Porsche AG Hauptversammlung 2026

Mehr Investitionen in sozial-ökologische Transformation statt Gewinnausschüttung: Unsere Gegenanträge

Zu TOP 2: Verwendung des Bilanzgewinns

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, die von Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagene Verwendung des Bilanzgewinns abzulehnen.

Begründung:

Die Porsche AG steht vor erheblichen wirtschaftlichen und strategischen Herausforderungen. Das Geschäftsjahr 2025 war durch einen deutlichen Rückgang von Ergebnis und Profitabilität geprägt. Das operative Ergebnis sank von 5,6 Mrd. Euro auf 413 Mio. Euro, die operative Umsatzrendite von 14,1 auf 1,1 Prozent. Gleichzeitig erfordert die Transformation der Automobilindustrie hohe Investitionen in klimaverträgliche Technologien, die Dekarbonisierung von Produktion und Lieferketten.

Vor diesem Hintergrund halten wir die weitgehende Ausschüttung des Bilanzgewinns für nicht überzeugend. Aus unserer Sicht wäre es angemessener, die Investitionen zu erhöhen, um Arbeitsplätze zu sichern, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die sozial-ökologische Transformation wirksam umsetzen zu können.

Zu TOP3: Entlastung der Mitglieder des Vorstands

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, die Mitglieder des Vorstands für das Geschäftsjahr 2025 nicht zu entlasten.

Begründung:

Auch nach der Etablierung von Maßnahmen zur Reduzierung von Umwelt- und Sozialrisiken, sehen wir die Entwicklung des Unternehmens in wesentlichen Bereichen kritisch.

Als besonders fragwürdig bewerten wir die strategische Entscheidung, die Laufzeiten von Verbrenner- und Plug-in-Hybridmodellen zu verlängern und damit die ursprünglich kommunizierte Elektrifizierungsstrategie abzuschwächen. Zwar lag der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge an den Auslieferungen 2025 bei 22,2 Prozent, dennoch reagiert das Unternehmen auf die derzeitige Marktentwicklung mit einer strategischen Neuausrichtung statt mit einer konsequenten Fortführung der Transformation. Auch der Vorstand muss sehen, dass die Nachfrage nach vollelektrischen Modellen sich eben auch nach dem Angebot richtet, und hier besteht nun die Gefahr, dass Porsche den Anschluss verliert.

Das Festhalten am Verbrennungsmotor erhöht aus unserer Sicht langfristige Klima-, Regulierungs- und Wettbewerbsrisiken. Statt bestehende Klimaschutzvorgaben nachträglich aufzuweichen oder deren Umsetzung zu verzögern, sollte sich Porsche auf die beschleunigte Entwicklung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte konzentrieren.

Zudem bestehen weiterhin erhebliche menschenrechtliche und ökologische Risiken in globalen Rohstoff- und Lieferketten. Dies betrifft vor allem den fossilen Bereich von Kohle, Öl und Gas, aber auch Aluminium-, Gold-, Lithium-, Kobalt- und Nickellieferketten. So weisen mehrere Nichtregierungsorganisationen beispielsweise auf aktuelle Konflikte um Landrechte, Umsiedlungen und Umweltbelastungen im Zusammenhang mit dem Bauxitabbau in Guinea hin, der Teil globaler Aluminiumlieferketten ist. Auch bei anderen für die Automobilindustrie wichtigen Rohstoffen bestehen weiterhin erhebliche Risiken hinsichtlich Arbeitsbedingungen, Wasserverbrauch, Umweltzerstörung sowie der Rechte lokaler Gemeinschaften. Vor diesem Hintergrund halten wir zusätzliche Anstrengungen zur Stärkung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten für erforderlich. Die bisherigen Maßnahmen und deren Wirkung sind für uns nicht transparent nachvollziehbar.

Die Transformation der Automobilindustrie muss zudem nicht nur ökologisch, sondern auch sozial verantwortungsvoll gestaltet werden. Dazu gehören langfristige Beschäftigungsperspektiven, Qualifizierungsmaßnahmen und faire Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Zu TOP 4: Entlastung der Mitglieder des Aufsichtsrats

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, die Mitglieder des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2025 nicht zu entlasten.

Begründung:

Der Aufsichtsrat hat die Aufgabe, die langfristige und nachhaltige Entwicklung des Unternehmens zu überwachen.

Nach unserer Auffassung ist er dieser Verantwortung nicht ausreichend nachgekommen. Dies betrifft insbesondere die Zustimmung zur Abschwächung der Elektrifizierungsstrategie sowie die Unterstützung einer weitgehenden Ausschüttung des Bilanzgewinns trotz erheblicher Transformations- und Investitionsbedarfe.

Darüber hinaus sehen wir Defizite bei der Überwachung wesentlicher Nachhaltigkeits- und Transformationsrisiken. Dies betrifft insbesondere die strategische Reaktion des Unternehmens auf die Herausforderungen der Dekarbonisierung sowie die fortbestehenden menschenrechtlichen und ökologischen Risiken in globalen Rohstoff- und Lieferketten. Der Aufsichtsrat hätte aus unserer Sicht stärker darauf hinwirken müssen, dass die Transformation des Unternehmens konsequent, langfristig und sowohl ökologisch als auch sozial verantwortungsvoll gestaltet wird.

Kritisch sehen wir zudem die fortdauernde Aufarbeitung der Dieselthematik. Die erneute Befassung der Hauptversammlung mit einem Vergleich, der unter anderem weitreichende Haftungsverzichte gegenüber ehemaligen und aktuellen Organmitgliedern umfasst (siehe TOP 9), wirft aus unserer Sicht weiterhin Fragen hinsichtlich Verantwortungsübernahme, Corporate Governance und Aktionärsschutz auf.

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