Siemens Energy verheizt das Klima mit Gasturbinen – Rede von Moritz Leiner (urgewald)

„Siemens Energy legt gerade den Neubau fossiler Infrastruktur auf Jahrzehnte fest und treibt somit die Klimakrise weiter voran.“, mahnt Moritz Leiner auf der Siemens Energy Hauptversammlung 2026.

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat,

Ich heiße Moritz Leiner, ich arbeite bei der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald und vertrete hier heute den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.


Siemens Energy hat mit dem Geschäftsbereich Gas Services eine weltweit führende Position auf dem Markt für fossile Gasturbinen. Damit tragen Sie im Management von Siemens Energy eine direkte Verantwortung für die globale Expansion klimaschädlicher, fossiler Gasinfrastruktur. Doch was machen Sie? Sie nehmen munter weiter neue fossile Aufträge entgegen und bauen ihre Kapazitäten aus – mitten in der Klimakrise.
Vor diesem Hintergrund frage ich Sie:

  • Welche Maßnahmen hat der Nachhaltigkeits- und Finanzausschuss des Aufsichtsrats von Siemens Energy getroffen, um die Scope-3-Dekarbonisierung bei Siemens Energy sicherzustellen?
  • Im Geschäftsbericht schreiben Sie, dass Sie ab dem Geschäftsjahr 2025 Ihr Scope 3- Downstream-Emissionsziel anhand eines intensitätsbasierten Ansatzes berichten. Was ist mit Ihrem absoluten Ziel die Scope 3-Downstream-Emissionen bis zum Geschäftsjahr 2030 um 28 % zu reduzieren, das Sie zuvor immer kommuniziert haben? Ist das jetzt abgeräumt?
  • Jetzt zu den Details dieses Ziels: Sie streben bis zum Geschäftsjahr 2030 eine relative Reduzierung der Emissionen aus der Nutzung verkaufter Produkte um mindestens 50 % an. Sie weisen jedoch für das Geschäftsjahr 2025 bereits erzielte Reduktionen von 49% aus. Verstehen wir es richtig, dass Ihr Ziel für die nächste vier Jahre tatsächlich nur ist, die Emissionsintensität im Scope-3-Downstream-Bereich einen einzigen weiteren Prozentpunkt zu senken? Finden sie dies in Anbetracht Ihrer expandierenden Gasgeschäfte angemessen?
  • Sie schreiben in ihrem Geschäftsbericht, dass Sie derzeit „über keinen Übergangsplan für den Klimaschutz“ verfügen, jedoch prüfen Sie „aktiv die Entwicklung einer entsprechenden Übergangsstrategie“. Bis wann wollen Sie diese Übergangsstrategie vorlegen und nach welchem Emissionsreduktionspfad wollen Sie ihr Portfolio ausrichten? Haben Sie vor, die Scope 3 Downstream Emissionen ihres Unternehmens an einen 1,5-Grad konformen Reduktionsplan anzupassen? Falls ja, bis wann?

Mit dem fossilen Backlash der ins autoritäre abdriftenden Trump-Regierung hat sich die in den USA in Entwicklung befindliche Gaskraftwerkskapazität von 2024 auf 2025 fast verdreifacht. Dieser fossil-autoritäre Gasrausch spiegelt sich auch in den aktuellen Geschäftszahlen und den Prognosen bei Siemens Energy. Die Auftragsbücher bei Siemens Energy sind im Gasbereich voll. Meine Fragen dazu:

  • Wie viele Neuanlagen-bezogene Auftragseingänge hat Siemens Energy konkret für Erdgaskraftwerke und LNG-Projekte im Geschäftsjahr 2025 als Zulieferer verzeichnet? Wie schätzen Sie die Auftragslage für 2026 ein? Bitte differenzieren Sie zwischen ErdgasKW und LNG-Projekten. Bitte listen Sie auch die Namen sowie die Kapazität der konkreten Projekte, inklusive des (technischen) Beitrags von SE und des finanziellen Projektvolumens auf.
  • Von welchen zusätzlichen Treibhausgasemissionen durch die Erdgaskraftwerk und LNG-Projekte geht SE aus? Bitte nach Scope 1,2 und 3 differenzieren.
  • Wie viel Prozent machten diese Aufträge am Gesamtumsatz von Siemens Energy aus?
  • An welchen weiteren Projekten im Bereich der fossilen Energien ist SE darüber hinaus beteiligt? Geben Sie bitte selbige Informationen wie in Frage 1 an.
  • Bis wann sind Ihre Gasturbinen ausgebucht? Konkret: Mit welchen Wartezeiten müssen Kunden rechnen, die aktuell Gasturbinen bei Ihnen bestellen? Bitte differenzieren nach kleinen Gasturbinen (bis 20MW), mittleren Gasturbinen (20 – 100 MW), großen Gasturbinen (100 – 600 MW).

Siemens Energy lobbyiert bei der Bundesregierung dafür, auch weiterhin im Exportgeschäft von staatlichen Exportkreditgarantien für fossile Gaskraftwerkexporte profitieren zu können. Das widerspricht aber eindeutig den selbstgesteckten Klimazielen der Bundesregierung. Ich frage mich:

  • Wie viele ihrer Gaskraftwerksprojekte haben 2025 staatliche Bürgschaften bekommen?
  • Auf welche Gesamtsumme summieren sich die Bürgschaften? Welchen Anteil davon machen Exportkreditgarantien aus? Welcher Anteil davon entfällt auf EulerHermes, welcher auf andere Exportkreditagenturen?

Meine Damen und Herren,

Siemens Energy legt gerade den Neubau fossiler Infrastruktur auf Jahrzehnte fest und treibt somit die Klimakrise weiter voran. Statt auf diese kurzfristigen Gewinne im fossilen Bereich zu setzen und diese an Aktionär*innen auszuschütten, müssen jetzt konsequente Investitionen in den Ausbau des erneuerbaren Geschäftsbereichs erfolgen. So könnte das Unternehmen eine wichtige Rolle dabei spielen sicherzustellen, dass die Energiewende in Europa und anderswo weiterhin auf Kurs bleibt. Das würde den Konzern davor bewahren, durch das Ignorieren mittel- bis langfristiger fossiler Risiken in eine ähnliche Falle zu tappen wie es die deutschen Autobauer aktuell erleben müssen.

Vielen Dank

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