Zu Tagesordnungspunkt 3: Entlastung der Mitglieder des Vorstands
Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, die Mitglieder des Vorstandes nicht zu entlasten.
Begründung:
Der Vorstand wird weiterhin seiner Verantwortung und insbesondere zu seinen eigenen Bekenntnissen zu Sicherheit und Nachhaltigkeit nicht gerecht. Weiterhin rüstet Hensoldt Kunden aus, die Menschenrechte verletzen oder autokratische Staaten unterstützen.
Der falsche Weg wird fortgesetzt
Bei der Hensoldt AG sind die Auftragsbücher prall gefüllt. Im Jahr 2025 hat der Konzern das Auftragsvolumen des Vorjahres um 62 Prozent gesteigert und verfügt nun über einen Auftragsbestand von 8,8 Milliarden Euro. Neben dem Heimatmarkt Deutschland und Europa möchte Hensoldt auch „ausgewählte, attraktive Märkte weltweit“ bedienen – darunter ausdrücklich Indien und den Nahen Osten. Künftig sollen 20 Prozent des Umsatzes auf globalen Märkten außerhalb Europas erzielt werden.
Trotz boomender Auftragslage im Inland und in Europa kalkuliert Hensoldt also den Export in problematische Drittstaaten bereits fest ein. Das Unternehmen präsentiert sein Produktportfolio auf Rüstungsmessen in Saudi-Arabien (World Defense Show 2026) und in den Vereinigten Arabischen Emiraten (IDEX 2025). Für Aufträge aus der Region nutzt der Konzern seinen Produktionsstandort in Südafrika, von dem aus er mehr als 40 Länder beliefert – mit einem klaren Schwerpunkt auf dem Nahen Osten. Dieser soll künftig nicht nur beliefert, sondern auch mit lokaler Fertigung und Technologietransfer erschlossen werden.
All das ermöglicht es dem Hensoldt-Konzern, sich von deutschen Exportregeln unabhängiger zu machen, um Nachfragen aus aller Welt bedienen zu können – eine Strategie, die vor allem auf Gewinnmaximierung abzielt.
Auffällig ist zudem der Vertriebsstandort in Indien, da Hensoldt in den vergangenen Jahren augenscheinlich auch Geschäfte in Pakistan machte. Gleichzeitig mit zwei Atommächten zu kooperieren, zwischen denen es immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen kommt, ist eine riskante und verantwortungslose Strategie.
Hochproblematische Partnerschaften mit Indien und im Nahen Osten
Auf seiner Website beschreibt Hensoldt sich selbst als „zuverlässigen Verbündeten auf Indiens Weg zur Eigenständigkeit in der Verteidigungstechnologie“. Auf der Dubai Airshow 2025 unterzeichnete Hensoldt eine Vereinbarung mit der indischen Hindustan Aeronautics Limited über Hinderniswarnsysteme für Militärhubschrauber. Die Partnerschaft umfasst Technologietransfer, gemeinsame Nutzung von geistigem Eigentum und lokale Fertigung – einschließlich des Rechts, „die Lösung weltweit zu exportieren“. Dass Indien dem Arms Trade Treaty (ATT), der Mindeststandards für den internationalen Waffenhandel formuliert, bis heute nicht beigetreten ist, scheint Hensoldt dabei nicht zu stören.
Im Nahen Osten unterhält Hensoldt Standorte in Saudi-Arabien und den VAE und will seine Präsenz dort Medienberichten zufolge weiter ausbauen. Im September 2025 unterzeichnete Hensoldt Südafrika einen Vertrag mit der Saudi Arabian Military Industries Advanced Electronics Company (SAMI-AEC), einem Teil des staatlichen saudischen Rüstungskonzerns, zur Stärkung der elektronischen Kampffähigkeiten Saudi-Arabiens – inklusive lokaler Kompetenzentwicklung. Zu den VAE heißt es auf der Hensoldt-Website, man habe dazu beigetragen, „Wissen zu transferieren und lokales Know-how zu entwickeln“.
Saudi-Arabien und die VAE haben durch ihre Kriegsführung im Jemenkrieg gezeigt, dass sie bereit sind, humanitäres Völkerrecht zu verletzen. Den VAE wird zudem wiederholt vorgeworfen, Waffenembargos zu brechen – zuletzt im Sudan durch die Unterstützung der RSF-Miliz.
Indem Hensoldt auf Technologietransfer und lokale Fertigung setzt, gibt der Konzern jegliche Exportkontrolle aus der Hand und hilft Autokraten beim Aufbau eigener Rüstungskapazitäten. Wie das mit dem Bekenntnis vereinbar sein soll, die Einhaltung internationaler Menschenrechtsverpflichtungen habe für Hensoldt „hohe Priorität“, bleibt unbeantwortet.
Zu Tagesordnungspunkt 4: Entlastung der Mitglieder des Aufsichtsrats
Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, die Mitglieder des Aufsichtsrats nicht zu entlasten.
Begründung:
Der Aufsichtsrat ist seiner Aufgabe als Kontrollorgan des Vorstands nicht hinreichend nachgekommen. Er hat es versäumt, auf ein Ende von Geschäftsbeziehungen mit Kunden hinzuwirken, die Menschenrechte verletzen oder autokratische Staaten unterstützen.
Korruptionsverdacht: Profit vor Compliance
Die Geschäftspraktiken von Hensoldt stehen auch wegen der zweifelhaften Wahl von (Vertriebs-)Partnern in Risikoländern und mangelnder Wirksamkeit interner Kontrollmechanismen in der Kritik. Im Zentrum stehen insbesondere zwei Geschäfte in Uganda und Katar, bei denen trotz Warnungen durch die hausinterne Compliance-Abteilung Lieferungen erfolgt sind.
2020 lieferte Hensoldt elf MILDS Block 2 Sensorsysteme an die ugandische Luftwaffe, obwohl die Compliance-Abteilung das Korruptionsrisiko als „sehr hoch und kritisch“ einstufte. Der Deal wurde über den israelischen Rüstungshändler Bird Aerosystems und dessen lokal gut vernetzten Partner Boaz Badichi abgewickelt. Trotz Warnungen vor möglichen Bestechungszahlungen wurde eine empfohlene Prüfung nicht abgewartet, sondern direkt geliefert.
In Katar war Hensoldt an der Lieferung eines COBRA-Artillerieortungsradars beteiligt, vermittelt über die Firma MSC, die eng mit der katarischen Herrscherfamilie und dem Militär verbunden war. Obwohl unternehmensinterne Regeln Geschäfte mit politisch exponierten Personen explizit untersagen, wurden Zahlungen an MSC genehmigt – mit Verweis auf fehlende konkrete Beweise für Korruption.
In beiden Fällen hat sich hausintern der Vertrieb gegen die Compliance-Einwände durchgesetzt, was strukturelle Schwächen im unternehmensinternen Kontrollsystem offenlegt und Zweifel an Hensoldts Umgang mit ethischen Standards verstärkt.







