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„Den „Reset“ für mehr Nachhaltigkeit und Menschenrechte nutzen!“: Rede von Matthias Bachmann

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
sehr geehrte Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat,

ich spreche heute für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. PUMA befindet sich nach eigener Aussage in einem „Reset“. Der Umsatz ging 2025 währungsbereinigt um 8,1 % zurück, das operative Ergebnis lag bei minus 357 Mio. Euro und die Aktie verlor im vergangenen Jahr fast die Hälfte ihres Wertes. Gleichzeitig wurden weltweit rund 1.400 Stellen abgebaut.

Der Vorstand beschreibt selbst eine „zu kommerziell gewordene Marke“, mangelnde Begehrlichkeit und strukturelle Probleme im Vertrieb. Das zeigt: Auch PUMA steht unter erheblichem Druck, sein Geschäftsmodell neu auszurichten.

Gerade deshalb stellt sich uns die Frage, ob diese Transformation auch genutzt wird, um die bekannten strukturellen Probleme der Branche konsequent anzugehen – insbesondere in den Bereichen Klima, Ressourcenverbrauch sowie Menschen- und Arbeitsrechte in der Lieferkette.

Denn genau dort bestehen weiterhin erhebliche Risiken.

PUMA berichtet inzwischen sehr umfangreich über Nachhaltigkeit, Lieferketten und Klimaziele. Das ist ausdrücklich positiv hervorzuheben. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Qualität des Reportings, sondern ob sich die tatsächlichen Bedingungen messbar verbessern.

Und genau hier sehen wir weiterhin erhebliche Defizite.

Ein grundlegendes Problem zieht sich durch viele Kapitel des Nachhaltigkeitsberichts:
Sehr viele Ziele und Kennzahlen beziehen sich lediglich auf die „wichtigsten Fabriken“ beziehungsweise die wichtigsten Tier-1- und Tier-2-Lieferanten.

Daher möchten wir zunächst fragen:

Nach welchen Kriterien werden Fabriken als „wichtig“ eingestuft? In wie vielen Fabriken lässt PUMA insgesamt produzieren, wie viele davon gelten als „wichtig“ und in welchen Ländern befinden sich die übrigen Fabriken, die nicht in diese zentralen Analysen und Ziele einbezogen werden?

Gerade in einer Branche mit hohen menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken entsteht sonst der Eindruck, dass viele Angaben nur einen begrenzten Teil der tatsächlichen Lieferkette erfassen.

Im Klimabereich zeigen sich – vor allem in der vorgelagerten Wertschöpfungskette – deutliche Widersprüche zwischen den grundsätzlichen Ambitionen und der tatsächlichen Entwicklung.

Der Anteil fossiler Energie in der vorgelagerten Wertschöpfungskette liegt weiterhin bei 67,7 %. Zwar wurde das Ziel für 2025 formal übertroffen, gleichzeitig sind die neuen Ziele der Vision 2030 erstaunlich wenig ambitioniert. Während beispielsweise seit 2020 – also in fünf Jahren – bereits ein Anstieg erneuerbarer Energien von rund 33 % erreicht wurde, soll in den kommenden fünf Jahren lediglich eine weitere Steigerung um etwa 7 bis 8 Prozentpunkte erfolgen – und auch das wieder nur für die wichtigsten Fabriken.

Gleichzeitig stiegen die Scope-2-Emissionen im Berichtsjahr um 20 %.

Daher unsere Fragen:

Welche konkreten Ursachen haben Sie für den starken Anstieg der Scope-2-Emissionen identifiziert?

Warum sind viele Ziele der Vision 2030 so wenig ambitioniert geblieben?

Ein weiterer Punkt betrifft flüchtige organische Verbindungen – sogenannte VOCs.

Das Ziel zur VOC-Reduzierung wurde verfehlt. Trotzdem findet sich in der Vision 2030 kein neues konkretes Reduktionsziel mehr.

Warum wurde das Ziel zur VOC-Reduzierung nicht auch in die Vision 2030 aufgenommen? Verfolgen Sie das bisherige Ziel dennoch weiter, und rechnen Sie in den kommenden Jahren mit tatsächlichen Reduktionen?

Besonders kritisch sehen wir außerdem die Entwicklung beim Wasserverbrauch und beim Einsatz von Leder.

Der Wasserverbrauch in den Lederfabriken stieg pro Quadratmeter Leder um 43,5 %. PUMA führt dies vor allem auf Veränderungen bei Produktstilen und Verarbeitungsschritten zurück.

Der Lederverbrauch ist laut Geschäftsbericht so um fast 2.000 Tonnen gestiegen.

Leder weißt unter den eingesetzten Rohstoffen eine besonders hohe Kohlenstoffintensität auf und verursacht einen enormen Wasserverbrauch – häufig in Regionen mit hohem Wasserstress.

Das wirft grundsätzliche Fragen auf:

Warum steigt der Lederverbrauch weiter an, obwohl dessen ökologische Auswirkungen bekannt sind?

Wenn Produktdesigns einen so erheblichen Einfluss auf Wasserverbrauch und Umweltwirkung haben – warum werden Produktstile dann nicht stärker an Klima- und Ressourcenkriterien ausgerichtet?

Besonders problematisch erscheint uns in diesem Zusammenhang, dass sich laut Bericht 58 % der Fabriken der vorgelagerten Wertschöpfungskette in Gebieten mit hohem oder extrem hohem Wasserstress befinden.

Gleichzeitig formuliert PUMA keine eigentlichen Wassereinsparungsziele mehr, sondern konzentriert sich stattdessen nur noch darauf — die Recyclingquote der Industrieabwässer zu erhöhen.

Sieht PUMA kein relevantes weiteres Einsparpotenzial beim Wasserverbrauch mehr?

In welchen Produktionsprozessen sind Sie weiterhin zwingend auf Frischwasser angewiesen und welchen Anteil am Gesamtwasserverbrauch macht dies aus?

Für wie resilient hält PUMA seine Lieferkette angesichts zunehmender Wasserknappheit und klimabedingter Risiken und vor dem Hintergrund, dass mehr als die Hälfte der Fabriken in Gebieten mit hohem oder sehr hohen Wasserstress angesiedelt sind?

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch bei den Arbeits- und Menschenrechten bleiben erhebliche Probleme bestehen.

Besonders kritisch sehen wir die Entwicklung der Beschwerden.

Die Anzahl der Beschwerden über Drittplattformen stieg von 2.506 im Vorjahr auf 4.129 Fälle im Jahr 2025 – also um mehr als 60 %.

Wie erklären Sie sich den starken Anstieg der Beschwerden?

Und vor allem:

Welche strukturellen Konsequenzen zieht PUMA daraus, um die Zahl solcher Fälle künftig tatsächlich zu reduzieren?

Positiv hervorheben möchten wir ausdrücklich, dass PUMA Daten zu existenzsichernden Löhnen erhebt.

Leider zeigen diese Daten zugleich das enorme Ausmaß des Problems.

Lediglich 10,2 % der Arbeiterinnen in der vorgelagerten Wertschöpfungskette erhalten laut Bericht einen existenzsichernden Lohn. Das bedeutet im Umkehrschluss: Mehr als 553.000 Arbeiterinnen erhalten diesen nicht.

Besonders problematisch erscheint uns bei ihrer Analyse die Nutzung von Durchschnittslöhnen. Diese kaschieren häufig, dass erhebliche Teile der Beschäftigten weiterhin unterhalb existenzsichernder Einkommen liegen – selbst wenn die Durchschnittswerte den Benchmark der Global Living Wage Coalition formal erreichen.

In Ländern wie Indonesien, Pakistan und insbesondere Bangladesch besteht auch unter Bezugnahme auf Durchschnittslöhne weiterhin erheblicher Handlungsbedarf.

In Bangladesch erreichen die Durchschnittslöhne laut Bericht lediglich 76,8 % eines existenzsichernden Lohns – trotz gesetzlicher Mindestlohnerhöhungen.

Die tatsächlichen Einkommen vieler Arbeiter*innen dürften nochmals deutlich darunter liegen.

Daher fragen wir:

Plant PUMA, die Methodik bei der Analyse existenzsichernder Löhne anzupassen und stärker individuelle Lohnverteilungen statt bloßer Durchschnittswerte zu berücksichtigen?

Welche konkreten Maßnahmen sind insbesondere für Pakistan und Bangladesch geplant um die Löhne in den nächsten Jahren auf ein existenzielles Niveau zu bringen?

Uns ist durchaus bewusst, dass dies ein Branchenweites Problem darstellt das nicht nur Puma betrifft. Aber das darf nicht als Ausrede dienen!

Denn eines sollte klar sein:

PUMA kann sich langfristig nicht damit abfinden, dass über 90 % der Arbeiter*innen in der eigenen vorgelagerten Wertschöpfungskette keinen existenzsichernden Lohn erhalten! Einige ihrer Aktionärinnen und Aktionäre möchten sich jedenfalls nicht damit abfinden.

Puma gibt existenzsichernde Löhne selbst als Ziel an. Und da strukturellen Problemen am besten durch strukturelle Lösungen begegnet wird, ist es unverständlich, dass Puma die ACT-Initiative für existenzsichernde Löhne bisher nicht unterzeichnet hat.

Deshalb die Fragen:

Warum ist PUMA der ACT-Initiative für existenzsichernde Löhne bislang nicht beigetreten, obwohl das Unternehmen selbst einräumt, dass der überwiegende Teil der Arbeiter*innen in der vorgelagerten Wertschöpfungskette noch keinen existenzsichernden Lohn erhält?

Unter welchen Bedingungen wäre ein Beitritt PUMAs zur ACT-Initiative oder zu vergleichbaren verbindlichen Brancheninitiativen für existenzsichernde Löhne denkbar?

Ein Unternehmen wie PUMA verfügt über internationale Reichweite, erhebliche Marktmacht und großen Einfluss auf Lieferketten. Gerade deshalb könnte PUMA gemeinsam mit Wettbewerbern eine deutlich aktivere Rolle bei der Lösung dieser systemischen Probleme einnehmen.

Wir fragen uns daher:

Was könnte Puma tun, um gemeinsam mit Wettbewerbern Themen wie Hungerlöhne und Emissionen in der vorgelagerten Wertschöpfungskette endlich anzugehen? Gibt es hier glaubwürdige Ansätze? Was sieht Puma hier als Hindernisse?

Und wie ist Puma bisher vorgegangen um hier Verbesserungen bei Löhnen zu bewirken?

Abschließend möchte ich ausdrücklich betonen:

Wir sehen bei PUMA durchaus positive Ansätze. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist mittlerweile sehr umfassend und detailliert. In den vergangenen Jahren wurden wichtige Fortschritte erzielt. Gerade die umfangreiche Datenerhebung und Analyse schaffen überhaupt erst die Grundlage dafür, konkrete Verbesserungen umzusetzen.

Aber genau diese Verbesserungen müssen nun auch umgesetzt werden!

PUMA hat die Chance, den angekündigten „Reset“ beziehungsweise die Neuausrichtung der Marke auch dazu zu nutzen, um Nachhaltigkeit und Menschenrechte stärker in den Mittelpunkt zu stellen und damit zugleich den Wert und die Glaubwürdigkeit der Produkte für Verbraucher*innen zu erhöhen. Das würde nicht nur Pumas Verantwortung und der damit verbundenen menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflicht gerecht, sondern könnte gleichzeitig der langfristigen Zukunftsfähigkeit Pumas zuträglich sein.

Vielen Dank.

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