Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats,
sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
ich bin Tilman Massa, ich spreche für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Mit den uns übertragenen Stimmrechten fordern wir von KWS deutlich effektivere Maßnahmen zur Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe, gegen die Klimakrise sowie für den Schutz der Umwelt und Biodiversität ein.
Angesichts der immer deutlicher werdenden Auswirkungen der Klima- und Biodiversitätskrise erwarten wir von Ihnen deutlich mehr Investitionen und Unterstützung der Landwirtschaft – vor allem mittel- und langfristig. Aber auch schon von Ihrem heutigen Dividendenvorschlag sollte mehr in Zukunftsinvestitionen für ein nachhaltiges Ernährungssystem fließen.
Probleme und Abhängigkeiten durch Konzentration im Saatgut-Markt
Eingangs sollte ich klarstellen: Wir sehen in Bezug auf Saatgut deutlich mehr Verantwortung bei Ihren „großen“ Konkurrenten Bayer und BASF, auf deren Hauptversammlungen kritisieren wir deren Ausnutzen von Marktmacht auch sehr deutlich. Denn wie der Pestizid-Markt ist auch der Saatgut-Markt weltweit zu stark konzentriert; Bayer, BASF, Syngenta und Corteva haben zusammen Marktanteile von deutlich über der Hälfte. Die Folgen dieser Konzentration sind bekannt: Höhere Saatgutpreise und stark gestiegene Abhängigkeiten bei landwirtschaftlichen Betrieben von wenigen Pestiziden und entsprechend resistentem Saatgut.
Landwirtinnen und Landwirte leiden aber auch durch die Preissetzungsmacht der Supermärkte. Die schädlichen Folgen für die Landwirtschaft der Konzentration auf die vier Ketten REWE, Edeka, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland hat gerade auch erst das Sondergutachten der Monopolkommission bestätigt: Die Gewinne durch hohe Lebensmittelpreise bleiben im Einzelhandel und kommen nicht in der Landwirtschaft an. Wer den wütenden Protesten von Landwirtinnen und Landwirten im letzten Jahr Aufmerksamkeit geschenkt hat, wird die konkreten Probleme durch Marktkonzentration und Konzernmacht nicht ignorieren können.
Nun würden Sie sicher sagen: Wie gut und sinnvoll ist es doch für den Wettbewerb und landwirtschaftliche Betriebe, dass es neben Bayer und BASF immerhin noch KWS gibt. Und ich würde Ihnen dabei eigentlich auch alles Gute für das Bestehen im Wettbewerb wünschen. Aber auch Ihr Verhalten lässt einige Parallelen zum schädlichen Verhalten Ihrer großen DAX-Kollegen erkennen, gerade in Bezug auf Patente, die sich negativ auswirken. Beim Thema Patente scheinen Sie ja laut Geschäftsbericht nur negative Berichterstattung und Reputationsrisiken zu fürchten, anstatt auf die Ursachen einzugehen oder der Kritik mit inhaltlichen Argumenten zu begegnen. Daher erlauben Sie mir folgende Fragen:
Kritik im Umgang mit Patenten auf Saatgut
Abgesehen von dem Umstand, dass theoretisch kein Landwirtschaftsbetrieb Saatgut kaufen müsste, da es sich selbst reproduziert, wenn da nicht Ihr Hybdridsaatgut im Spiel wäre: Durch Patente auf genmanipuliertes Saatgut müssen landwirtschaftliche Betriebe Saatgut immer neu einkaufen oder eine Lizenzgebühr entrichten.
Sie scheinen nun sogar noch einen Schritt weiterzugehen: Sie beantragen auch Patente für konventionell gezüchtete Pflanzen, obwohl dies eigentlich verboten ist. Trotzdem hat das Europäische Patentamt bereits Hunderte solcher Patente für konventionell gezüchtete Pflanzen erteilt. Können Sie bestätigen, dass auch Sie Patentanträge so formulieren, dass herkömmlich gezüchtete Pflanzen wie technische Erfindungen von Ihnen wirken und Sie daher ein Patent auf entsprechendes Saatgut für sich beanspruchen?
Nutzen Sie in Bezug auf die neue Gentechnik auch ein neues Schlupfloch, in dem Sie Patente auf Saatgut beantragen, das sich zwar auch mithilfe neuer Gentechnik erzeugen ließe, selbst wenn die Eigenschaften auch durch klassische Züchtung entstehen bzw. bereits durch klassische Züchtung entstanden sind? Hier bitte ich um eine eindeutige Antwort.
In Ihrem Patent auf Mais mit höherer Verdaulichkeit scheint Ihnen genau das gelungen zu sein: Obwohl die entsprechenden Genvarianten in bestimmten Maispflanzen entdeckt und durch Ihre konventionellen Sorten eingezüchtet wurden, beanspruchen Sie ein Patent, dass Bezug auf neue Gentechnik nimmt. Ihr Patent gilt für den Pflanzentyp unabhängig davon, ob die Eigenschaften gezielt durch Gentechnik entstanden sind oder zufällig in der Natur vorkommen. So erhalten Sie die Kontrolle über die konventionelle Züchtung.
Die Folge: Setzt ein landwirtschaftlicher Betrieb nun Sorten ein, die von Ihnen, von KWS patentiert worden sind, benötigt er eine Lizenz, sonst drohen langwierige und teure Patentklagen. Für Bäuer*innen kann das oft existenzbedrohend werden. Solche Klagen sind auch möglich, wenn das patentierte Saatgut unwissentlich auf dem Feld gelandet ist, zum Beispiel durch Windverwehung von Nachbarfeldern.
Hatten Sie aktuell oder im letzten Geschäftsjahr solche Klagen gegen solche angebliche Patentrechtsverletzungen angestrengt? Wenn ja, wie viele und wie ist der aktuelle Stand?
Wie beurteilen Sie den Umgang Ihrer Konkurrenz mit Saatgut-Patenten: Würden Sie sich als freundlicher gegenüber de Landwirtschaft sehen und gar prinzipiell von solchen Klagen absehen?
Wir beurteilen Sie Ihren Umgang in Bezug auf Patente und die Konzentration im Saatgut-Markt gegenüber kleinen Produzenten von Saatgut?
Sehen Sie politische und rechtliche Risiken in welchem finanziellen Umfang für Ihr aktuelles und zukünftiges Geschäftsmodell, sollte die Schlupflöcher bei der Patentvergabe geschlossen werden?
Sind diese Probleme und Kritikpunkte auch Teil Ihrer Förderung von Bildung im Bereich Landwirtschaft und Ernährung und wenn ja, inwiefern?
Fragen zum Klimaschutz, Biodiversität und Nachhaltigkeit allgemein
Halten Sie Ihr Ziel zur Steigerung der Sortenvielfalt bis 2030 auf gerade einmal 27 Kulturarten in Ihren Züchtungsprogrammen nicht für wenig ambitioniert? Was sind die Gründe, weshalb sie im letzten Geschäftsjahr nicht mehr 23, sondern nur noch 22 Kulturarten in Ihren Züchtungsprogrammen haben? Wie ist der aktuelle Stand?
Sie wollen im Rahmen der Digitalisierung Ihr Angebot an digitalen Produkten und Tools erweitern. Wie abhängig sind Sie dabei von welchen Software-Konzernen?
Insbesondere Ihre direkten Treibhausgasemissionen haben sich um 11 Prozent erhöht. Als Gründe nennen Sie auf gestiegene Emissionen aus Diesel- und Scope-1-Düngerverbräuchen an Ihren Produktions- und Züchtungsstationen. Welche konkreten Maßnahmen ergreifen Sie, um Ihre Klimaziele für 2030 noch erreichen zu können?
Planen Sie, für das aktuelle Geschäftsjahr auch nach den neuen EU-Nachhaltigkeitsberichtsstandards ESRS zu berichten? Wenn ja, mit welchen Kosten rechnen Sie dadurch?
Wie ist Ihre Position zum Mercosur-Abkommen und zu den aktuellen Prozessen rund um das Lieferkettengesetz, Berichtspflichten und die sog. „Omnibus“-Prozesse der EU?
Fragen zu Geschäftstätigkeiten in der Ukraine und Russland
Sie sind sowohl in Russland als auch der Ukraine tätig. Was unternehmen Sie konkret für den Schutz Ihrer Beschäftigten in der Ukraine? Haben Sie hier Todesfälle zu beklagen?
Ihre Geschäftstätigkeiten in Russland umfassten im Geschäftsjahr 2024/2025 9,1 Prozent der Konzernumsatzerlöse, es gab sogar eine leichte Steigerung.
In Ihrem Geschäftsbericht sehen Sie ein Risiko durch die Bestrebungen des russischen Landwirtschaftsministeriums zur verstärkten Lokalisierung und Kontrolle des lokalen Saatgutmarktes in Russland. Welche Konsequenzen ziehen Sie hieraus?
Planen Sie hier einen Ausstieg? Welche Risiken sehen Sie auf mögliche Sanktionen der EU? Wie stellen Sie sicher, nicht indirekt durch Steuern etc. an der Finanzierung eines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges mit Gräueltaten und Kriegsverbrechen involviert zu sein? Wurden Beschäftigte von Ihnen für den Kriegsdienst eingezogen?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.








