Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats,
mein Name ist Charlotte Kehne und ich spreche hier heute für die Organisation Ohne Rüstung Leben, eine der Mitgliedsorganisationen des Dachverbands Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre, zum Gegenantrag des Dachverbands.
Es kommt mir fast wie ein Deja Vú vor, doch auch in diesem Jahr muss ich unsere Kritik an ihrem Geschäft auf dem US-Zivilmarkt wiederholen, welches wir weiterhin als hochproblematisch ansehen, da der US-Zivilmarkt aus unserer Sicht ein Hochrisikomarkt ist.
Der US-Zivilmarkt – sprich das Geschäft mit Privatleuten in den USA – ist für Heckler & Koch zentral. Auf den Zweig „USA-Zivil“ fielen im vergangenen Jahr rund ein Viertel des Konzernumsatzes.[1] Trotzdem ist in ihrer Pressemitteilung zur Verkündung der Jahreszahlen 2025 davon nichts zu lesen – dort ist lediglich von der hohen Nachfrage von Sicherheitsbehörden und Streitkräften die Rede.[2] Und das war ja auch in Ihrer heutigen Rede der Fokus, Herr Koch. Bei mir erweckt das den Eindruck, dass Heckler & Koch sein Geschäft mit dem Markt, der in den USA jährlich tausende Getötete und Verletzte zur Folge hat, in der deutschen Debatte bewusst klein halten will. Dazu meine ersten Fragen:
- Welcher Anteil des Konzernumsatzes 2025 entfiel auf den US-Markt insgesamt und welcher Anteil davon auf den US-Zivilmarkt?
- Wie hoch ist der Anteil des Geschäfts mit der Bundeswehr am Gesamtumsatz des Konzerns 2025?
- Welche Bedeutung hat der US-Zivilmarkt für die zukünftige Wachstumsstrategie von Heckler & Koch?
- Bitte schlüsseln Sie den Umsatzanteil von Kunden in Deutschland, USA, UK, Frankreich, in den sonstigen „Grünen Ländern“ und dem Rest der Welt jeweils auf die Kundengruppen „Militär“, „Polizei u.a. Behörden“ sowie „Zivil“ auf. Also wie hoch ist der Anteil ziviler, militärischer oder behördlicher Kunden in Deutschland, USA, usw…
- Wie hoch ist der Anteil des Geschäfts mit der Kundengruppe „Zivil“ in den USA am Gesamtgeschäft mit dieser Kundengruppe?
Während sich Heckler & Koch in Deutschland als vertrauenswürdiger Partner von Sicherheitskräften und Bundeswehr präsentiert, springen auf ihrer US-Website zweifelhafte Magapalooza-Rabattangebote ins Auge.[3]
- Will Heckler & Koch USA mit dieser Wortschöpfung Unterstützung für die MAGA (Make America Great)-Bewegung signalisieren und insbesondere diese als Käufer*innen erschließen?
- Ist Ihnen bekannt, dass die Wortschöpfung auch bei der Beschreibung von Aktivitäten von Gruppen kursiert, die zur Ablehnung der Wahlergebnisse von 2020 aufriefen und damit dem Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 vorausgingen?[4] Warum nehmen Sie, mindestens billigend in Kauf, mit solchen Positionen in Verbindung gebracht zu werden bzw. eine Anschlussfähigkeit zu kreieren?
- Wie passt das mit Ihrem Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zusammen?
- Seit wann werben Sie mit der Wortschöpfung „Magapalooza“ und nutzen Sie ihn auch in anderen Ländern außerhalb der USA? Was genau bedeutet es?
Heckler & Koch buhlt in den USA unter der Marke H&K USA u.a. mit der Pistole CC9 um zivile Kundschaft. Diese kann durch ihre kleine Größe im Alltag verdeckt getragen werden, um für, ich zitiere, „den einen Tag“ bereit zu sein. Neben mit dramatischer Musik unterlegten Werbevideos, heißt es auf der US-Homepage dazu weiterhin: „Everyday concealability, that day capability“.[5] Wie bereits im vergangenen Jahr kritisiert, bedient Heckler & Koch mit einem solchem Marketing weiterhin den gefährlichen Mythos, Schusswaffen würden ihre Besitzer*innen sicherer machen und dienten ausschließlich der persönlichen Selbstverteidigung. Dabei warnen Expert*innen genau vor dem Gegenteil. Sie betonen: Der Besitz bzw. das Tragen von Schusswaffen erhöht das Risiko von Tötungsdelikten, Selbstmorden oder unbeabsichtigten Verletzungen.[6] Der Einsatz von Waffen zur legalen Selbstverteidigung sei hingegen äußerst selten, so die Expert*innen. Neunmal so viele Menschen geben an, Opfer einer Person mit einer Schusswaffe geworden zu sein, als durch eine Schusswaffe geschützt worden zu sein.[7] Für das Jahr 2019 beschreibt eine Studie des Violence Policy Center, dass auf jeden in den USA durch eine Privatperson begangenen, nach dortigem Recht rechtmäßigen Tötungsfall mit einer Schusswaffe (beispielsweise durch Selbstverteidigung), 30 kriminelle Tötungsfälle mit Schusswaffen kommen.[8]
Auch in ihrer letztjährigen Antwort hat sich der beschriebene Mythos widergespiegelt. Auf Nachfrage auf der vergangenen Hauptversammlung, auf was für einen Tag sich Heckler & Koch denn in seinem US-Marketing zur CC9 genau beziehe, antworteten Sie, man meine den Tag, an dem sich die Besitzerin oder der Besitzer der Waffe im Rahmen des geltenden US-Rechts gegen einen etwaigen rechtswidrigen Angriff verteidigen muss.[9] Angesichts von fast 15.000 getöteten und über 26.000 verletzten Menschen durch Schusswaffengewalt im vergangenen Jahr sowie (bis gestern) bereits 224 gemeldeten Fällen von Mass Shootings allein in diesem Jahr,[10] wirkt diese Antwort auf mich zynisch und wird der Verantwortung eines Kleinwaffenherstellers nicht gerecht.
- Warum setzten Sie ihre unverantwortliche Marketingstrategie fort und warum unterstützen Sie mit dieser trotz der bekannten Fakten weiterhin das gefährliche Narrativ, zivile Schusswaffen würden ihre Besitzer*innen sicherer machen und dienten ausschließlich der persönlichen Selbstverteidigung? Sind Ihnen die Untersuchungen und Fakten nicht bekannt oder ignorieren Sie sie?
- Wie wenden Sie Ihre Grüne-Länder-Strategie auf das Geschäft mit zivilen Kunden an?
Auch bezüglich des Schmuggelrisikos von in den USA legal erworbener Schusswaffen nach Mexiko, müssen wir unsere Kritik aus dem letzten Jahr wiederholen und bedauern, dass Heckler & Koch augenscheinlich keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen hat.
Im Oktober 2022 hat die mexikanische Regierung eine Klage gegen fünf Waffenhändler aus Arizona eingereicht, die sie beschuldigt, am illegalen Waffenschmuggel nach Mexiko beteiligt zu sein. Demnach wurden in Mexiko sichergestellte Tatwaffen auf Händler in Arizona zurückgeführt. Die Beschuldigten gehören zu den Top 10, auf die die meisten Tatwaffen zurückgeführt werden konnten – ein Indikator für illegalen Handel. Der Fall befindet sich derzeit in der Phase der Beweisaufnahme.
Anstatt solche Händler konsequent zu meiden, verweist Heckler & Koch auf seiner US-Internetseite bei der Händler-Suche (Stand gestern) weiterhin auf zwei der fünf Beschuldigten. Auf unsere letztjährige Kritik daran erwiderten Sie, dass das Unternehmen sein zertifiziertes Händlernetzwerk ausschließlich auf Basis geltenden US-Rechts beliefere. H&K könne aber nicht verhindern, wenn Einzelne Gesetze missachten oder legal in den USA erworbene H&K-Waffen nach Mexiko transportiert werden. Anstatt Verantwortung zu übernehmen und mindestens beschuldigte Händler auszuschließen oder besonders vom Waffenschmuggel betroffene Gebiete zu meiden, fährt Heckler & Koch eine „business as usual“-Strategie. Dies widerspricht Heckler & Kochs eigener Maxime, im Zweifel lieber von einem Geschäft Abstand zu nehmen.
- Welche Kontrollmechanismen nutzt Heckler & Koch USA, um Risiken zu reduzieren, dass über den US-Zivilmarkt verkaufte Waffen illegal weitergegeben oder nach Mexiko geschmuggelt werden? Haben Sie geprüft, sich von beschuldigten Händlern zu trennen oder planen Sie dies? Wenn nicht, warum nicht?
- In einem in der Klage genannten Fall verkaufte beispielsweise Sprague’s Sports drei Tage hintereinander mehrere Waffen an denselben Mann, was auf Strohmannverkäufe hindeutet. Warum verweisen Sie in der Händlersuche auf einen solchen Händler als premium dealer?
- Hat Heckler & Koch seit 2024 Händlerbeziehungen beendet oder eingeschränkt, weil Risiken hinsichtlich illegaler Weitergabe oder Schmuggel bestanden? Falls nein: Warum nicht? Warum verweisen Sie zum Beispiel in der Händlersuche im Gegensatz zum letzten Jahr nicht mehr auf The Hub in Tucson?
- Es gibt mittlerweile unterschiedliche Studien über die Herkunft von auf dem US-Markt erworbenen und anschließend nach Mexiko geschmuggelten Waffen. Demnach werden Waffen, die in Mexiko sichergestellt wurden, beispielsweise besonders häufig in Arizona gekauft. Kennen Sie solche Studien zu den Mustern des Schmuggels und nutzen Sie sie bei der Risikobewertung von Händlern? Wenn nicht, warum nicht und welche anderen Kriterien lassen Sie einfließen? Gibt es überhaupt eine Risikobewertung von Händlern, die bei der Händlersuche aufgeführt werden? Erläutern Sie bitte interne Prüfverfahren und potenzielle Ausschlusskriterien.
Meine weiteren Fragen:
- Welches Verkaufsvolumen streben Sie im laufenden Geschäftsjahr (2026) im US-Behörden und im US-Zivilmarkt an?
- 2004 hat Heckler & Koch einer Pressemitteilung zufolge einen Mehrjahresauftrag mit einem potenziellen Auftragswert von bis zu 26 Millionen US-Dollar vom U.S. Department of Homeland Security (DHS) Office of Immigration and Customs Enforcement (ICE) erhalten. Laut Menschenrechtsorganisationen begehen Angehörige der Einwanderungsbehörde ICE derzeit großflächig und ungestraft Menschenrechtsverletzungen. Die Bilder vom Tod von Renee Good und Alex Pretti haben wir sicherlich alle noch vor Augen. Kann Heckler & Koch ausschließen, dass ICE bei Menschenrechtsverletzungen auch Heckler & Koch-Waffen nutzt? Wann wurden ICE-Einheiten zuletzt mit Heckler & Koch Waffen beliefert? Gibt es derzeit noch laufende Verträge und zieht Heckler & Koch in Erwägung von diesen zurückzutreten?
- Waren im vergangenen und laufenden Geschäftsjahr H&K Ingenieur*innen oder Entwickler*innen des deutschen Standorts temporär auch im US-Standort tätig?
- Wurden im letzten Geschäftsjahr 2025 und bisher in 2026 H&K-Waffen über den US-Standort in andere Länder exportiert; wenn ja welcher Waffentyp und wohin wurden diese exportiert? Wurde über andere H&K Standorte außerhalb Deutschlands exportiert?
- Gibt es neben der CC9 weitere in den USA entwickelte und produzierte Pistolen oder Gewehre, die für einen potenziellen Export, keine deutsche Exportgenehmigung bedürfen? Falls nicht, planen Sie weitere solcher lokalen Entwicklungen?
- Unter den Waffen, die Heckler & Koch exportiert: Wie hoch ist der Anteil der Waffen, die unter Kleinwaffen, Leichte Waffen fallen und derjenigen, die als Handfeuerwaffen keine Exportgenehmigung nach Kriegswaffenkontrollgesetz benötigen?
- Planen Sie auf DSEI Germany 2027 in Hannover auszustellen?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
[1] Konzernabschluss und Konzernlagebericht der H&K AG 2025, S. 57.
[2] https://www.heckler-koch.com/de/News/Pressemitteilungen%20De/2026/Finanzzahlen%202025
[3] https://hk-usa.com/magapalooza/
[4] https://www.politico.com/news/2020/11/11/maga-rally-washington-dc-435958
[6] https://publichealth.jhu.edu/center-for-gun-violence-solutions/research-reports/gun-violence-in-the-united-states#firearm-ownership-and-safety und https://publichealth.jhu.edu/center-for-gun-violence-solutions/solutions/regulation-of-public-carry-of-firearms.
[7] https://www.americanprogress.org/article/debunking-the-guns-make-us-safer-myth/#:~:text=The%20truth%20is%20that%20guns,in%20a%20gun%2Dfree%20household oder https://vpc.org/press/guns-rarely-used-to-kill-criminals-or-stop-crimes-new-vpc-report-shows/
[8] https://vpc.org/press/guns-rarely-used-to-kill-criminals-or-stop-crimes-new-vpc-report-shows/
[9] https://www.ohne-ruestung-leben.de/nachrichten/article/heckler-koch-hauptversammlung-2025-kritische-aktionaere-usa-mexiko-kleinwaffen-724.html







