
Gewinne vieler Aktiengesellschaften entstehen entlang globaler Lieferketten. Dort arbeiten Menschen oft unter unsicheren Bedingungen, sind gesundheitlichen Risiken ausgesetzt und erhalten Löhne unter dem Existenzminimum. Während Vorstände weit entfernt entscheiden, tragen die Menschen vor Ort die Folgen. Die Hauptversammlung ist der Moment der Rechenschaft – nicht nur bei Bilanzfragen. Das Beispiel Alzchem zeigt, wie wir gemeinsam die Belange der Betroffenen auf die Tagesordnung setzen können.
Auf Hauptversammlungen haben Aktionärinnen das Recht, Fragen zu stellen und Missstände anzusprechen. Wir nutzen dieses Recht und zwingen die Vorstände zu einer Reaktion, indem wir sie mit konkreten Fällen von Menschenrechtsverletzungen und Umweltproblemen in der Lieferkette konfrontieren. Dabei sprechen wir nicht über Betroffene, sondern arbeiten mit ihnen zusammen: mit Initiativen, Gewerkschaften und Menschenrechtsaktivist*innen entlang der Lieferketten. Gemeinsam bringen wir ihre Erfahrungen und Forderungen direkt vor die Vorstände.
So etwa beim Chemiekonzern Alzchem, der Pestizide wie Dormex unter anderem nach Südafrika exportiert, die für den Einsatz innerhalb der Europäischen Union als zu gefährlich gelten. Auch Bayer und BASF nutzen dieses Schlupfloch aus. Warum diese Exporte und Doppelstandards beim Gesundheitsschutz aufhören müssen, schilderte die ehemalige Landarbeiterin und heutige Aktivistin Dina Ndleleni eindrücklich mit unserem Rederecht auf der virtuellen Alzchem-Hauptversammlung 2025. Selbst mit Schutzausrüstung werden Grenzwerte des krebserregenden Wirkstoffs um mehr als das 60-fache überschritten.
„2022 wurde ich bei meiner Arbeit mit Dormex vergiftet. Meine Lunge wurde so stark geschädigt, dass ich meinen Arbeitsplatz und mein Einkommen verlor, weil ich arbeitsunfähig geworden bin. Wenn die Landwirte hier mit Hubschraubern aus der Luft Pestizide versprühen, muss ich mich bei geschlossenen Fenstern und Türen in meinem Haus verstecken, um mich zu schützen.“

Damit Konzerne Verantwortung übernehmen
Ein Exportverbot für in der EU verbotene Pestizide bleibt unser Ziel. Doch wir warten nicht darauf, dass Unternehmen wie Alzchem, Bayer und BASF freiwillig handeln. Deshalb bringen wir solche Fälle auf Hauptversammlungen. Denn dort müssen Vorstände Stellung beziehen – vor Investor*innen, Medien und Öffentlichkeit.
Sie erklären ihr Handeln, rechtfertigen Entscheidungen und reagieren auf konkrete Vorwürfe. Ausflüchte reichen nicht mehr: Vorstände müssen antworten und sich der Kritik stellen. Genau hier setzt Veränderung ein. Hauptversammlungen gehören zu den wenigen Orten, an denen Konzerne Rechenschaft ablegen müssen. Hier zeigt sich, wie ernst sie Klimarisiken, Menschenrechte und Umweltstandards nehmen.
Unternehmen, die sich ernsthaft engagieren, dürfen mit ihren Aufgaben nicht allein bleiben. Verantwortung darf kein Wettbewerbsnachteil sein. Deshalb setzen wir uns für klare gesetzliche Regeln ein, etwa ein wirksames Lieferkettengesetz und ein EU-weites Exportverbot hochgefährlicher Pestizide, das für alle Konzerne gilt.

Konzernatlas 2026: Wer Lieferketten kontrolliert
Wenige Konzerne kontrollieren große Teile der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie, von Saatgut und Pestiziden bis zum Lebensmitteleinzelhandel. Gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem BUND haben wir den Konzernatlas 2026
herausgegeben.
Er zeigt, wie diese Marktmacht globale
Lieferketten prägt und welche Folgen das für Menschenrechte, Umwelt und Preise hat. Wir stellen auch erfolgreiche Initiativen für gelebte Ernährungsdemokratie als Alternativen vor.
Den Konzernatlas können Sie kostenlos bestellen unter: kritischeaktionaere.de/konzernatlas







