Mercedes-Benz Group AG Hauptversammlung 2026

„Ist Mercedes-Benz bereit, alles zu tun, um auszuschließen, von Konfliktrohstoffen – insbesondere Gold aus dem Sudan – zu profitieren?“: Rede von Dr. Ibrahim Khattab, Sudan Club Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands und des Aufsichtsrats,

der Krieg im Sudan ist derzeit die schwerste humanitäre Krise weltweit. Gleichzeitig ist er kein isoliertes Ereignis, sondern eng verbunden mit ökonomischen Strukturen – insbesondere mit der Kontrolle und dem Handel von Rohstoffen wie Gold.

Dieser Rohstoff ist heute eine der zentralen Finanzierungsquellen bewaffneter Akteure. Große Teile des sudanesischen Goldes werden über internationale Märkte exportiert und gelangen so in globale Lieferketten.

Vor diesem Hintergrund stellt sich eine grundlegende Frage: Welche Verantwortung tragen Unternehmen wie Mercedes-Benz, wenn ihre Lieferketten potenziell mit solchen Konfliktökonomien verknüpft sind?

Ich möchte daher gezielt auf Ihre Risikoanalysen, Ihre Lieferkettenverantwortung und Ihre konkrete Praxis im Umgang mit Konfliktrohstoffen eingehen.

Block 1: Risikoanalysen & Sudan-Bezug

Hat Mercedes-Benz im Sinne des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes sowie der OECD-Leitsätze eine spezifische Risikoanalyse zu Rohstoffen aus Konflikt- und Hochrisikogebieten durchgeführt – insbesondere mit Blick auf den aktuellen Krieg im Sudan?

Wenn ja: Zu welchen konkreten Ergebnissen sind Sie hinsichtlich Ihrer eigenen Exposition gegenüber Konfliktrohstoffen gekommen?

Wenn nein: Warum nicht, trotz der offensichtlichen und gut dokumentierten Risiken?

Block 2: Widerspruch in Ihrer Strategie („Befähigung vor Rückzug“)

Sie schreiben in Ihrem Geschäftsbericht, dass Sie Hochrisikogebiete nicht pauschal ausschließen, sondern dem Prinzip „Befähigung vor Rückzug“ folgen.

Wie stellen Sie konkret sicher, dass dieser Ansatz nicht dazu führt, dass Lieferketten aufrechterhalten werden, die zur Finanzierung von Konflikten beitragen – wie aktuell im Sudan?

Haben Sie im Kontext des Sudan-Krieges konkret Geschäftsbeziehungen überprüft oder beendet? Wenn ja, in welchem Umfang und aus welchen Gründen?

Block 3: Gold als zentraler Konfliktrohstoff

Gold spielt eine zentrale Rolle in der Finanzierung des Krieges im Sudan.

Daher frage ich Sie:

Können Sie ausschließen, dass Gold aus dem Sudan – direkt oder indirekt – Bestandteil Ihrer Lieferketten ist?

Welche konkreten Rückverfolgbarkeitsmechanismen setzen Sie ein, insbesondere bei komplexen Handelsrouten über Drittstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate?

Warum finden sich in Ihrer Berichterstattung keine spezifischen Angaben zu Gold als besonders risikobehaftetem Rohstoff?

Block 4: Umsetzung von Regulierung & Sorgfaltspflichten

Wie setzen Sie die Anforderungen der EU-Konfliktmineralienverordnung konkret um – insbesondere im Hinblick auf Gold?

Und warum erfolgt bislang keine transparente, rohstoffspezifische Berichterstattung, obwohl dies für eine nachvollziehbare Risikoanalyse zentral wäre?

Block 5: Zulieferer & tatsächliche Kontrolle

Welche konkreten Anforderungen stellen Sie an Ihre Zulieferer hinsichtlich der Herkunft und Rückverfolgbarkeit von Konfliktrohstoffen?

Wie überprüfen Sie, ob diese selbst angemessene Risikoanalysen zu Konfliktregionen wie dem Sudan durchführen?

Und welche Konsequenzen ziehen Sie, wenn dies nicht der Fall ist?

Abschlussfrage:

Ist Mercedes-Benz bereit, sich klar und überprüfbar dazu zu verpflichten, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um auszuschließen, dass das Unternehmen direkt oder indirekt von konfliktfinanzierten Rohstoffen – insbesondere Gold aus dem Sudan – profitiert?

Und wenn ja: Wie wird diese Verpflichtung konkret umgesetzt und unabhängig überprüfbar gemacht?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Dr. Ibrahim Khattab
Vorstandsvorsitzender Sudanclub Berlin

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