Kampagne Plough Back The Fruits Sibanye-Stillwater Hauptversammlung 2026

„Ihre Unternehmenswerte sind bedeutungslos, wenn Gemeinden nicht an den sie betreffenden Entscheidungen beteiligt werden“: Rede von Brown Matloko, Wonderkop/Südafrika

Rede von Brown Matloko, Umwelt- und Community-Aktivist der Organisation HERD (Helping Environment and Resilient Development, www.herdnpc.org) auf der Hauptversammlung 2026 des südafrikanischen Bergbauunternehmens Sibanye-Stillwater

Guten Tag an alle,

vielen Dank für die Möglichkeit, heute zu sprechen.

Es scheint, dass die erklärten Unternehmenswerte — Respekt, Verantwortlichkeit, Engagement und Befähigung — für die betroffenen Gemeinschaften bedeutungslos geworden sind, weil die Gemeinden in der Praxis weiterhin keine echte Beteiligung an Entscheidungen haben, die ihr Leben unmittelbar betreffen.

Seit Jahren bringen die Gemeinden immer wieder dieselben Sorgen und Probleme vor, dennoch trifft Sibanye-Stillwater weiterhin Entscheidungen und reagiert auf Probleme, ohne die Beschwerdeführenden selbst angemessen einzubeziehen. Das ist der erste große Fehler. Wenn betroffene Menschen nicht in Diskussionen und Entscheidungsprozesse einbezogen werden, können die Erwartungen dieser Gemeinschaften nicht erfüllt werden.

Das Unternehmen scheint häufig nicht bereit zu sein, Verantwortung für die Realität zu übernehmen, die Menschen täglich erleben. Statt die Erfahrungen der Gemeinden offen anzuerkennen, erfolgt meist eine defensive Reaktion. Vielleicht liegt das Problem nicht nur beim Unternehmen selbst, sondern auch bei den Personen, die für die Beziehungen zu den Gemeinden verantwortlich sind. Dennoch muss das Unternehmen kritisch hinterfragen, warum eine so große Lücke zwischen dem besteht, was auf dem Papier steht, und dem, was die Gemeinden tatsächlich im Alltag erleben.

Ein besonders ernstes Problem sind die fortlaufenden Veränderungen an den Tailings-Anlagen ohne angemessene Konsultation oder Beteiligung der betroffenen Gemeinden. Themenbereich II des Global Industry Standard on Tailings Management verpflichtet Betreiber dazu, ein umfassendes Verständnis des sozialen, ökologischen und lokalen wirtschaftlichen Kontexts sowohl geplanter als auch bestehender Tailings-Anlagen zu entwickeln. Dazu gehören detaillierte Standortanalysen sowie die Zusammenarbeit mit betroffenen Gemeinden oder Interessengruppen, um fundierte Entscheidungen während des gesamten Lebenszyklus der Anlage zu ermöglichen — einschließlich Planung, Betrieb, Notfallvorsorge, Stilllegung und Nachsorgeplanung.

Dennoch haben wir erlebt, dass bei Tailings 5 und 6 Sprühanlagen installiert wurden, ohne jegliche Einbindung der betroffenen Gemeinden. Tailings 5, das zuvor als stillgelegt beziehungsweise inaktiv galt, wurde plötzlich wieder in Betrieb genommen, ohne dass eine Konsultation stattgefunden hat.

Der Tailings-Damm RWD 6 wurde zuvor mit dem oberen Management besprochen, und es bestand die Zusage, dass die Anlage stillgelegt werden würde. Stattdessen wurde sie ohne jede Konsultation der Gemeinden für eine andere Nutzung umfunktioniert.

Diese Maßnahmen scheinen nicht mit anerkannten globalen Industriestandards übereinzustimmen, einschließlich der ICMM-Tailings-Prinzipien und der Zusagen gegenüber den betroffenen Gemeinden.

Wir müssen uns an die Lehren des Massakers von Marikana erinnern.

Im August 2012 protestierten Arbeiter der Lonmin-Mine in Marikana/Wonderkop für bessere Löhne und Lebensbedingungen. Im Laufe der Zeit eskalierten die Spannungen, weil sich die Arbeiter ungehört und vernachlässigt fühlten. Am 16. August 2012 wurden 34 Bergarbeiter getötet und viele weitere verletzt — in einem der tragischsten Arbeitskonflikte im demokratischen Südafrika.

Das Massaker von Marikana geschah nicht plötzlich. Es war das Ergebnis ungelöster und über Jahre angestauter Spannungen. Zu den Ursachen gehörten:

• wirtschaftliche Ungleichheit
• schlechte Lebensbedingungen
• mangelnde Beteiligung und Kommunikation
• institutionelles Versagen zwischen Management, Gewerkschaften und Behörden

Heute erleben die Gemeinden weiterhin ähnliche Muster ungelöster Beschwerden. Über Jahre hinweg haben Gemeinden immer wieder Sorgen geäußert über:

• SO₂-Emissionen der Schmelzanlagen
• die Sicherheit der Tailings-Dämme
• Leckagen und Überläufe
• Luftverschmutzung durch Staub, einschließlich PM2.5- und PM10-Partikeln
• Verpflichtungen zur sozioökonomischen Entwicklung
• den fortgesetzten Betrieb unter historischen Sozial- und Arbeitsplänen von Lonmin

Die Frage, die die Gemeinden weiterhin stellen, lautet: Wie wurde die soziale Betriebslizenz des Unternehmens überhaupt erlangt, wenn die betroffenen Gemeinden fortlaufend ignoriert werden?

Viele Menschen hatten gehofft, dass Sibanye Stillwater die Bedingungen nach der Übernahme des Betriebs verbessern würde. Leider haben heute viele Gemeindemitglieder das Gefühl, dass sich die Situation von schlecht zu noch schlechter entwickelt hat. Berichten zufolge werden Beschäftigte während ihres Urlaubs entlassen. Verletzte Beschäftigte sollen nach Arbeitsunfällen gekündigt werden. Dadurch entsteht eine gefährliche Kultur, in der Arbeitnehmer Verletzungen oder Vorfälle möglicherweise verschweigen, weil sie Angst haben, ihren Arbeitsplatz und ihre Existenzgrundlage zu verlieren.

Wenn Beschäftigte oder Gemeindemitglieder Beschwerden äußern, fühlen sie sich oft direkt oder indirekt unter Druck gesetzt oder zur Zielscheibe gemacht.

Niemand verlässt morgens sein Zuhause mit der Absicht, bei der Arbeit verletzt zu werden oder zu sterben. Unfälle sind im Bergbau Realität, und Sicherheit muss immer Vorrang vor Produktion und Profiten haben.

Die Gemeinden sind keine Feinde des Bergbaus. Die Gemeinden fordern Würde, Transparenz, Verantwortlichkeit, Einbeziehung und echte Beteiligung.

Wenn diese Probleme weiterhin ignoriert werden, werden die Spannungen weiter zunehmen, und letztlich werden erneut die Gemeinden für Unruhen verantwortlich gemacht werden, während die eigentlichen Ursachen ungelöst bleiben.

Wir fordern Sibanye Stillwater auf, über bloße Erklärungen und Dokumente hinauszugehen und endlich echte Beteiligung, Transparenz, Verantwortlichkeit und Respekt in der Praxis umzusetzen — nicht nur in Präsentationen, Richtlinien und Jahresberichten.

Vielen Dank.

FRAGEN:

Beteiligung und Konsultation der Gemeinden
Wenn „Respekt und Verantwortlichkeit“ zentrale Unternehmenswerte sind, warum werden betroffene Gemeinden weiterhin von Entscheidungen über Tailings-Anlagen und betriebliche Veränderungen ausgeschlossen, die ihre Gesundheit, Sicherheit und Umwelt direkt betreffen?

Veränderungen an Tailings-Anlagen
Warum wurden bei Tailings 5 und 6 Sprühanlagen installiert, ohne die betroffenen Gemeinden vorher zu konsultieren oder einzubeziehen?

Wiederinbetriebnahme von Tailings 5
Wer hat die Wiederinbetriebnahme von Tailings 5 genehmigt, und warum wurden die Gemeinden nicht konsultiert, bevor der Betrieb wieder aufgenommen wurde?

Zusagen zu RWD 6
Das obere Management hatte zuvor erklärt, dass RWD 6 stillgelegt werden würde. Warum wurde die Anlage stattdessen ohne Konsultation der Gemeinden umgenutzt, und was hat sich im Entscheidungsprozess geändert?

Einhaltung globaler Standards
Wie rechtfertigt das Unternehmen diese Maßnahmen, obwohl der Global Industry Standard on Tailings Management verlangt, dass Betreiber betroffene Gemeinden während des gesamten Lebenszyklus einer Anlage einbeziehen?

Soziale Betriebslizenz
Wie definiert Sibanye-Stillwater seine soziale Betriebslizenz, wenn Gemeinden weiterhin ungelöste Beschwerden über Umweltverschmutzung, Sicherheitsprobleme und mangelnde echte Beteiligung äußern?

Verantwortung für Beschwerden aus der Bevölkerung
Wie viele formelle Beschwerden aus den Gemeinden zu Staub, Tailings, Emissionen, Leckagen und Sicherheitsproblemen wurden in den vergangenen fünf Jahren eingereicht, und wie viele davon wurden gelöst?

Angst vor Repressalien
Welche Schutzmaßnahmen bestehen für Beschäftigte und Gemeindemitglieder, die Bedenken oder Beschwerden äußern, ohne Einschüchterung, Vergeltung oder Benachteiligung befürchten zu müssen?

Arbeitsunfälle und Entlassungen
Wie viele Beschäftigte, die bei der Arbeit verletzt wurden, haben anschließend ihren Arbeitsplatz verloren, und wie stellt das Unternehmen sicher, dass verletzte Arbeitnehmer fair und würdevoll behandelt werden?

Lehren aus dem Massaker von Marikana
Welche konkreten Lehren aus der Tragödie von Marikana hat Sibanye-Stillwater tatsächlich umgesetzt, um sicherzustellen, dass ungelöste Beschwerden und mangelnde Beteiligung nicht erneut in Konflikte eskalieren?

Unabhängige Kontrolle
Wird das Unternehmen zusagen, gemeinsam mit uns eine unabhängige Kontrollstruktur einzurichten, an der betroffene Anwohner, technische Experten und zivilgesellschaftliche Organisationen beteiligt sind, um das Tailings-Management und die Umweltauswirkungen zu überwachen?

Transparenz und Vertrauen
Wird Sibanye-Stillwater zusagen, alle zukünftigen Änderungen im Tailings-Betrieb, Umweltvorfälle und Risikobewertungen öffentlich offenzulegen, bevor sie umgesetzt werden?

Abschließende Frage zur Verantwortlichkeit
Kann der Vorstand heute ehrlich sagen, dass die Lebensrealität der betroffenen Gemeinden tatsächlich den erklärten Unternehmenswerten Respekt, Verantwortlichkeit, Engagement und Befähigung entspricht?

Lebensbedingungen und gemeinsame Realität
Wären der CEO und die Mitglieder des Vorstands bereit, mit ihren eigenen Familien in Wonderkop unter denselben ökologischen und sozialen Bedingungen zu leben, denen die betroffenen Gemeinden in der Nähe der Betriebsstätten und Tailings-Anlagen täglich ausgesetzt sind?

Sicherheit und Schutz der Gemeinden
Wenn Unternehmensleitungen und Mitglieder des oberen Managements unsere Gemeinden besuchen, werden sie stets von privaten Sicherheitskräften begleitet. Wenn das Unternehmen die Risiken und Spannungen in diesen Gemeinden so ernst nimmt, dass die Führung Schutz benötigt — wer schützt dann die gewöhnlichen Bewohner, die dort jeden einzelnen Tag leben?

Psychologische und soziale Auswirkungen
Hat der Vorstand die langfristigen psychologischen, sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen bewertet, denen Gemeinden ausgesetzt sind, die in der Nähe von Bergbaubetrieben, Tailings-Anlagen, Emissionen, Staubbelastung und anhaltender Umweltunsicherheit leben?

Verantwortung der Führungsebene
Wie häufig treten Vorstandsmitglieder und Führungskräfte direkt mit betroffenen Bewohnern in Kontakt — ohne kontrollierte Rahmenbedingungen, Sicherheitsbarrieren oder gesteuerte PR-Prozesse?

Menschliche Würde
Wenn das Unternehmen wirklich an „Respekt“ und „Befähigung“ glaubt, warum fühlen sich die Gemeinden dann weiterhin ungehört, unsicher und von Entscheidungen ausgeschlossen, die ihre eigenen Häuser, Familien, Gesundheit und Zukunft betreffen?


Stellungnahme/Antworten von Richard Stewart, Vorstandsvorsitzender von Sibanye-Stillwater:

„Wir haben den Wunsch, die Gemeinden zu unterstützen, die – wie Sie wissen – zu unseren wichtigsten Stakeholdern gehören, und wir nehmen das sehr ernst. Seit unserem Treffen in Deutschland hat es aus meiner Sicht gewisse Fortschritte gegeben, über die ich persönlich sehr erfreut bin, insbesondere die Vereinbarung mit technischen Expertinnen und Experten im Umweltbereich sowie die Einführung eines Betriebsmodells. Die „Good Neighbours“-Vereinbarung ist vorangekommen, und ich freue mich sehr, dass diese Expertinnen und Experten heute im gemeinsamen Interesse beider Seiten daran arbeiten, diese Probleme zu lösen. Das ist aus meiner Sicht ein bedeutender Fortschritt.

Ich weiß, dass unser Team sich vierteljährlich mit Ihnen und Ihren Vertreterinnen und Vertretern trifft, und viele der von Ihnen angesprochenen Themen sind uns selbstverständlich gut bekannt und werden regelmäßig besprochen. Daher gehe ich heute nicht im Detail auf alles ein, aber natürlich werden diese Themen weiterhin bearbeitet.

Es genügt zu sagen, dass wir nach meinem Kenntnisstand derzeit vollständig in Übereinstimmung mit allen regulatorischen Anforderungen in Bezug auf unsere Tailings-Anlagen, Wasserstaudämme usw. sind, ebenso wie mit unseren sozialen Verpflichtungen im Rahmen unserer Social and Labour Plans (SLPs).

All dies ändert jedoch nichts daran, dass unser fortgesetztes Engagement für die Gemeinden, in denen wir tätig sind, sowie unser Einsatz für die Entwicklung und Verbesserung dieser Gemeinden ein wesentlicher Bestandteil dessen ist, wer das Unternehmen ist.

Wie wir bereits oft gesagt haben, wird unsere Marke durch den „einzigen Baum“ repräsentiert, der sich ebenfalls im Hintergrund befindet.

Abschließend möchte ich mich für Ihre Leidenschaft und Ihr Engagement bedanken. Wir freuen uns darauf, weiterhin vierteljährlich mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um diese von Ihnen angesprochenen Themen zu bearbeiten.

Vielen Dank für Ihren Beitrag.“

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