HHLA AG Pressemitteilung Hauptversammlung 2026 Governance

HHLA AG: Nach Squeeze-out Machtverschiebung zugunsten von MSC

Pressemitteilung des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zur Hauptversammlung 2026 der HHLA AG am 11.06.2026

Erschrockene Hamburger Bürger*innen beobachten, wie der MSC-Raubfisch das HHLA-Fischchen verschlingt. (KI-generiertes Bild des Dachverbands)

Köln/Hamburg, den 10. Juni 2026 – Auf der morgigen Hauptversammlung der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) erhebt der Dachverband der Kritischen Aktionäre schwere Vorwürfe gegen die Konzernführung. Im Fokus der Kritik stehen der Ausschluss der Minderheitsaktionäre durch einen Squeeze-out, die umstrittene Neubesetzung der Aufsichtsratsspitze und die Sorge um einen lascheren Umgang mit Klimaschutz und den Interessen der Beschäftigten durch den Einstieg der Mediterranean Shipping Company (MSC).

Das Ende der „Bürger-HHLA“ durch Squeeze-out
Mit dem geplanten Squeeze-out der verbliebenen der Minderheitsaktionäre geht die Ära der „Bürger“-HHLA zu Ende. Nachdem die Stadt Hamburg und die Schweizer Reederei MSC über 95 Prozent der Anteile halten, sollen nun die restlichen fünf Prozent zwangsweise abgefunden und aus dem Unternehmen gedrängt werden. „Zwar liegt die Abfindung mit 21,16 Euro über dem ursprünglichen, als ´mager´ kritisierten Angebot von MSC, doch markiert dieser Schritt einen bitteren Meilenstein“, sagte Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionär*innen. „Das Kapitel der börsennotierten ´Bürger-HHLA´ wird geschlossen. Es entsteht ein intransparentes Macht-Duopol, das fundamentale Fragen zur demokratischen Kontrolle der strategischen Hamburger Infrastruktur aufwirft. Wie große Teile der Belegschaft und Hamburger Bürgerschaft halten auch wir den Einfluss der Mediterranean Shipping Company (MSC) für gefährlich.“

Kompetenzmangel an der Aufsichtsratsspitze
Der Dachverband kündigte bereits in seinen Gegenanträgen an, gegen die Wahl von Marcus Vitt in den Aufsichtsrat zu stimmen. „Dem Kandidaten fehlt die operative und strategische Erfahrung in der Hafenwirtschaft und Logistik“, sagte Dufner. „In einer Phase, in der die HHLA vor historischen Transformationen wie der Terminal-Automatisierung und der Dekarbonisierung steht, ist die Berufung eines reinen Finanzmediators ohne maritime Fachkenntnis ein riskantes Signal. Es steht zu befürchten, dass fachliche Expertise politischen Kompromissen zwischen der Stadt und MSC geopfert wird.“

Beschäftigte dürfen bei der Transformation nicht aus dem Blick geraten
Der Dachverband kritisiert zudem den Umgang der HHLA mit den sozialen Herausforderungen der tiefgreifenden Transformation des Unternehmens. „Automatisierung und Digitalisierung werden nur dann erfolgreich sein, wenn die Beschäftigten auf diesem Weg mitgenommen werden“, sagte Matthias Bachmann, Mitarbeiter des Dachverbands. Die HHLA treibt nicht nur die Veränderung ihrer Eigentümer- und Konzernstruktur, sondern auch die Automatisierung ihrer Terminals und die Digitalisierung ihrer Prozesse mit hohem Tempo voran. „Gerade in einer solchen Situation erwarten wir einen besonderen Fokus auf Mitbestimmung, Arbeitsschutz und soziale Sicherheit“, so Bachmann. Gewerkschaften und Beschäftigtenvertretungen hätten bereits beim Einstieg von MSC vor steigendem Kostendruck, Rationalisierungsmaßnahmen und einer möglichen Schwächung der Mitbestimmung gewarnt. Diese Sorgen seien angesichts des angekündigten Squeeze-outs und des wachsenden Einflusses von MSC keineswegs ausgeräumt.

Steigende Emissionen trotz Klimazielen
Auch die Klimastrategie der HHLA überzeugt den Dachverband nicht. Zwar verfolgt das Unternehmen das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden. Die Entwicklung im Geschäftsjahr 2025 wirft jedoch Fragen an die Glaubwürdigkeit dieses Ziels auf. So stiegen die direkten Scope-1-Emissionen der HHLA im vergangenen Jahr um 8 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich auch der Verbrauch fossiler Energieträger wie Diesel, Benzin und Heizöl um 8,5 Prozent. „Besonders kritisch sehen wir, dass die Emissionen ausgerechnet in einer Phase steigen, in der die HHLA erhebliche Mittel in die Modernisierung und Automatisierung ihrer Anlagen investiert“, erläuterte Bachmann. „Wer technologische Fortschritte als Grundlage der Transformation hervorhebt, muss sich auch daran messen lassen, ob diese zu einer tatsächlichen Verringerung der Umweltbelastungen beitragen.“ Vor diesem Hintergrund bezweifelt der Dachverband, dass die HHLA mit den bislang ergriffenen Maßnahmen auf einem glaubwürdigen Pfad zur Klimaneutralität bis 2040 ist.

Marine Biodiversität: Mehr als Lippenbekenntnisse gefordert
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schutz von Meeressäugern. Jährlich sterben schätzungsweise 20.000 Wale durch Kollisionen mit Schiffen. „Durch die Partnerschaft mit der weltgrößten Reederei MSC trägt die HHLA eine Mitverantwortung für den Schutz der Meere“, stellte Dufner fest. Wir fordern, dass Nachhaltigkeitsberichte nicht bei Lippenbekenntnissen stehen bleiben dürfen. Die HHLA muss ihre Hebelwirkung nutzen, um verbindliche Kriterien für anlaufende Reedereien durchzusetzen, den Einsatz von KI-Frühwarnsystemen wie WhaleSpotter zu prüfen und klare Reduktionsziele für Unterwasserlärm zu definieren. Wirtschaftliches Handeln darf nicht an der Kaimauer enden; der Schutz mariner Biodiversität muss integraler Bestandteil der Konzernstrategie werden.“

Virtuelle Hauptversammlung als Dialog-Sperre
Seit nunmehr sieben Jahren verweigert die HHLA den direkten, physischen Austausch mit ihren Anteilseignern. Was 2020 als pandemiebedingte Notlösung begann, hat sich nach Ansicht des Dachverbands zum „Dauer-Schutzschild“ des Vorstands gegen kritische Stimmen entwickelt. „Durch das rein virtuelle Format wird der demokratisch gebotene Austausch zwischen den Aktionär*innen systematisch behindert und das höchste Organ der Aktiengesellschaft zu einer digitalen Einbahnstraße degradiert“, mahnte Dufner. „Wir werten dies als bewusste Beschneidung von Aktionärsrechten und Flucht vor dem ungefilterten Dialog.“

Gegenanträge des Dachverbands: https://www.kritischeaktionaere.de/hhla/machtverschiebung-zugunsten-von-msc-und-neuer-aufsichtsratsvorsitzender-ohne-maritime-kompetenz-gegenantraege-zur-hauptversammlung-der-hhla-ag-2026/

Kontakt:
Markus Dufner, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Tel. 0221/5995647, Mobil-Tel. 0173-713 52 37, dachverband@kritischeaktionaere.de

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