Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat,
ich spreche für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Mit den uns übertragenen Stimmrechten fordern wir von Heckler & Koch deutlich effektivere Maßnahmen für den Schutz von Menschenrechten ein.
Wir haben daher entsprechende Anträge u.a. auf Nicht-Entlastung des Vorstands eingereicht, die ich hiermit auch formal stelle.
Der Vorstand der H&K AG wird seiner eigenen Verantwortung für Menschenrechte, Konfliktprävention und eine nachhaltige Unternehmensführung weiterhin nicht ausreichend gerecht.
Bei Kleinwaffen endet die Verantwortung nicht am Werktor und nicht mit einer staatlichen Exportgenehmigung. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Sudan und anderen Konfliktregionen zeigen: Eine Genehmigung durch staatliche Stellen ersetzt keine eigene unternehmerische Verantwortung.
Heckler & Koch betont regelmäßig seine Selbstbeschränkung durch die sogenannte „Grüne-Länder-Strategie“ und stellt dar, nur verantwortbare Lieferungen zu unterstützen. Diese Selbstdarstellung steht jedoch weiterhin im Spannungsverhältnis zu bekannten Fällen und Risiken entlang der Liefer- und Nutzungsketten.
Sudan: Anspruch und Wirklichkeit globaler Waffenverantwortung
Der brutale Krieg im Sudan zeigt erneut, welche Folgen die weltweite Verbreitung von Kleinwaffen haben kann. Er hat Hunderttausende Menschenleben gefordert und mehr als 11 Millionen Menschen vertrieben. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund 25 Millionen Menschen – etwa die Hälfte der sudanesischen Bevölkerung – auf dringende humanitäre Hilfe angewiesen, um eine Hungersnot abzuwenden. Berichte über Waffen von Heckler & Koch in sudanesischen Konflikt machen deutlich, dass auch historische Lieferungen und Lizenzproduktionen langfristige Auswirkungen haben können.
Heckler & Koch erklärt regelmäßig, verantwortungsvoll mit Waffenexporten umzugehen. Gleichzeitig zeigen Konflikte weltweit, dass Waffen aus früheren Lieferungen über Jahrzehnte weiter genutzt werden können. Sie sollten sich daher auch damit auseinandersetzen, welche Erkenntnisse und Konsequenzen sich daraus für aktuelle Waffengeschäfte ergeben. Eine Verantwortung für Menschenrechte darf nicht nur für den Zeitpunkt des Verkaufs gelten.
Dazu meine Fragen:
- Hat H&K nach den Berichten von Report Mainz im November 2025 über die Verwendung von Varianten des G36 im Krieg im Sudan Untersuchungen eingeleitet, wie diese Waffen in das Konfliktgebiet gelangen konnten? Wenn ja, wie lauten die Ergebnisse dieser Untersuchung? Wenn nein, warum nicht? Welche anderen Konsequenzen zieht H&K nach den Berichten?
- Heckler & Koch verweist regelmäßig darauf, dass aktuelle Exporte nur nach staatlicher Genehmigung erfolgen. Bei Kleinwaffen können jedoch Waffen über Jahrzehnte genutzt, weitergegeben oder aus Lizenzproduktionen übernommen werden. Welche Maßnahmen hat Heckler & Koch konkret eingerichtet, um Risiken aus historischen Lieferungen und Lizenzproduktionen nachträglich zu bewerten?
- Bitte erläutern Sie, ob es eine systematische Nachverfolgung ehemaliger Exportgeschäfte gibt, welche Länder oder Regionen dabei besonders betrachtet werden und ob daraus bereits Änderungen der Exportpolitik oder Compliance-Prozesse entstanden sind.
- Welche finanziellen Mittel hat Heckler & Koch im Geschäftsjahr 2025 für Maßnahmen zur menschenrechtlichen Risikoanalyse, Konfliktfolgenbewertung oder Aufarbeitung früherer Waffenverwendungen eingesetzt?
Menschenrechtliche Sorgfaltspflichten und Lieferkette
- Führt Heckler & Koch menschenrechtliche Risikoanalysen nur für eigene Lieferanten durch oder auch für Kunden und Endnutzer der Waffen („Downstream-Lieferkette“)? Falls keine systematische Analyse erfolgt: Warum nicht?
- Wie viele Beschwerden oder Hinweise zu möglichen Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit H&K-Produkten gingen 2025 ein? Bitte nennen Sie: Anzahl, Herkunft der Hinweise und Ergebnis der Prüfung.
KI und Autonome Waffensysteme
- Heckler & Koch hat öffentlich erklärt, in den Bereich Drohnenabwehr einzusteigen und ein System zu entwickeln, bei dem unter anderem KI-gestützte Sensorik zur Erkennung und Bewertung von Drohnenbedrohungen eingesetzt wird. Welche strategische Bedeutung haben Drohnenabwehr, künstliche Intelligenz und automatisierte Systeme für die zukünftige Unternehmensentwicklung von Heckler & Koch?
- Kann der Vorstand erläutern, welche Komponenten und Funktionen Heckler & Koch bei dem geplanten Drohnenabwehrsystem selbst entwickelt? Welche Rolle spielen dabei KI-basierte Verfahren? Welche Aufgaben übernimmt die KI konkret – beispielsweise Erkennung, Klassifizierung, Bedrohungsbewertung oder Zielverfolgung?
- Bei KI-gestützten militärischen Systemen stellt sich die Frage nach der „meaningful human control“. Kann der Vorstand erläutern, welche technischen und organisatorischen Maßnahmen sicherstellen, dass bei H&K-Systemen keine autonome Entscheidung über den Einsatz letaler Gewalt ohne menschliche Freigabe erfolgt, ein Mensch jederzeit die Kontrolle über kritische Entscheidungen behält und Fehlentscheidungen durch KI-Systeme verhindert oder begrenzt werden?
- Plant Heckler & Koch zukünftig die Entwicklung oder Lieferung von Systemen, die nach Aktivierung selbstständig Ziele erkennen, Ziele auswählen, Entscheidungen über Bekämpfungsmaßnahmen treffen oder eine Wirkung ohne weitere menschliche Autorisierung auslösen können? Falls nein: Kann der Vorstand bestätigen, dass H&K keine solchen autonomen Waffensysteme entwickeln oder anbieten möchte?
- Wird künstliche Intelligenz bereits heute oder künftig in anderen Produkten von Heckler & Koch eingesetzt, beispielsweise bei Waffenoptiken, Zielsystemen, Feuerleitsystemen, Sensorik oder Kommunikations- oder Führungssystemen? Falls ja: Welche Produkte und welche KI-Funktionen betrifft dies?
- Beim Drohnenabwehrprojekt arbeitet Heckler & Koch nach Medienberichten mit spezialisierten Technologieunternehmen und weiteren Industriepartnern zusammen. Welche Verantwortung übernimmt Heckler & Koch innerhalb solcher Kooperationen hinsichtlich Entwicklung, Sicherheitsprüfung, Einsatzgrenzen, ethischer Bewertung und Kontrolle der verwendeten KI-Technologien?
- Das Risiko von Fehlidentifikation und unbeabsichtigte KI-gestützte Erkennungssysteme können fehlerhafte Bewertungen treffen. Welche Verfahren nutzt Heckler & Koch, um sicherzustellen, dass KI-Systeme: Fehldetektionen minimieren, zivile oder nicht relevante Objekte unterscheiden können und Risiken durch Fehlentscheidungen reduzieren?
- Verfügt Heckler & Koch über interne oder öffentliche Richtlinien zum Umgang mit militärischer künstlicher Intelligenz, autonomen Waffensystemen, automatisierter Zielerkennung oder dem Prinzip menschlicher Kontrolle? Falls nein: Plant Sie die Einführung einer solchen Richtlinie?
- Wie bewertet Heckler & Koch internationale Diskussionen über eine Regulierung autonomer Waffensysteme (LAWS/AWS)? Unterstützen Sie verbindliche internationale Regeln, die sicherstellen sollen, dass letale Entscheidungen nicht vollständig an Maschinen übertragen werden?
- Heckler & Koch entwickelt sich zunehmend vom klassischen Hersteller von Kleinwaffen zu einem Anbieter integrierter Systeme. Wie bewertet der Vorstand die langfristige Rolle des Unternehmens in einer zukünftigen Verteidigungslandschaft, in der Drohnen, KI, Automatisierung und vernetzte Systeme eine immer größere Bedeutung erhalten?
Aktienkurs und Hauptversammlung
- Der Aktienkurs der Heckler & Koch AG hat sich in den vergangenen Monaten deutlich schwächer entwickelt, obwohl das Unternehmen über eine positive operative Entwicklung, steigende Auftragseingänge und verbesserte Ergebniszahlen berichtet hat. Welche Faktoren sieht der Vorstand als wesentliche Ursachen für die negative Kursentwicklung? Bitte erläutern Sie insbesondere, ob aus Sicht des Vorstands folgende Punkte eine Rolle spielen: Erwartungen des Kapitalmarkts an zukünftiges Wachstum, Bewertung der Verschuldungs- und Finanzierungsstruktur, geringe Handelsliquidität der Aktie, fehlende Analystenabdeckung oder Zweifel an der langfristigen Ertragskraft des Unternehmens.
- Die Aktie von Heckler & Koch weist im Vergleich zu anderen Unternehmen der europäischen Verteidigungsindustrie eine deutlich geringere Handelsaktivität auf. Unternehmen Sie Maßnahmen, um die Transparenz gegenüber Investoren zu erhöhen, das Verständnis des Geschäftsmodells am Kapitalmarkt zu verbessern, die Attraktivität der Aktie für institutionelle Anleger zu steigern und die Differenz zwischen Unternehmensentwicklung und Aktienkurs besser zu erklären?
- Heckler & Koch investiert in neue Geschäftsfelder wie Drohnenabwehr, Automatisierung und technologische Weiterentwicklung. Gleichzeitig hat sich der Aktienkurs zuletzt deutlich abgeschwächt. Wie erklären und bewerten Sie diese Diskrepanz zwischen strategischer Entwicklung und Börsenbewertung? Welche konkreten Geschäftsbereiche sollen nach Einschätzung des Vorstands in den kommenden Jahren wesentlich dazu beitragen, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung stärker im Aktienkurs widerspiegelt?
- Wie stehen Sie zum Thema hybride Hauptversammlung, die sowohl digitale Teilnahme als auch physische Präsenz ermöglichen würde? Bitte nennen Sie: konkrete technische Risiken, rechtliche Risiken und konkrete Mehrkosten.
- Welche Maßnahmen plant Heckler & Koch, um die Transparenz gegenüber Aktionär*innen und Öffentlichkeit bei kontroversen Themen wie Waffenexporten, Menschenrechten und Konfliktrisiken zu erhöhen?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.







