Porsche Holding SE Hauptversammlung 2026 Governance

„Herr Pötsch, mit Ihren permanenten Interessenkonflikten sind Sie für die Porsche SE ein Glaubwürdigkeitsproblem“: Rede von Markus Dufner

„Herr Pötsch, fairplay ist ein Prinzip, das nicht nur im Sport sondern auch in der Wirtschaft zu Anwendung kommen sollte“ , sagte Markus Dufner (rechts) auf der Hauptversammlung der Porsche SE und deutete dabei auf das T-Shirt „fairplay – Konzerne in der Verantwortung für Mensch und Umwelt“.

Rede von Markus Dufner auf der Hauptversammlung der Porsche Automobil Holding SA am 25.06.2026

Sehr geehrter Herr Dr. Porsche, sehr geehrter Herr Pötsch, sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre!

Mein Name ist Markus Dufner. Ich bin Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zu Ihnen.

Mit 29 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Menschenrechte sowie Klima- und Umweltschutz und Kooperationspartnern wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz repräsentiert der Dachverband einen Teil der Zivilgesellschaft. Zudem ist der Dachverband Mitglied der Klimaallianz Deutschland mit 155 Mitgliedsorganisationen.

Die Verflechtung zwischen der Porsche Automobil Holding SE und der Volkswagen AG gilt völlig zurecht als eines der komplexesten Konstrukte der europäischen Wirtschaftsgeschichte. Dahinter verbirgt sich ein grundlegendes Paradoxon: Die an der Börse notierte Porsche SE kontrolliert die Volkswagen AG, während die Volkswagen AG wiederum die operative Automarke Porsche AG kontrolliert.

Um diese Machtstruktur zu verstehen, muss man die drei Akteure klar unterscheiden: Erstmal die Porsche Automobil Holding SE als reine Beteiligungsgesellschaft, die zu 100 Prozent von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird. Dann die Volkswagen AG als operativer Dachkonzern der zehn Marken. Und schließlich die Porsche AG, der eigentliche Sportwagenhersteller, der im Herbst 2022 teilbörsennotiert wurde.

Lassen Sie uns die Verteilung der Stimmrechte und somit die der Macht kritisch beleuchten: Obwohl die Familien Porsche und Piëch über ihre Holding wirtschaftlich nur knapp ein Drittel der VW AG besitzen, halten sie dort die absolute Mehrheit der Stammaktien von 53,3 Prozent. Damit bestimmen sie allein den Kurs von Volkswagen. Und da VW wiederum die Mehrheit an der Sportwagenmarke Porsche AG hält, regieren die Familien über diesen Hebel überall durch. Diese Machtarchitektur wurde beim Börsengang Ende 2022 final abgesichert. Die Familien kauften über die Holding Porsche SE exakt 25 Prozent plus eine Aktie der Stammaktien der Porsche AG. Dadurch besitzen sie eine direkte Sperrminorität beim Sportwagenbauer – völlig unabhängig davon, was bei Volkswagen beschlossen wird.

Meine Damen und Herren, ein solches System schützt vor allem sich selbst – nicht aber die Interessen der Minderheitsaktionäre und schon gar nicht die Grundsätze einer verantwortungsvollen Corporate Governance!

Ich komme zu Tagesordnungspunkt 3: Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, den Mitgliedern des Vorstands die Entlastung zu verweigern.

Die Porsche SE versteht sich selbst als langfristig orientierter Ankeraktionär und als verantwortungsvoller Investor. Diesem Anspruch wird die Gesellschaft nach unserer Auffassung bislang überhaupt nicht gerecht! Besonders kritisch sehen wir die Anfang 2026 bekannt gegebene Investition von 100 Millionen Euro in einen auf Rüstungs- und Verteidigungstechnologien spezialisierten Fonds. Dass der Fokus laut Gesellschaft auf Cyber-Defense, Künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen liegt, beruhigt uns nicht. Hier werden Gelder der Aktionäre in tödliche Zukunftstechnologien investiert, ohne dass tragfähige ethische Leitlinien erkennbar sind.

Herr Pötsch, ein weiteres massives Glaubwürdigkeitsproblem sind Sie mit Ihrem Doppelmandat und Ihren permanenten Interessenkonflikten. Seit 2015 sind Sie Vorstandsvorsitzender der Porsche SE und gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrats der Volkswagen AG. Als Aufsichtsratschef bei VW sollten Sie den VW-Vorstand kontrollieren. Als Chef der Porsche SE vertreten Sie jedoch zeitgleich die Interessen des Hauptaktionärs. Der Dachverband der Kritischen Aktionäre bezweifeln, dass eine unabhängige Überwachung möglich ist, wenn der Kontrolleur und der zu Kontrollierende über die Familienholding institutionell und personell verschmolzen sind.

Diese mangelnde Aufklärungskultur spiegelt sich auch in der Verharmlosung des Diesel- oder Abgas-Skandals wider. Herr Dr. Liebscher hat richtigerweise vom Abgas-Betrug gesprochen. Herr Pötsch Sie haben alles dafür getan, den Betrug in der Volkswagen AG organisatorisch nicht konsequent aufzuklären. Bis in die jüngste Vergangenheit hinein betreiben Sie die sprachliche Verharmlosung als bloße „Diesel-Thematik“. Mit diesem Framing wird versucht, den weltweiten, systematischen Betrug an Umweltbehörden und Millionen von Kunden sprachlich auf eine Stufe mit einer lästigen, rein technischen Detailfrage zu stellen und somit schlichtweg zu negieren. Das ist inakzeptabel!

Ich komme zu Tagesordnungspunkt 4. Hier beantragt der Dachverband, den Mitgliedern des Aufsichtsrats die Entlastung zu verweigern.

Der Aufsichtsrat ist seiner Pflicht zur Überwachung und Beratung des Vorstands nicht im ausreichenden Maße nachgekommen. Dies gilt insbesondere für die neue Investitionsstrategie. Die 100-Millionen-Euro-Investition in den Verteidigungsfonds wirft erhebliche Fragen hinsichtlich der Menschenrechts-, Nachhaltigkeits- und Governance-Kriterien auf. Der Aufsichtsrat hätte zwingend darauf hinwirken müssen, dass vor solchen Investitionen klare, öffentlich nachvollziehbare Ausschluss- und Prüfkriterien festgelegt werden.

Völlig unbegreiflich ist zudem die Vergütung für das Ex-Vorstandsmitglied Lutz Meschke ohne jede operative Tätigkeit. Der Aufsichtsrat hat einer Regelung für den Ende 2025 ausgeschiedenen Herrn Meschke zugestimmt, die jeder guten Corporate Governance spottet. Statt einer transparenten und angemessenen Abfindung erhält Herr Meschke bis zum regulären Vertragsende im Jahr 2030 weiterhin seine feste Vergütung sowie variable Bestandteile – für exakt null operative Leistung. Das Gesamtvolumen kann sich auf bis zu 5,6 Millionen Euro belaufen! Diese Konstruktion unterläuft die Intentionen des Deutschen Corporate Governance Kodex zur Begrenzung von Abfindungen und zur leistungsbezogenen Vergütung von Vorständen eklatant.

Zudem vermissen wir Transparenz darüber, wie die Porsche SE ihre Rolle als langfristiger Großaktionär bei VW und der Porsche AG wahrnimmt und welche Erwartungen sie bezüglich verantwortungsvoller Unternehmensführung formuliert. Die enge personelle Verflechtung und die Vormachtstellung der Familien Porsche und Piëch verhindern eine unabhängige Kontrolle. Gerade wegen der immensen strategischen Bedeutung wären höchste Unabhängigkeit und Transparenz der Kontrollorgane zwingend erforderlich.

Ich schließe nun einige Fragen zum Thema Machtstruktur und Sperrminorität an:

  1. Herr Dr. Porsche und Herr Pötsch, wie rechtfertigen Sie gegenüber den außenstehenden Minderheitsaktionären der Porsche SE, dass das Kapital der Holding primär dazu genutzt wird, über den Kauf von 25 % plus einer Aktie der Porsche AG die exklusive Macht der Familien Porsche und Piëch abzusichern, anstatt das Kapital in renditestärkere oder strategisch diversifiziertere Projekte zu investieren?
  2. Herr Dr. Porsche und Herr Pötsch,inwiefern sehen Sie durch die absolute Stimmenmehrheit der Familien (53,3 % an der VW AG) und die personellen Überschneidungen die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats der Porsche SE noch gewahrt, um die Interessen aller Aktionäre gleichermaßen und ohne familiäre Vorabsprachen zu vertreten?
  3. Herr Dr. Porsche und Herr Pötsch, welche konkreten Risiken entstehen für die Porsche SE, falls sich die strategischen Interessen der Volkswagen AG und der Porsche AG einmal diametral widersprechen, und wie wird der Vorstand in einem solchen Fall den potenziellen Wertverlust für die Minderheitsaktionäre auffangen?

Nun komme ich zu meinen Fragen zum Thema Doppelmandat und die Interessenkonflikte von Hans Dieter Pötsch

  1. Herr Pötsch, wie können Sie den Aktionären glaubhaft versichern, dass Sie in Ihrer Doppelfunktion als Vorstandschef der Porsche SE (Interessensvertretung des Hauptaktionärs) und als Aufsichtsratschef der VW AG (Kontrolle des VW-Vorstands im Sinne des VW-Konzerns) im Falle von Zielkonflikten eine strikte und unbefangene Gewaltenteilung einhalten?
  2. Herr Dr. Porsche, welche internen Compliance-Mechanismen wurden im Geschäftsjahr 2025 implementiert, um zu verhindern, dass vertrauliche, sensible Informationen aus dem VW-Aufsichtsrat unzulässig in die Strategiebildung der Porsche SE einfließen oder dort ausgenutzt werden?
  3. Herr Pötsch, Herr Dr. Porsche und alle Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats der Porsche Automobil Holding SE! Teilen Sie alle die Auffassung, den systematischen, weltweiten Abgasbetrug sprachlich als bloße „Diesel-Thematik“ zu verharmlosen? Ich bitte um ein Handzeichen!
    Sollte bei Porsche und Volkswagen ab heute konsequent vom Abgas-Betrug gesprochen werden? Auch hier bitte ich wieder um Handzeichen und eine Antwort.
  4. Herr Dr. Porsche und Herr Pötsch, wie wirkt sich diese anhaltende rhetorische Relativierung auf das Reputationsrisiko und den Markenwert Ihrer Beteiligungen aus?

Abschließend habe ich noch Fragen zum Thema Vergütung ohne operative Tätigkeit für Lutz Meschke:

  1. Herr Dr. Porsche, wie begründen Sie vor dem Hintergrund des Deutschen Corporate Governance Kodex, dass einem ausgeschiedenen Vorstandsmitglied bis 2030 eine Weiterzahlung der festen und variablen Vergütung von bis zu 5,6 Millionen Euro ohne Gegenleistung gewährt wird, statt eine reguläre, gedeckelte Abfindung zu vereinbaren?
  2. Herr Dr. Porsche, welche konkreten quantitativen und qualitativen Kriterien sollen für die Ermittlung der variablen Vergütungsbestandteile eines Ex-Vorstands herangezogen werden, der keinerlei operative Verantwortung oder Zielvereinbarungen im Unternehmen mehr erfüllt?
  3. Und eine weitere Frage geht an Sie, Herr Pötsch: Wie erklären Sie den Beschäftigten in den operativen Tochtergesellschaften und den Aktionären, die das wirtschaftliche Risiko tragen, diese Millionen-Zahlungen für reine Inaktivität in Zeiten von Transformationsdruck und Sparprogrammen im Automobilsektor?


[Markus Dufner weist auf das T-Shirt „fairplay – Konzerne in der Verantwortung für Mensch und Umwelt“ hin, das hinter ihm zu sehen ist.]

Herr Dr. Porsche, Herr Pötsch, fairplay ist ein Prinzip, das nicht nur im Sport sondern auch in der Wirtschaft zu Anwendung kommen sollte. Damit würden wir alle besser fahren. Ich würde mich freuen, wenn Sie als Unternehmenslenker mehr Verantwortung für Mensch und Umwelt übernehmen würden.
 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkkeit!

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