Rheinmetall AG Pressemitteilung Hauptversammlung 2026

Kein Blankoscheck für Rüstungsunternehmen!

  • Festhalten an gefährlicher Expansionsstrategie trotz voller heimischer Auftragsbücher
  • Förderung von Nuklearer Teilhabe und Automatisierung von Waffensystemen
  • Geld für Aufrüstung statt für den Kiez

Auf der heutigen Hauptversammlung von Rheinmetall konfrontieren „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“, der Dachverband Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre und das Stadtteilkomitee und Nachbar*innen Wedding die Unternehmensführungen mit scharfer Kritik. Sie werden ihr Rede- und Fragerecht bei den Hauptversammlungen nutzen und so die hochproblematischen Geschäftspraktiken der Konzerne in den Fokus rücken – etwa die Beteiligung an nuklearer Aufrüstung und Exporte an Staaten, die Menschenrechte verletzen oder in völkerrechtswidrige Kriegshandlungen verstrickt sind. In einem aktuellen Briefing fordern die Organisationen ein Ende solcher Geschäfte und klare politische Rahmenbedingungen seitens der Bundesregierung.

Vor dem Hintergrund der enormen Herausforderungen für Frieden und Sicherheit in Europa kritisieren sie die einseitige Ausrichtung auf militärische Lösungen – ein Klima, das Rüstungsunternehmen gezielt für Profit und Imagepflege nutzen. Umso wichtiger sei eine kritische Zivilgesellschaft, die genau hinschaut.

Fern jeder Kontrolle

Rheinmetall zählt zu den größten Gewinnern der sogenannten „Zeitenwende“. Doch selbst die vollen Auftragsbücher zuhause halten Rheinmetall nicht davon ab, seine Internationalisierungsstrategie weiter voranzutreiben. „Rheinmetall entwickelt sich zum globalen Waffenproduzenten ohne Grenzen – bereit, die Nachfrage überall dort zu bedienen, wo der Preis stimmt“, kritisiert Vincenzo Petracca, Sprecher der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“. Über das südafrikanische Tochterunternehmen RDM liefert der Konzern nicht nur Munition, sondern auch Produktionsmaschinen bis hin zu ganzen Munitionsfabriken an Staaten wie Saudi-Arabien, Ägypten oder die Vereinigten Arabischen Emirate. „So hilft Rheinmetall Autokraten beim Aufbau eigener Rüstungskapazitäten und gibt damit jegliche Form der Kontrolle aus der Hand“, so Petracca weiter.

Auch in Indien soll Rheinmetall die Strategie verfolgen Anlagen zu liefern, die eine eigenständige Produktion vor Ort erlauben. „Das ist eine fahrlässige Geschäftsstrategie“, kritisiert Markus Dufner vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Nicht nur der ständige Konflikt mit zwei Atommächten und bewaffnete Auseinandersetzungen in mehreren indischen Bundesstaaten machen eine solche Kooperation höchstproblematisch. Zudem strebt Indien danach, Waffenexporte auszubauen, ist aber nicht einmal Teil des Arms Trade Treaty (ATT), der Mindeststandards für den Waffenhandel formuliert. „Was mit der Munition passiert, die mit Rheinmetall-Anlagen produziert werden soll, ist nicht mehr kontrollierbar! Dabei darf nicht in Vergessenheit geraten, dass Indien auch mit Russland enge Beziehungen pflegt“, warnt Dufner.

Nukleare Teilhabe und Automatisierung von Waffensystemen

Rheinmetall fertigt Teile des Rumpfmittelteils für den F-35A-Tarnkappenbomber, der künftig als Trägersystem für die modernisierten US-Atombomben vom Typ B61-12 am Standort Büchel vorgesehen ist. „Rheinmetall macht sich zum Zulieferer eines nuklearen Ersteinsatzsystems – und treibt damit eine Eskalationsspirale voran, die mit einer verantwortungsvollen Rüstungspolitik nicht vereinbar ist“, kritisiert Jari Bertolini vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Statt auf europäische Eigenständigkeit zu setzen, vertiefe dieses Projekt die technologische und sicherheitspolitische Abhängigkeit von Washington. Selbst konservative Politiker haben gewarnt: Die USA behalten jederzeit die Kontrolle über die Einsatzfähigkeit der F-35A. „An diesem strategischen Abhängigkeitsverhältnis ist Rheinmetall maßgeblich beteiligt“, so Bertolini weiter.

Parallel dazu treibt der Konzern mit Projekten wie Gladius 2.0, TacNet und dem PATH Autonomous Kit die Entwicklung autonomer Kriegsführung voran. Das unbemannte Fahrzeug Mission Master CXT kann laut Unternehmensangaben zum Transport von Waffen, zur Fernsteuerung und zum autonomen Aufspüren und Zerstören von Zielen eingesetzt werden. Rheinmetall erklärt zwar, dass nach dem „Human-in-the-Loop“-Prinzip stets ein Mensch über die Schussabgabe entscheide. „Doch was das in der Praxis bedeutet, bleibt völlig unklar“, sagt Bertolini. „Wenn ein KI-gestütztes System autonom Ziele identifiziert und ein Mensch unter Zeitdruck lediglich auf ‚Bestätigen‘ drückt, ist das keine sinnvolle menschliche Kontrolle – das ist eine Alibi-Funktion.“ Der Dachverband fordert verbindliche internationale Standards für den Einsatz autonomer Waffensysteme und eine klare Positionierung von Rheinmetall gegenüber seinen Aktionärinnen und Aktionären.

Geld für Aufrüstung statt für den Kiez

Rheinmetall expandiert sowohl international als auch in Deutschland massiv. Ein lokales Beispiel ist die Pierburg Fabrik in Berlin, in der bisher Autoteile produziert wurden und die jetzt auf Munitionsproduktion umgestellt wird. Eine Vielzahl an Initiativen in Pieberg haben sich bereits gegründet, um sich gegen diese Transformation, die dem allgemeinen Militarisierungstrend und Kriegslogik in Deutschland folgt, einzusetzen.

„Nicht mit uns!“ sagt André Baier, Mitglied einer Nachbarschaftsgruppe, die sich im Wedding, Berlin, gegen die Umstellung der Farbik Pierburg zu einer Munitionsfabrik einsetzt. „Wir haben mit vielen Nachbarn aus dem Kiez gesprochen und sie sind zum Großteil dagegen, dass es hier eine Munitionsfabrik geben soll, auch noch in unmittelbarer Nähe zu Grundschule und Kindergarten. Natürlich wollen wir nicht, dass die Arbeitsplätze verloren gehen, aber das kann auch durch andere Produktion gesichert werden. Kürzungen von Geldern für unsere Schwimmbäder und Spielplätze damit die Regierung mehr Waffen von privaten Unternehmen kaufen kann? Wir sagen: Geld für den Kiez statt Waffen für den Krieg!“

Vertreterinnen und Vertreter der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre werden auf den Hauptversammlung der Rheinmetall AG sprechen und die Unternehmensführung mit ihrer Kritik konfrontieren. Das Briefing „Neue Normalität? – Unsere Kritik an den Rüstungsfirmen Rheinmetall, Hensoldt & Co“ finden Sie hier: https://www.ohne-ruestung-leben.de/fileadmin/user_upload/startseite/2026/Briefing-Rheinmetall-Hensoldt-2026-web.pdf

Am Tag der Rheinmetall-Hauptversammlung findet eine Protestaktion in Düsseldorf statt. Diese startet am 12. Mai 2026 um 11.55 Uhr vor der Rheinmetall-Konzernzentrale am Rheinmetall-Platz 1 in 40476 Düsseldorf.

Kontakt:

Jari Bertolini und Markus Dufner, Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre, E-Mail: dachverband[at]kritischeaktionaere.de, Tel.: 0221 599 56 47 

Dr. Andreas Seifert, Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel, E-Mail: a.seifer[at]@aufschrei-waffenhandel.de, Tel.: 0176 9906 7209

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.kritischeaktionaere.de/rheinmetall/kein-blankoscheck-fuer-ruestungsunternehmen-2/