Südzucker AG Hauptversammlung 2026

„Angesichts der eskalierenden Klimakrise erwarten wir mehr Investitionen und Unterstützung der Landwirtschaft“: Rede von Tilman Massa

Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats,
sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

ich bin Tilman Massa, ich spreche für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Mit den uns übertragenen Stimmrechten fordern wir von Südzucker deutlich effektivere Maßnahmen gegen die Klimakrise sowie für den Schutz der Umwelt und Biodiversität ein.

Angesichts der immer deutlicher werdenden Auswirkungen der Klima- und Biodiversitätskrise erwarten wir von Ihnen deutlich mehr Investitionen und Unterstützung der Landwirtschaft – vor allem mittel- und langfristig und auch dann, wenn Ihnen die Schwankungen beim Zuckerpreis keine Gewinne einbringen, so wie im letzten Geschäftsjahr.

Wir haben daher entsprechende Anträge auf Nicht-Entlastung des Vorstands eingereicht, aber auch gegen die Billigung des aktuellen Vergütungsberichts und das revidierte Vergütungssystem für den Vorstand, die ich hiermit auch formal stelle.

Dazu habe ich folgende Fragen an Sie, aus denen auch unsere Kritikpunkte deutlich werden:

Menschenrechte und Kinderarbeit

    Im aktuellen Geschäftsbericht berichten Sie erneut über einen Fall von Kinderarbeit bei einem Lieferanten Ihrer Tochtergesellschaft AGRANA in derselben Region wie bereits im Vorjahr. Gleichzeitig verweisen Sie auf Risikoanalysen, Audits und Präventionsmaßnahmen.

    • Können Sie ein paar mehr relevante Details zu den Vorfällen von Kinderarbeit geben: Um welche Zulieferer handelt es sich, um welche Region bzw. welches Land genau?
    • Welche zusätzlichen strukturellen Präventionsmaßnahmen haben Sie nach dem ersten Vorfall eingeführt, damit sich ein solcher Fall nicht erneut in derselben Region oder auch anderswo ereignet?
    • Anhand welcher konkreten Kennzahlen oder Indikatoren überprüft Südzucker künftig, ob diese Maßnahmen tatsächlich wirksam sind?
    • Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dem erneuten Vorfall für die Weiterentwicklung Ihres menschenrechtlichen Risikomanagements im Rahmen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes und der ESRS-Berichterstattung?
    • Welche konkreten Verbesserungen der Arbeits- und Menschenrechtssituation bei Lieferanten konnten im Geschäftsjahr 2025/26 nachweislich erreicht werden?
    • Welche konkreten Verbesserungen konnten Sie im Geschäftsjahr 2025/26 infolge Ihrer Risikoanalysen oder Lieferantenaudits tatsächlich erreichen?
    • Planen Sie künftig stärker ergebnisorientierte Kennzahlen zu veröffentlichen, um die Wirksamkeit Ihrer Maßnahmen nachvollziehbarer darzustellen?

    Fossile Abhängigkeiten, Klimaschutz und nachhaltige Landwirtschaft

      Sie berichten ausführlich über Klimaschutzmaßnahmen, betonen die Bedeutung der Klimaanpassung für die Landwirtschaft. Weniger deutlich wird jedoch, wie Sie die Landwirtschaft langfristig an zunehmende Trockenheit, Hitze und Extremwetter anpassen wollen.

      • Welche konkreten Investitionen plant Südzucker in den kommenden Jahren, um die Klimaresilienz der landwirtschaftlichen Lieferketten zu erhöhen?
      • Sie kündigen eine Ausweitung der Klimawandel-Szenarioanalysen auf weitere Feldfrüchte an. Welche strategischen Entscheidungen sollen daraus konkret folgen?
      • Welche zusätzlichen Maßnahmen plant Südzucker zur Dekarbonisierung seiner energieintensiven Zuckerproduktion über bereits laufende Einzelprojekte hinaus?
      • Welche langfristige Strategie verfolgt Südzucker, um die Landwirtschaft in seiner Wertschöpfungskette an die Folgen des Klimawandels anzupassen und dabei Bodenfruchtbarkeit, Wassermanagement und Ertragssicherheit gemeinsam zu stärken?
      • Welche konkreten Maßnahmen planen Sie zum langfristigen Schutz der Bodenfruchtbarkeit und zur Verbesserung der Wasserspeicherfähigkeit landwirtschaftlicher Böden?
      • Welche Rolle sollen humusaufbauende Bewirtschaftungsmethoden und ein nachhaltigeres Nährstoffmanagement künftig innerhalb Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie spielen?
      • Welche konkreten Ziele verfolgt Südzucker zur Verringerung der Abhängigkeit der landwirtschaftlichen Wertschöpfung von fossilen Betriebsmitteln, insbesondere mineralischen Stickstoffdüngern?
      • Wie sieht der Fahrplan aus, die weiterhin hohe Abhängigkeit der Zuckerproduktion von Erdgas schrittweise zu reduzieren?
      • Welche Rolle können aus Ihrer Sicht Agri-Photovoltaik und andere innovative landwirtschaftliche Lösungen künftig innerhalb Ihrer Klimastrategie übernehmen?

      Vergütungssystem

      • Sie identifizieren im Nachhaltigkeitsbericht Klimawandel, nachhaltige Landwirtschaft und menschenrechtliche Sorgfaltspflichten als zentrale Zukunftsthemen des Unternehmens. Warum spiegeln sich diese Themen nicht ebenso konkret und transparent in den Nachhaltigkeitszielen der Vorstandsvergütung wider?
      • Welche konkreten Nachhaltigkeitsziele fließen derzeit und zukünftig in die variable Vorstandsvergütung ein, wie hoch ist ihre jeweilige Gewichtung und anhand welcher Kennzahlen wird ihre Zielerreichung gemessen?
      • Welchen tatsächlichen Einfluss hatten Nachhaltigkeitsziele im Geschäftsjahr 2025/26 auf die Höhe der variablen Vorstandsvergütung im Vergleich zu finanziellen Kennzahlen wie EBITDA oder ROCE?
      • Warum enthält das neue Vergütungssystem keine verbindlichen und transparent definierten Nachhaltigkeitsziele, obwohl Südzucker Klimawandel und nachhaltige Landwirtschaft selbst als wesentliche Themen identifiziert hat?

      Politische Rahmenbedingungen: Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP), Mercosur und Zuckersteuer

      • Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer grundlegenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik.
      • Welche Vorteile, welche Probleme sieht Südzucker in der geplanten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik für die eigenen Geschäfte und Nachhaltigkeit des Unternehmens?
      • Bringt sich Südzucker aktiv in die europäischen Diskussionen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik ein, beispielsweise über Verbände oder eigene Stellungnahmen? Falls ja: Welche agrarpolitischen Rahmenbedingungen halten Sie für erforderlich, um Klimaschutz, Ernährungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft besser miteinander zu verbinden?
      • Welche Änderungen der Gemeinsamen Agrarpolitik wären aus Sicht der Südzucker AG notwendig, um Landwirte, insbesondere kleine Betriebe, künftig stärker bei der Anpassung an den Klimawandel sowie beim Boden- und Ressourcenschutz zu unterstützen?
      • Welche Auswirkungen erwarten Sie durch das Mercosur-Abkommen auf die europäische Zuckerproduktion und auf die Wettbewerbsbedingungen Ihrer landwirtschaftlichen Partner
      • Sie lehnen eine Zuckersteuer mit dem Hinweis auf Ernährungsbildung ab. Welche konkreten, messbaren Maßnahmen finanziert oder unterstützt Südzucker selbst, um den Zuckerkonsum in der Bevölkerung zu reduzieren, und wie bewerten Sie deren Wirksamkeit?
      • Welche politischen Maßnahmen zur Verringerung des übermäßigen Zuckerkonsums würde Südzucker stattdessen unterstützen, die über allgemeine Ernährungsbildung hinausgehen?
      • Sie sprechen sich gegen eine „pauschale Verurteilung einzelner Zutaten“ aus. Erkennt der Vorstand zugleich an, dass ein übermäßiger Zuckerkonsum ein wesentlicher Risikofaktor für ernährungsbedingte Erkrankungen ist? Welche Verantwortung sieht Südzucker daraus für das eigene Kerngeschäft erwachsen?
      • Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse stützen die Aussage des Vorstands, dass eine Zuckersteuer kein geeignetes Instrument zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit sei, obwohl zahlreiche Länder nach Einführung entsprechender Abgaben einen Rückgang des Konsums zuckerhaltiger Getränke und Reformulierungen durch Hersteller beobachten konnten?
      • Ist der Vorstand bereit, sich öffentlich für verbindliche Reduktionsziele beim zugesetzten Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln einzusetzen, sofern diese branchenweit gelten? Falls nein, warum nicht?

      Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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