur Aufarbeitung von Managementfehlern der Vergangenheit nur unzureichend nachgekommen.

Versagen bei der Aufarbeitung der Vamed-Krise

Der Aufsichtsrat hat den aggressiven und letztlich gescheiterten Expansionskurs der Vergangenheit jahrelang durchgewinkt. Die massiven Milliarden-Wertberichtigungen und die daraus resultierenden BaFin-Prüfungen des Konzernabschlusses 2023 belegen ein gravierendes Kontrolldefizit bei der Überwachung der Bilanzierung und der Risikovorsorge.

Duldung prekärer Arbeitsbedingungen in Helios-Kliniken

Der Aufsichtsrat muss stärkere Anreize zur Implementierung von sozialer Nachhaltigkeit setzen. Angesichts der massiven Überlastung des Personals in Helios-Kliniken und den damit verbundenen Notfallabmeldungen kann der Aufsichtsrat nicht länger wegschauen.

Mangelnde Governance-Reformen

Die Struktur der KGaA wird weiterhin genutzt, um den Einfluss der freien Aktionäre zu beschränken.
Ein weiteres Problem ist die mangelnde Diversität im Aufsichtsrat. Trotz der strategischen Relevanz des US-Marktes spiegelt die Zusammensetzung des Gremiums noch nicht die notwendige internationale Diversität wider. Die Vertretung ethnischer Minderheiten und eine paritätische Frauenquote werden nicht mit dem nötigen Nachdruck verfolgt.

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