Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
sehr geehrte Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat,
ich spreche heute für den Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.
RENK präsentiert sich als Unternehmen, das Verantwortung übernimmt – für Menschenrechte, Umweltstandards und eine nachhaltige Unternehmensführung.
Der Geschäftsbericht verweist auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen sowie den UN Global Compact. Darüber hinaus bekennt sich RENK zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens und zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad.
Diese Grundsätze und Zielsetzungen sind natürlich ausdrücklich zu begrüßen.
Doch entscheidend ist nicht, welche Standards und Ambitionen formuliert werden, sondern wie deren Umsetzung nachgewiesen wird.
Gerade hier bleiben aus meiner Sicht erhebliche Fragen offen.
Herr Dr. Sagel hat in seiner heutigen Rede die Lieferkette der Rüstungsindustrie als eine „unverzichtbare Säule der Landes- und Bündnisverteidigung“ bezeichnet.
Gerade deshalb überrascht es, dass RENK gleichzeitig einräumt, die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette aufgrund einer mangelhaften Informations- und Datenlage nicht vollumfänglich betrachten zu können.
Und gleichzeitig erklärt das Unternehmen aber, wesentliche Risiken und Auswirkungen analysiert und bewertet zu haben.
Hier stellt sich die Frage: Wie belastbar können solche Bewertungen sein, wenn die zugrunde liegende Datengrundlage nach eigener Aussage unvollständig ist?
Besonders deutlich wird dies bei den Arbeits- und Menschenrechten in der Lieferkette.
RENK verfügt über einen Lieferantenkodex und verpflichtet seine Lieferanten zur Einhaltung entsprechender Standards. Der Bericht enthält jedoch kaum Angaben dazu, wie die Einhaltung dieser Anforderungen tatsächlich überprüft wird.
Es fehlen Informationen darüber, wie viele Lieferanten überprüft wurden, wie viele Audits von wem durchgeführt wurden, wie viele Verstöße festgestellt wurden und welche konkreten Abhilfemaßnahmen daraus folgten.
Für ein Unternehmen mit globalen Beschaffungs- und Lieferstrukturen erscheint diese Transparenz aus meiner Sicht unzureichend.
Daher gebe ich diese Fragen an Sie weiter – also:
Wie viele Lieferanten hat RENK im Geschäftsjahr 2025 im Hinblick auf Menschenrechts- und Umweltstandards überprüft?
Wie viele Audits wurden von wem durchgeführt?
Wie viele Verstöße wurden festgestellt und welche Abhilfemaßnahmen wurden eingeleitet?
Ein zweiter Punkt betrifft den Bezug kritischer Rohstoffe.
Die Produkte von RENK basieren auf hochbelastbaren Spezialstählen, Legierungen und komplexen elektronischen Komponenten. Solche Produkte enthalten typischerweise Rohstoffe wie Nickel, Chrom, Molybdän, Wolfram, Tantal oder Seltene Erden.
Gerade beim Abbau und bei der Verarbeitung dieser Rohstoffe bestehen international bekannte Umwelt- und Menschenrechtsrisiken. Dazu gehören Konfliktmineralien, Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Umweltverschmutzung, Vertreibungen lokaler Gemeinschaften oder gravierende Eingriffe in Ökosysteme.
Umso mehr überrascht es, dass sich im Nachhaltigkeitsbericht kaum Informationen zu kritischen Rohstoffen, deren Herkunft oder zu konkreten Sorgfaltsprozessen in diesem Bereich finden.
Während zahlreiche Industrieunternehmen inzwischen detailliert über Hochrisikorohstoffe und entsprechende Sorgfaltssysteme berichten, bleibt die Berichterstattung von RENK hierzu auffallend vage.
Daher meine Fragen:
Welche Rohstoffe stuft RENK als besonders risikobehaftet ein?
Aus welchen Ländern bezieht RENK diese Rohstoffe überwiegend?
Welche Ausschlusskriterien gelten für Hochrisikorohstoffe und deren Lieferanten?
All dies offenbart einen grundsätzlichen Widerspruch in der Berichterstattung, der sich durch Ihren Nachhaltigkeitsbericht zieht.
RENK berichtet als weiteres Beispiel, keine schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette festgestellt zu haben.
Und weiter, dass keine wesentlichen Risiken für betroffene Gemeinschaften identifiziert wurden und auch bei verschiedenen Umweltaspekten keine wesentlichen negativen Auswirkungen existieren.
Dies wären erfreuliche Ergebnisse.
Doch gleichzeitig erklärt das Unternehmen selbst – ich wiederhole das noch einmal – dass erhebliche Informations- und Datenlücken in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette bestehen.
Deshalb stellt sich die Frage, ob das Fehlen festgestellter Verstöße tatsächlich Ausdruck besonders guter Nachhaltigkeitsleistungen ist oder vielmehr Ausdruck begrenzter Transparenz und begrenzter Erkenntnisse über die tatsächlichen Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette.
Hier bleibt die Berichterstattung der Renk AG insgesamt stark hinter den Erwartungen zurück, die man an ein Unternehmen mit Nachhaltigkeitsansprüchen stellen darf, und es wirft die Frage auf, ob die Berichterstattung den Transparenzansprüchen gerecht wird, die mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sowie den europäischen Nachhaltigkeitsstandards verbunden sind.
Daher frage ich:
Auf welcher Datengrundlage schließt RENK wesentliche Menschenrechts-, Umwelt- und Biodiversitätsrisiken aus, wenn gleichzeitig erhebliche Informationslücken in der Wertschöpfungskette bestehen?
Wie bewertet der Vorstand die Belastbarkeit dieser Aussagen?
Ähnlich verhält es sich beim Klimaschutz.
Während viele Unternehmen konkrete Zwischenziele und Transformationspfade veröffentlichen, beschränkt sich RENK im Wesentlichen auf die Ambition, die Scope-1- und Scope-2-Emissionen bis spätestens 2050 auf Netto-Null zu reduzieren.
Zusätzliche Klimaziele oder Zwischenziele wurden im Berichtsjahr ausdrücklich nicht veröffentlicht.
Als Begründung verweist RENK auf mögliche Veränderungen regulatorischer Anforderungen. Dies wirft die Frage auf, ob Klimaziele für das Unternehmen vor allem eine Reaktion auf regulatorische Vorgaben sind oder Ausdruck einer eigenständigen langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie.
Gleichzeitig spielen die Emissionen der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette für ein international tätiges Industrieunternehmen eine erhebliche Rolle.
Umso mehr stellt sich die Frage, wie der Weg zu einer glaubwürdigen Dekarbonisierung aussehen soll, wenn weder belastbare Zwischenziele noch konkrete Zielpfade kommuniziert werden und für die Emissionen entlang der Wertschöpfungskette keine vergleichbaren Ambitionen erkennbar sind.
Daher frage ich:
Warum veröffentlicht RENK bislang keine konkreten Klimaziele für 2030 oder 2040?
Bis wann plant das Unternehmen die Veröffentlichung eines nachvollziehbaren Dekarbonisierungspfads?
Welche konkreten Klimaziele verfolgt RENK unabhängig von gesetzlichen Berichts- und Offenlegungspflichten und in welchen Bereichen gehen diese über die regulatorischen Mindestanforderungen hinaus?
Plant RENK künftig auch konkrete Reduktionsziele für Scope-3-Emissionen?
Meine Damen und Herren,
gerade ein Unternehmen der Verteidigungsindustrie sollte bei Transparenz, Menschenrechten, Umwelt- und Klimaverantwortung höchste Maßstäbe an sich selbst anlegen.
Der vorliegende Bericht zeigt Fortschritte bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Er zeigt aber zugleich erhebliche Lücken bei der Transparenz entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, beim Umgang mit kritischen Rohstoffen sowie bei der Konkretisierung von Klimazielen.
Solange diese Fragen nicht überzeugend beantwortet werden, sehe ich keine ausreichende Grundlage, Vorstand und Aufsichtsrat uneingeschränkt zu entlasten.
Herr Dr. Sagel hat heute mehrfach die technologische Führungsrolle von RENK hervorgehoben. Wenn RENK für sich in Anspruch nimmt, technologischer Markt- und Innovationsführer zu sein, sollte das Unternehmen auch bei Transparenz, Menschenrechten und Nachhaltigkeit den Anspruch haben nicht Nachzügler zu sein, sondern Maßstäbe zu setzen.
Vielen Dank.







