Porsche AG Hauptversammlung 2026

„Transformation gelingt nicht durch Rückschritte bei der Elektrifizierung oder durch die Bedienung kurzfristiger Ausschüttungsinteressen“: Rede von Matthias Bachmann

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat,

ich spreche heute für den Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Das vergangene Geschäftsjahr hat deutlich gemacht, vor welchen Herausforderungen Porsche derzeit steht. Das operative Ergebnis ist von 5,6 Milliarden Euro auf 413 Millionen Euro eingebrochen. Die operative Umsatzrendite sank von 14,1 auf 1,1 Prozent.

Gleichzeitig verweist Porsche auf hohe Investitionsbedarfe für Dekarbonisierung, Batterietechnologien, Kreislaufwirtschaft, Ladeinfrastruktur und Lieferketten. Auch Sie, Herr Dr. Leiters, haben heute betont, dass die Transformation der Automobilindustrie erhebliche Investitionen und kostspielige strategische Anpassungen erfordert. Gleichzeitig kündigten Sie weitere Personalanpassungen an.

Gerade in einer solchen Situation stellt sich die Frage, wie die vorhandenen finanziellen Mittel eingesetzt werden sollen: für kurzfristige Ausschüttungen oder für die Bewältigung der anstehenden Transformationsaufgaben.

Die Transformation muss ökologisch, sozial und wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden. Dazu gehören nicht nur neue Technologien, sondern auch Investitionen in Beschäftigte, in Qualifizierungen und wirksame menschenrechtliche Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Vor diesem Hintergrund halten wir eine weitgehende Ausschüttung des Bilanzgewinns für das falsche Signal.

Entscheidend ist jedoch nicht nur, wie viel investiert wird, sondern auch wofür.

Zwei Bereiche erscheinen uns dabei besonders wichtig: die Transformation zur klimaverträglichen Mobilität aber auch die verantwortungsvolle Gestaltung globaler Rohstoff- und Lieferketten.

Besonders kritisch sehen wir daher die strategische Neuausrichtung bei der Elektrifizierung.

Porsche hat sich lange als Vorreiter der Elektromobilität präsentiert. Nun werden die Markteinführung bestimmter vollelektrischer Modelle verschoben, Verbrenner- sowie Hybridmodelle länger angeboten und zentrale Elektrifizierungsziele zurückgenommen. Porsche begründet dies mit der aktuellen Marktentwicklung und einer geringeren Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, das wurde heute schon thematisiert, unter anderen von Ihnen, Herr Dr. Leiters.

Doch Transformation gelingt nicht, indem man auf kurzfristige Markttrends reagiert. Nachfrage entsteht auch durch attraktive Produkte, überzeugende Angebote und klare Zukunftsperspektiven. Wer heute wieder stärker auf den Verbrennungsmotor setzt, riskiert morgen den Anschluss an die technologische Entwicklung zu verlieren.

Gleichzeitig räumt Porsche im ESG-Addendum selbst ein, dass das bisherige Scope-3-Klimaziel überprüft beziehungsweise angepasst werden muss. Hintergrund ist eben die veränderte Elektrifizierungsstrategie des Unternehmens. Gerade deshalb stellt sich die Frage, wie die langfristigen Klimaziele künftig erreicht werden sollen, wenn wesentliche Grundlagen ihrer bisherigen Erreichungsstrategie inzwischen verändert wurden.

Zudem zeigen verschiedene Untersuchungen bei Plug-in-Hybriden seit Jahren deutliche Unterschiede zwischen offiziellen Testwerten und dem realen Fahrbetrieb. Dies wirft die Frage auf, wie belastbar die zugrunde liegenden Annahmen für die Klimabilanz des Unternehmens tatsächlich sind.

Wir fragen daher:

Wie will Porsche seine langfristigen Klimaziele erreichen, wenn gleichzeitig zentrale Elemente der bisherigen Elektrifizierungsstrategie zurückgenommen werden?

Welche konkreten Änderungen plant Porsche bei seinem Scope-3-Klimaziel, welche Annahmen haben sich gegenüber der ursprünglichen Zielsetzung verändert und welche Auswirkungen erwartet das Unternehmen auf die künftig prognostizierten Emissionen der verkauften Fahrzeugflotte?

Welche konkreten Ziele verfolgt Porsche künftig beim Anteil vollelektrischer Fahrzeuge, nachdem das bisherige 80-Prozent-Ziel für 2030 aufgegeben wurde, und in welchem Zeitraum sollen diese erreicht werden?

Welche Erkenntnisse liegen Porsche zu den tatsächlichen Kraftstoffverbräuchen der eigenen Verbrenner- und Plug-in-Hybridflotte vor und wie unterscheiden sich diese von den WLTP-Werten, auf denen wesentliche Teile der Klimabilanz beruhen?

Ein zweiter Schwerpunkt betrifft die Rohstoff- und Lieferkettenverantwortung.

Zunächst möchte ich anerkennen, dass Porsche seine Nachhaltigkeitsberichterstattung in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut hat. Doch Transparenz allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, welche Konsequenzen daraus gezogen werden. Gerade in den tieferen Lieferkettenstufen, die Porsche selbst als besondere Herausforderung bezeichnet, entstehen häufig die schwerwiegendsten menschenrechtlichen und ökologischen Risiken.

Ein aktuelles Beispiel ist der Bauxitabbau in Guinea. Mehrere Nichtregierungsorganisationen berichten dort über Konflikte um Landrechte, Umsiedlungen und Umweltbelastungen. Bauxit ist der wichtigste Ausgangsstoff für Aluminium, das für moderne Fahrzeuge und die Elektromobilität von zentraler Bedeutung ist.

Die Transformation zu klimafreundlicher Mobilität darf jedoch nicht auf Kosten lokaler Gemeinschaften erfolgen.

Ähnliche Herausforderungen bestehen bei Gold, Lithium, Kobalt und Nickel. Hier reichen die Risiken von Konfliktfinanzierung über Umweltzerstörung und hohem Wasserverbrauch bis hin zu problematischen Arbeitsbedingungen und Eingriffen in die Rechte lokaler Gemeinschaften.

Porsche verweist hier auf sein Rohstoffmanagementsystem und verschiedene Sorgfaltsprozesse. Gleichzeitig zeigt das Unternehmen selbst die Grenzen der bisherigen Transparenz auf. Bei Konfliktrohstoffen lag die Rücklaufquote des eigenen Reportings bei etwas über 75 Prozent, und nur etwas mehr als die Hälfte der identifizierten Schmelzen war als konfliktfrei auditiert.

Deshalb fragen wir:

Wie bewertet Porsche die Wirksamkeit seiner bisherigen Maßnahmen, wenn das Unternehmen selbst die Transparenz in den tieferen Lieferkettenstufen weiterhin als große Herausforderung bezeichnet?

Welche Erkenntnisse liegen Porsche zu menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken im Zusammenhang mit dem Bauxitabbau in Guinea vor und welche Maßnahmen wurden diesbezüglich gegenüber Zulieferern ergriffen?

Welche konkreten Maßnahmen ergreift Porsche, um menschenrechtliche und ökologische Risiken bei Aluminium, Gold, Lithium, Kobalt und Nickel wirksamer zu erkennen, zu vermeiden und insbesondere auszuschließen, dass Konfliktgold oder andere Konfliktmineralien über nicht auditierte Schmelzen in die Lieferkette gelangen?

Wie viele Beschwerden mit Bezug zu Umwelt-, Menschenrechts- oder Lieferkettenrisiken gingen 2025 über die Hinweisgebersysteme ein, in wie vielen Fällen wurden Verstöße bestätigt und welche konkreten Verbesserungsmaßnahmen wurden daraus abgeleitet?

Porsche berichtet über Risikoanalysen und Präventionsmaßnahmen in seinen Rohstofflieferketten. Welche konkreten Verbesserungen bei Lieferanten oder Rohstoffprojekten konnten 2025 aufgrund dieser Maßnahmen tatsächlich erreicht werden?

Besonders kritisch sehen wir daher aktuelle Vorschläge im Rahmen des Omnibus-Verfahrens, die Sorgfaltspflichten auf direkte Zulieferer beschränken würden. Porsche betont selbst, dass die größten Herausforderungen häufig in tieferen Lieferkettenstufen liegen. Gleichzeitig hat Dr. Leiters heute mehr Flexibilität bei der europäischen Regulierung insbesondere bei der künftigen CO2 -Flottenregulierung gefordert.

Daher die Frage:

Unterstützt Porsche die im Omnibus-Verfahren diskutierte Beschränkung der Sorgfaltspflichten auf direkte Zulieferer, obwohl die größten menschenrechtlichen und ökologischen Risiken häufig in tieferen Lieferkettenstufen auftreten?

Ein weiterer Punkt betrifft die Aufarbeitung des Diesel-Skandals.

Auch wenn die Hintergründe des vorgesehenen Vergleichs heute bereits ausführlich erläutert wurden, sehen wir weiterhin kritisch, dass sich die Hauptversammlung mehr als zehn Jahre nach Bekanntwerden des Skandals erneut mit Haftungsverzichten für ehemalige und aktuelle Organmitglieder befassen muss.

Und eine weitere Anmerkung: Die häufig verwendete Bezeichnung „Diesel-Thematik“ halten wir für unpassend. Sie verharmlost einen Vorgang, bei dem es sich nicht um eine bloße Thematik, sondern um einen Betrug mit weitreichenden Folgen für die betroffenen Unternehmen, ihre Aktionärinnen und Aktionäre sowie das Vertrauen in die Automobilindustrie gehandelt hat.

Dazu hätte ich noch eine spontane Frage – Der Dieselskandal wurde lange als Versagen von Kontrolle, Unternehmenskultur und Verantwortungsübernahme beschrieben. Woran können Aktionärinnen und Aktionäre heute konkret erkennen, dass Porsche aus diesen Fehlern gelernt hat und vergleichbare Entwicklungen künftig ausgeschlossen werden?

Wir bitten die Aktionärinnen und Aktionäre, den von uns eingereichten Gegenanträgen zur Verwendung des Bilanzgewinns sowie zur Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zuzustimmen, die ich hiermit auch formal stelle.

Dann freue ich mich auf eine ausführliche Beantwortung der Fragen.

Vielen Dank.

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