Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats,
sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
ich bin Tilman Massa, ich spreche für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Mit den uns übertragenen Stimmrechten fordern wir von Südzucker deutlich effektivere Maßnahmen gegen die Klimakrise sowie für den Schutz der Umwelt und Biodiversität ein.
Angesichts der immer deutlicher werdenden Auswirkungen der Klima- und Biodiversitätskrise erwarten wir von Ihnen deutlich mehr Investitionen und Unterstützung der Landwirtschaft – vor allem mittel- und langfristig und auch dann, wenn Ihnen die Schwankungen beim Zuckerpreis deutlich weniger Gewinne einfahren lassen, so wie im letzten Jahr und aktuell.
Wir können weiterhin nicht erkennen, dass Sie Ihrer Verantwortung für die Umsetzung von effektiven Maßnahmen zum Schutz von Klima und Menschenrechten gerecht werden. Wir haben daher einen Gegenantrag eingereicht, den ich hiermit auf formal stelle. Ich habe dazu etliche Fragen an Sie:
Steigende Emissionen zeugen von unzureichenden Maßnahmen für den Klimaschutz:
Die begonnenen Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Reduktion der Treibhausgasemissionen scheinen bisher nicht auszureichen, um die eigenen Klimaziele erreichen zu können. Statt zu sinken, sind die direkten und indirekten Emissionen (Scope 1 und 2) im Vergleich zum Geschäftsjahr 2023/24 um über neun Prozent auf über 3 Mio. t CO2 im letzten Geschäftsjahr gestiegen. Es ist so nicht nachvollziehbar, wie Südzucker das Klimaziel, bis 2030 die Scope 1- und 2-Emissionen um die Hälfte gegenüber 2018 zu reduzieren, mit den aktuellen Plänen auch tatsächlich erreichen kann. Der Anteil fossiler Energie, vor allen aus Kohle und Erdgas, am Gesamtenergieverbrauch des eigenen Betriebs beträgt weiterhin fast 84 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energie muss deutlich schneller erhöht werden, dazu muss deutlich mehr investiert werden als bisher von Südzucker geplant.
In Bezug auf die Emissionen aus der Wertschöpfungskette (Scope 3) müssen die Maßnahmen ebenfalls deutlich effektiver werden. So liegen die Scope-3-Emissionen im letzten Geschäftsjahr bei fast 8 Mio. t CO2 und haben sich gegenüber 2018 um noch nicht einmal 3 Prozent reduziert.
Angesichts dieser Zahlen, so im aktuellen Geschäftsbericht nachzulesen, und der eskalierenden Klimakrise, die immer mehr die Grundlagen jeglicher Landwirtschaft bedroht, grenzt die ebenfalls im Geschäftsbericht gezogene Schlussfolgerung von Südzucker an Realitätsverweigerung, siehe Seite 114: „Die Südzucker-Gruppe hat keine Exposition gegenüber Kohle-, Öl- und Gastätigkeiten. Zur Erreichung der Klimaziele bedarf es auf Basis der aktuellen Strategie der Südzucker-Gruppe keiner Anpassung des Geschäftsmodells.“
Herr Pörksen, Sie haben vorhin doch selbst beklagt, wie negativ sich der durch die Klimakrise erhöhter Schädlingsbefall auswirkt. Gleichzeitig beklagen Sie unspezifisch hohe Energiekosten und Investitionen, die im Bereich Nachhaltigkeit getätigt werden müssten. Bei all dem vermisse ich einen nachvollziehbaren Plan, ihre Abhängigkeit von fossilen Energien kontinuierlich zu verringern. Daher folgende Fragen:
- Halten Sie an Ihrem Klimaziel 2030 fest und wenn ja, wie genau wollen Sie dies unter den aktuellen Bedingungen erreichen?
- Herr Pörksen, Sie sagen einerseits, dass sie „alle Projekte und Investitionsvorhaben einer kritischen Bewertung unterziehen“ wollen, andererseits mit Verweis auf einige kleine Projekte, „die Gestaltung [Ihrer] Zukunft nicht aus dem Blick“ zu verlieren. Verändern, verschieben oder reduzieren Sie nun auch etwa Klimaschutzmaßnahmen und entsprechende Investitionen aufgrund der aktuell schwierigen Geschäftslage?
- Mit welchem Anteil fossiler Energie am Gesamtenergieverbrauch Ihres eigenen Betriebs rechnen bzw. planen Sie bis 2030 und dann jeweils in den folgenden fünf Jahren 2035, 2040, 2045 und 2050?
- Wie bzw. mit welchen Anteilen soll sich dabei jeweils die Nutzung von Biogas aus Rübenschnitzeln zur Eigenversorgung entwickeln, und wie andere erneuerbare Energien?
- Am Thema Agri-Photovoltaik (Agri-PV) scheinen Sie bisher kaum interessiert, dabei kann dies durchaus gut mit dem Rübenanbau kombiniert werden. Daher frage ich wie letztes Jahr: Unterstützen Sie Agri-Photovoltaik-Projekte im Rübenanbau bzw. würden dies in Erwägung ziehen? Wenn nicht, aus welchen Gründen?
- Sie setzen bei der Bekämpfung der Klimakrisenfolgen auf herkömmliche Methoden, vor allem auf den Einsatz von Pestiziden, sprich: Agrargifte, die in vielen Fällen nachweislich die Gesundheit schädigen und ganze Ökosysteme zerstören. Auf welche Pestizide setzen Sie hier genau und für welche braucht oder bräuchte es Ausnahmeregelungen in der EU?
- Sie sprechen in diesem Zusammenhang auch schwammig von „neuen Züchtungsmethoden“. Ist hiermit die neue Gentechnik rund um CRISPR/Cas gemeint? Können Sie dies bitte erläutern: Arbeiten Sie hier mit anderen Konzernen zusammen und wenn ja, mit welchen und zu welchen Methoden?
Positionen und Forderungen zu Mercosur- und Ukraine-Abkommen:
- Herr Pörksen, Ihre Formulierungen zum Mercosur-Abkommen waren vorhin ja nun so diplomatisch, dass völlig unklar ist, was Sie nun eigentlich fordern: Eine Reform, die einer Abschaffung gleichkommen würde, nur Ausnahmen für die Bereiche, die Ihre Geschäfte betreffen, ohne Rücksicht auf negative Folgen in den Mercosur-Ländern? Sie tun weder den Befürworter*innen noch den Kritiker*innen des Freihandels einen Gefallen, wenn Sie hier nicht klar ihre Gründe und Forderungen formulieren. In Bezug auf die Risiken für das Klima und die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Südamerika haben wir hier auch erhebliche Bedenken und lehnen das Mercosur-Abkommen so ab.
- Genauso in Bezug auf die Verhandlungen der EU-Kommission für ein neues Abkommen mit der Ukraine: Was sind hier Ihre konkreten Vorschläge, die auch die Situation der Ukraine durch die verheerenden Folgen des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs durch Russland berücksichtigen?
Intransparenz bei Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten:
Es ist zwar lobenswert, dass Südzucker nun auch im Geschäftsbericht einheitlich zu relevanten Nachhaltigkeitsaspekten entsprechend der neuen EU-Standards ESRS bzw. nach CSRD berichtet. So umfangreich die Beschreibungen zu allgemeinen Verfahren der menschenrechtlichen Risikoanalyse sind, so verschwiegen und intransparent berichtet Südzucker dann ausgerechnet genau in dem einen Fall, bei dem etwas mehr Transparenz und Informationen dringend nötig gewesen wären:
So heißt es auf Seite 151 lediglich: „In der Wertschöpfungskette der Südzucker-Gruppe gab es im Geschäftsjahr 2024/25 einen gemeldeten Vorfall, bei dem eine Menschenrechtsverletzung festgestellt wurde.“ Südzucker verschweigt so alle nötigen Maßnahmen, zu denen es laut Lieferkettengesetz verpflichtet ist: unverzüglich angemessene Abhilfemaßnahmen zu ergreifen, um diese Verletzung zu verhindern, zu beenden oder das Ausmaß der Verletzung zu minimieren, sowie unverzüglich angemessene Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.
Darüber hätte Südzucker berichten können, aber so ist noch nicht einmal klar, um welche Art von Menschenrechtsverletzung es sich handelt, oder um einen direkten oder indirekten Zulieferer, oder um einen Fall in der nachgelagerten Lieferkette. Hätte Südzucker den Bericht entsprechend den gesetzlichen Anforderungen des Lieferkettengesetzes veröffentlicht, wären zumindest einige dieser grundlegenden Fragen beantwortet worden. Südzucker hält es aber anscheinend weiterhin nicht für nötig, weder den Bericht gemäß Lieferkettengesetz zu veröffentlichen, noch über die eigenen Reaktionen auf festgestellte Menschenrechtsverletzungen zumindest im Geschäftsbericht transparent zu berichten. Ein Mindestmaß an Transparenz sollte sein, zumindest zu berichten, ob die Menschenrechtsverletzung beendet werde konnte oder weiterhin besteht.
- Um was genau handelt es sich bei jenem gemeldeten Vorfall im letzten Geschäftsjahr, bei dem eine Menschenrechtsverletzung festgestellt wurde? Was genau ist vorgefallen, wie haben Sie reagiert und konnte die Verletzung mittlerweile beendet werden? Wenn nicht, was tun sie dafür?
- Würden Sie in Erwägung ziehen, in Bezug auf Beschwerden und konkrete Menschenrechtsverletzungen im nächsten Geschäftsbericht detaillierter zu berichten, wie es auch das Lieferkettengesetz fordert? So müssten Sie nicht auf noch zusätzlich einen Bericht zum Lieferkettengesetz veröffentlichen und einer einheitlichen Berichtserstattung auch einen Sinn geben.
- Haben Sie im aktuellen Geschäftsjahr Menschenrechtsverletzungen bei sich oder Zulieferern festgestellt oder haben dazu Hinweise bzw. Beschwerden erhalten? Wenn ja, zu welchen Fällen genau und wie reagieren Sie?
- Haben Sie Geschäftsbeziehungen mit Zulieferern aufgrund von unzureichendem Hinwirken auf Beendigung von Umwelt- und Menschenrechtsverstößen beenden müssen und wenn ja, in welchen Fällen und aus welchen Gründen genau?
Kosten Berichtspflichten
- Wie hoch waren Ihre Grenzkosten (Vollkosten sind optional) im letzten, abgeschlossenen Geschäftsjahr und, sofern vorläufig verfügbar, im aktuellen Geschäftsjahr für die Finanzberichterstattung nach HGB und IFRS? Dies bezieht sich nur auf alle Kosten, die für die Konzernabschlüsse anfallen.
- Wie hoch waren Ihre Grenzkosten im letzten, abgeschlossenen Geschäftsjahr 2024 und, sofern vorläufig verfügbar, im aktuellen Geschäftsjahr für die Berichterstattung nach den ESG-Berichtsstandards der European Sustainability Reporting Standards (ESRS)?
- Wie hoch waren Ihre gesamten finanziellen Aufwendungen für Werbung im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr und, sofern vorläufig verfügbar, im aktuellen Geschäftsjahr?
Zum Segment Zucker und Ernährungspolitik:
Herr Pörksen, Ihr Lob zum „selbstbestimmtes Konsumverhalten“ im Koalitionsvertrag kann ich gut einordnen. Sie bzw. Ihre Lobby haben erfolgreich mit einer mehr als fragwürdigen Kampagne und mit der FDP das Kinderschutz-Werbegesetz verhindert. Doch Studien im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigen: Fast neun von zehn Menschen sprechen sich in Deutschland für strengere Werbebeschränkungen für Produkte mit viel Fett, Zucker und Salz zum Schutz von Kindern aus. Eine deutliche Mehrheit (79 Prozent) befürwortet eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke, um Hersteller gegebenenfalls zu motivieren, den Zuckergehalt zu reduzieren.
- Sind hier die mündigen Bürger Ihrer Ansicht nach etwa falsch informiert?
- In welcher Hinsicht soll die Verbraucherbildung im Bereich Ernährung Ihrer Ansicht genau gestärkt werden?
- Wie genau haben Sie Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren zum Kinder-Lebensmittel-Werbegesetz und allgemein zur Ernährungsstrategie genommen?
- Sind für Sie die Themen Zuckersteuer und Werbebeschränkungen aktuell keine Risiken mehr?
- Die neue Bundesregierung setzt ja auch weiter auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie. Konnten Sie bisher und können Sie negative Auswirkungen auf Ihr Zuckergeschäft durch diese freiwilligen Selbstverpflichtungen feststellen?
- Um wie viel Prozent haben Sie im Rahmen der seit 2018 geltenden Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie den Zucker-, Salz- und Fettgehalt in Ihren Fertigprodukten reduziert?
Zum Segment Spezialitäten und den Tiefkühlpizzen von Freiberger:
In Ihrer Folie hieß es vorhin so unklar wie auf der letzten Hauptversammlung: „Ausrichtung des Sortiments auf Markttrends wie Plant-Based“. Herr Pörksen, Sie sprechen völlig unklar davon, dass „Nachhaltigkeitsaspekte in der Analyse zunehmend berücksichtigt“ werden würden.
- Um welche Nachhaltigkeitsaspekte handelt es sich hier genau?
- Wie hoch ist aktuell bei Freiberger der Anteil an Bio- und veganen Pizzen?
- Ist hier eine Steigerung geplant und wenn ja, in welchem Umfang?
Aktionärsrechte und virtuelle Hauptversammlung:
Wir fordern Sie weiterhin auf, dass Sie für einen echten Austausch auch eine Hauptversammlung in Präsenz durchführen, an der ergänzend auch online teilgenommen werden kann, also die hybride Hauptversammlung.
- Haben Sie konkret geprüft oder planen Sie, eine hybride Hauptversammlung durchzuführen, an der sowohl in Präsenz als auch digital teilgenommen werden kann?
- Was wären die Mehrkosten einer hybriden Hauptversammlung gegenüber eine virtuellen oder Präsenz-Hauptversammlung?
- Wie sehen dahingehend Ihre Pläne für die Hauptversammlung 2026 aus?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.








