Praktikumsbericht von Hana Obser
Im Frühjahr 2025 absolvierte ich ein dreimonatiges Praktikum beim Dachverband der Kritischen Aktionär:innen direkt in ihrer Geschäftsstelle in Köln. Der Dachverband ist kurzgefasst eine NGO, die mithilfe des Aktienrechts Konzerne für Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung und soziale Ungleichheiten zur Rechenschaft zieht. Ihr zentrales Werkzeug dabei: Die aktive Teilnahme an den Hauptversammlungen großer börsennotierter Unternehmen.
Hauptversammlungen als wichtigstes Organ für Kleinaktionär:innen
Während des Praktikums hatte ich die Gelegenheit, verschiedene Formen von Hauptversammlungen zu erleben; von rein digitalen bis hin zu den klassischen Präsenzveranstaltungen, national und international und wirklich bei jedem Konzern je nach Führungsstil unterschiedlich. Diese Versammlungen sind dabei nicht nur wirtschaftliche Pflichttermine, sondern bieten Raum zum gegenseitigen Austausch und (rechtmäßiger) Kritik. Spannend dabei ist den Kontrast zwischen der oft glatten Selbstinszenierung der Unternehmensführung und den kritischen Interventionen zivilgesellschaftlicher Akteur:innen (u.a. uns und die mit uns agierenden Partnerorganisationen oder Initiativen) zu erleben. Wer dort Redebeiträge hält vor versammeltem Management sowie weiteren Aktionär:innen oder an gleichzeitigen Protestaktionen mitwirkt (welche nicht selten auch von den Medien aufgegriffen werden), bringt somit unbequeme Themen ins Rampenlicht (ich weiß wirklich nicht, wann ich sonst in meinem Leben so oft von Scheinwerfern oder Kameras angeschienen wurde).
Die Aufgaben während des Praktikums
Meine Aufgaben bestanden aus der Vorbereitung und Analyse von Hauptversammlungen (inkl. Reden, Verfassen von Gegenanträgen und Hintergrundrecherche), der Teilnahme vor Ort bzw. online und dessen Dokumentation, viiel Öffentlichkeitsarbeit (wie z.B. Pressemitteilungen, Websitepflege, Protestaktionen) vor, während und nach den Hauptversammlungen zu den einzelnen Konzernen sowie eine enge Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen und Akteur:innen aus dem In- und Ausland.
Warum hat sich das Praktikum für mich gelohnt?
Als Soziologie-Student hatte ich zunächst leichte Bedenken vor dem Praktikum: Was, wenn ich keinen hinreichenden Bezug dazu erkennen kann und ohnehin – was weiß ich denn schon von Finanzen und Aktienrechten??
Das Praktikum war jedoch eine wunderbare Gelegenheit, mein gesammeltes soziologisches Denken praktisch anzuwenden! Sei es bei der Analyse symbolischer Kommunikation von Konzernen, der Beobachtung von Machtverhältnissen oder dem Verständnis komplexer Akteursnetzwerke zwischen Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Es wurde sicht- und erlebbar, wie theoretische Konzepte in konkreten Auseinandersetzungen mit Konzernen greifbar werden. Gleichzeitig erhält man Einblicke in ein Arbeitsfeld, das hohe gesellschaftliche Relevanz besitzt und dringend analytisch denkende, kommunikationsstarke Menschen braucht. Denn das Verhalten der Großkonzerne wirkt sich schlussletztlich auf uns alle auf; und nicht nur auf die Anteilseigner:innen.
Fazit:
Das Praktikum beim Dachverband der Kritischen Aktionär:innen bot mir wertvolle Einblicke in die Arbeit einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die sich für soziale und ökologische Gerechtigkeit einsetzt. Besonders beeindruckt hat mich die Möglichkeit, schon am Anfang des Praktikums direkt auf Hauptversammlungen Einfluss zu nehmen und Unternehmen öffentlich zu kritisieren (weil wenn es eine Sache gab, der ich mir schon vor dem Praktikum bewusst war, dann, dass ich sehr gerne Konzernkritik betreibe). Das Maß an fordernd und bereichernd machte es des Weiteren zu einer sehr ausgeglichenen Erfahrung, die alle meine persönlichen Anforderungen erfüllte. Ich konnte meine Fähigkeiten in den Bereichen Recherche, Textverfassung und Veranstaltungsorganisation erheblich verbessern und habe ein tieferes Verständnis für die Bedeutung von Aktionärsrechten und deren Nutzung im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung entwickelt. Die Zusammenarbeit mit engagierten und geduldigen Kolleg:innen sowie die Auseinandersetzung mit komplexen Themen wie Klimaschutz, Menschenrechten und Unternehmensverantwortung haben meine Perspektiven erweitert und mein Interesse an einer beruflichen Tätigkeit im Bereich der politischen Bildung und Advocacy-Arbeit gestärkt.
Der Dachverband bot mir somit eine intensive Lernerfahrung an der Schnittstelle von Konzernkritik, Medienarbeit und juristischer Strategie. Wer sich neben Schule, dem Studium oder auch einfach so gesellschaftlich wirksam machen will, findet hier eine spannende Möglichkeit!








